Er wurde am 26. Januar 2008 bei Weymouth im atlantischen Ozean geboren. Am 26. Oktober 2010 hauchte er sein kurzes Leben im Sea Life Centre Oberhausen aus. Er war ein Liebling der Medien, als Tentakel-Orakel wurde er berühmt. Ganz besonders natürlich, als er anlässlich der Fussball-WM 2010 den Ausgang aller Spiele mit deutscher Besetzung und selbstverständlich das Endspiel voraussagte. Er hiess Paul und war ein Krake.
Im Gegensatz zum Orakel von Delphi, das lediglich eine griechische Pilger- und Weissagungsstätte im antiken Griechenland war, handelt es sich bei Paul um ein Lebewesen. Eines, das eine tierische Berühmtheit erlangte.
Der erste in der Liste dieser tierischen Berühmtheiten dürfte Rin Tin Tin gewesen sein, der sich schon 1918 als deutscher Schäferhund im amerikanischen Film tummeln durfte. In den 30er und 40er Jahren erfreute der Schimpanse Cheeta als Freund oder Freundin von Tarzan die Kinogänger, Pete the Pup, ein American Pit Bull Terrier, war in diesen Jahren Begleiter der kleinen Strolche. Lassie, gespielt vom Collie-Rüden Pal, brachte Generationen zum weinen, Flipper bewies, dass Delphine klug sind.
Das Schweinchen Babe hütete Schafe und gewann einen Schäferhund-Wettbewerb, Kommissar Rex jagte Verbrecher und Buck Bundy langweilte sich in einer schrecklich netten Familie. Beethoven hiess nicht nur ein tauber Komponist, sondern auch ein Bernhardiner, die Dobermänner Zeus und Apollo kennt man aus der Serie Magnum. Nicht zu vergessen die Schimpansin Judy und der schielende Löwe Clarence aus der TV-Reihe Daktari. Schon 1965 durfte der Löwe im MGM-Film „Clarence, the Cross-Eyed Lion“ mitspielen. Zu erwähnen wäre da noch das Totenkopfäffchen Herr Nilsson der Pipi Langstrumpf.
Nicht nur Film und Fernsehen machen Geld mit tierischen Stars, auch die Zoologischen Gärten nutzen die Gunst der Stunde. 2008 starb Matze, Wahrzeichen des Frankfurter Zoos und ältester Zuchtgorilla der Welt, 2010 folgte ihm Vilja, die Elefantenkuh in der Stuttgarter Wilhelma, mit 61 Jahren der ältester Zooelefant Europas. Nicht zuletzt Knut, der sich unfreiwillig und endgültig von seinem Eisbärgehegegefängnis verabschiedet hat. Er erlangt post mortem noch einmal Medienpräsenz: Darf man ihn ausstopfen und zur Schau stellen oder strapaziert das die zarten Nerven seine hinterbliebenen Fans zu sehr.
Laut „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ hat Knut bereits einen Nachfolger, respektive eine Nachfolgerin. Das Blatt diagnostizierte nämlich, Heidi sei „der neue Knut“. Doch wer ist nun diese Heidi?
Heidi ist ein Opossum und lebt im Leipziger Zoo. Und die Beutelratte macht uns eines klar: Man muss nicht schön sein, um bekannt zu werden. Heidi ist dick, schielt und hat trotzdem inzwischen mehr Fans bei Facebook als Angela Merkel. Sie hat ein riesiges Presseecho und ein Lied auf YouTube.
Angeblich soll sie sogar eine Einladung zur Oscar-Verleihung erhalten und die Gewinner vorausgesagt haben. Heidi, die schielende Hellseherin? Irgendwie erinnert sie mich an Michel Wehner, besser bekannt als Mike Shiva. Wenn Sie genau hinschauen, werden auch Sie die Ähnlichkeit bemerken. Und der Michel sieht auch hell, aber anders als Heidi schröpft er seine Fans und verdient sich einen goldenen Hintern. Dazu lässt er seine Telefonsklaven und -Innen in die Kamera lächeln und Weisheiten verkünden, die einer Beutelratte die Schamröte ins Gesicht treiben könnten. Sollte es aber einmal mit seiner Hellseher- und Wahrsagerei bergab gehen, kann er sich mit Leichtigkeit als Paradiesvogel in einem Zoo oder Zirkus als tierisches Orakel sein Futter verdienen.
Meine Nachbarin, die gute Erika, scheint ebenfalls das Rüstzeug fürs Hellsehen zu haben. Sie ist ziemlich dick, hat einen Silberblick, viele Freunde auf Facebook und hört sich laufend Lieder auf YouTube an. Ich werde sie morgen einmal konsultieren.
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Soo krass sehe ich das nicht wie Kaninchen. Manche Tiere folgen einfach einem eigenen Spieltrieb. Als tierquälerisch halte ich aber diese scheussliche Boxenhaltung der allermeisten Kaninchen. Nur in meiner Nachbarschaft habe ich eine "gfreute Kaninchen-Haltung" gesehen. Da hoppeln diese Tiere in der Wiese herum und haben ganz verschiedene Verstecke für Rückzüge.
mal wieder an die vielen, teilweise schon vergessenen, Tier-stars aus vergangenen Zeiten erinnert zu werden. Heute denke ich darüber, was mit diesen Tieren geschah, ganz anders. Es ist für mich nur noch Tierquälerei.
Tierquälerei?
Nun gut, das ist Ansichtssache. Aber Kommerz sehe ich auch in solchen tierischen Exzessen. Werbung macht populär und bringt Geld. Ob sich das nun in Eintrittsgelderträgen oder Einschaltquoten ausdrückt. Zoologische Gärten gibt es schon sehr lange, aber so gut wie es Tiere heute da haben hatten sie es früher nicht. Ich wünschte, manchem Kind ginge es so gut wie Tieren im Zoo. Da kann auch Frau Erika nicht dran vorbei sehen.
immergruen
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