Leben

Hindernis Mensch

Hindernis Mensch

Der Homo sapiens steht sich selbst im Weg

Als nicht akkreditierter, nicht autorisierter und meist schlecht informierter Berichterstatter aus dem Vatikan, versuche ich vom heiligen Stuhl aus, Rom und den Rest der Welt über die Ent- und Verwicklungen unserer Mutter, der Kirche, auf dem Laufenden zu halten. Und ich darf mit Fug und Recht behaupten, das ist ein ganz schönes Stück harter Arbeit. Meine Kollegen, die über unseren Vater, den Staat, berichten, haben es da auch nicht leichter.

Mutter Kirche und Vater Staat sind bekanntlich nicht verheiratet, leben also in wilder Ehe. Dass die Mutter ein reines Patriarchat ist und der Vater sich mit seinen nach Höherem strebenden Töchtern schwer tut, ist hinlänglich bekannt und muss von den Kindern akzeptiert werden. Ohne zu murren, bitte, die Eltern wissen meistens schon was sie tun.

In jeder Familie gibt es ab und zu Streit, in der Regel geht es um das liebe Geld oder um die Erziehung der Kinder. Das war schon immer so und wird auch lange noch so bleiben. Der Vater muss arbeiten, wo gearbeitet, oder anders gesagt, gehobelt wird, fallen Späne, manchmal auch Kinder. Die Mutter sitzt auf ihrem heiligen Stuhl und ist damit beschäftigt, über das Sexualleben ihrer Nachkommenschaft zu wachen. Finanziell erhält sie von Derselbigen eine Zuwendung. Wobei man natürlich erwähnen muss, dass auch der Vater seine Brut ganz ordentlich schröpft. Aber ist es nicht schön, wenn die Kinder ihre Eltern finanziell unterstützen, wenn sie mithelfen, die sinnlos gemachten Schulden zurückzuzahlen, wenn sie ihrer Mutter hin und wieder eine Reise in ein fernes Land finanzieren. Auch wenn sie dabei fast vor die Hunde gehen. Geben ist halt immer noch seliger als Nehmen.

Die Menschheit wurde vor Urzeiten dazu verdammt, sich stets weiter zu entwickeln. Jetzt hat die Delegation des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen unter der Leitung von Charles Clark etwas höchst Brisantes festgestellt: „Die menschliche Person sollte im Mittelpunkt der Entwicklung stehen, und nicht als ein Hindernis angesehen werden“.

Und der Wirtschaftsprofessor von der St. John's University warnte weiter: „Wenn die Menschen in ihrer ganzen Menschlichkeit nicht als das Endziel der Entwicklung gelten, wie sie in Rio vor zwanzig Jahren vereinbart wurde, dann fürchten wir, dass der Mensch von vielen als das Haupthindernis für die Entwicklung betrachtet wird".

Er stellte auch fest, dass „der Grossteil der Entwicklungsstrategien und -richtlinien in der Vergangenheit darin versagt haben, eine ganzheitliche menschliche Entwicklung gefördert zu haben, weil sie den Menschen auf einen Schatten seiner Menschlichkeit reduziert haben."

Der Mensch ein Schatten? Das kann die Kirche nicht so einfach auf sich sitzen lassen. Im Buch Genesis, Kapitel 1, Absatz 3 sprach schliesslich Gott: „Es werde Licht. Und es wurde Licht“. Aber eben, wo Licht ist, ist auch Schatten.

Bevor ich mich zu einem Schatten meiner selbst reduziere, zu einem Hindernis mutiere oder gar als solches betrachtet werde, stelle ich mich künftig nur noch ins volle Licht und versuche tunlichst keinen Schatten zu werfen. Und ich werde aus vollem Herzen Mutter K. und Vater S. weiter unterstützen. Obwohl ich, so gesehen, ein uneheliches Kind bin.

 „Geh mir aus der Sonne“ sagte Diogenes zu Alexander dem Grossen.

 

Kommentare

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Im Laufe meines Lebens

habe ich festgestellt, dass der Mensch eine Fehlkonstruktion ist. Die Sintflut hat schon einmal selektiert. Vielleicht muss sich das öfter wiederholen.

Diese Bemerkung ist dem Stil der Glosse angepasst und sollte nicht wörtlich genommen werden.

immergruen

http://www.mönchsklause.de

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Weiterentwickeln

Die Menschheit darf und sollte sich schon weiterentwickeln, aber bitte, bitte zum Positiven!

Gruss, iloma

* * *  Flügelt ein kleiner blauer Falter vom Wind geweht, sah ich das Glück mir winken, glitzern, flimmern, vergehn. Hermann Hesse  * * * *

 

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Herzlichen Dank, Kurt

Es fällt mir schwer, auf diese mit herrlichem Humor gewürzte Kolumne einen ernsthaften Kommentar zu schreiben, aber das, was agathepetignat schreibt provoziert meine grauen Zellen.

Vorerst aber einmal ganz herzlichen Dank zur Kolumne unserm Myltzli.

Natürlich ist der Mensch "verdammt" zur Weiterentwicklung. Es liegt in seinen Genen verborgen. Er kann sich dagegen nicht wehren. Seine ganze Intelligenz nützt ihm nichts, auch wenn er intellektuell einsieht, einsehen müsste, dass

- zum Beispiel seine medizinischen Fortschritte zur Gesunderhaltung und zur Verlängerung des eigenen Lebens nur Überbevölkerung, Hungersnöte, Durst und Konflikte fördert;

- zum Beispiel seine Entwicklung neuer Energiequellen, bis hin zur Atomkraft, nur neue Begehrlichkeiten der Massen und Verderben bringt;

- zum Beispiel die Erkenntnis, dass die Nahrungsmittelindustrie mit der Anwendung von  Konservierungs-, Farb- und Genussmittelstoffen, die natürliche Abwehrkraft des menschlichen Körpers schwächt und so die Widerstandskraft der Massen im natürlichen Umfeld "entwickelt", resp. unnatürlich macht. Die Zunahme der Allergiker lässt grüssen;

- zum Beispiel die Erkenntnis, dass die Weltall-Erforschung, Reisen zum Mond, Satellitentechnik, usw. an und für sich der Menschheit auf dieser Erde nichts, aber auch gar nichts bringt, dafür die Entwicklung von Waffen im Weltall, Gegenwaffen dazu und neue Konfliktfelder mit Wirkung auf der Erde fördert.

Vielfältig wäre die Aufzählung weiterer Beispiele.

Geh mir aus der Sonne, Alexander, ist eben eine atypische, weil sehr weise und daher "unmenschliche" Haltung.

Ohren können das Gute hören, Augen das Schöne sehen, wenn das Hirn dies zulässt

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Weiterentwicklung

Ist die Menschheit wirklich dazu verdammt, sich weiter zu entwickeln? Ich denke nein. Ich habe oft das Gefühl, dass wir nicht weitergehen, dass wir nichts lernen. Wirklich verändern tut sich wenig bis nichts. Das scheint pessimistisch zu sein. Ist es aber nicht.