Ehrlich, auch ich blättere in den Seiten. Schlank, perfekt frisiert und leicht gebräunt präsentieren junge Models elegante Outfits, meist in den Grössen 36/38, ab weiteren Grössen gibt’s Aufpreis. Gute Präsentation ist das A und O. Ab den Grössen 42/44 guckt man nur einmal hin. Und weisshäutige Models:
Weiss ist eine heikle Farbe. Ist seit Grossmutters Zeiten bekannt. Mozzarellaweisser Teint im weissen Leinenkleid, eine fade Angelegenheit. Nicht jede Frau mag sich mit Makeup vollkleistern. Also, nächste Seite.
Retro-Trend, der 50-Jahre Stil ist angesagt. Ein femmininer Capri-Chic. Schwingende Tellerröcke, schmale Caprihosen, gewagte Neckholdertops, so wollen es die Designer. „Ready for take off“ mit Nadelstreifen-Anzug und Hut. Hüte kann ich nicht ausstehen. Dazu die „Business-Tasche“. Gottlob, Fr. 300.00 gespart, bin Rentnerin! Hautenge Kniebundhosen, wadenlange Röcke für „die Frau mit Beinen bis zum Himmel“.
Wer hat schon Paradegrösse 1.78 m und wenn, ist „Sie“ vielleicht mit einem breiten Hinterteil gesegnet. Von hinten sieht das dann aus wie ein multifunktioneller Kleiderschrank oder, man erinnert sich der berühmten Friesländer vor dem Hürlimann Bierwagen.
Pink und orange, die Farbe kommender Saison. Sagen die Stilisten. Harmoniert hervorragend. Einen Kontrollblick in meinen Kleiderschrank sagt mir, dass ich absolut nicht „trendi“ bin. Obwohl voll. Also ausmustern? Da hängt auch noch das Kostüm, vor 2 Jahren gekauft, nie getragen. Hat es wohl damit zu tun, dass eine Freundin festgestellt hat, mit Rock sähe ich einer Nähschullehrerin ähnlich? Dabei hat die Verkäuferin seinerzeit das gute Stück ganz enthusiastisch als „mir wie auf den Leib geschneidert“ angepriesen. Und, Nähschullehrerinnen sind doch auch Menschen. Aber eben, auf das Verkaufspersonal ist nicht immer Verlass. Das bestätigt mir jenes Vorkommnis beim letzten Einkaufsbummel. Eine Kundin, klein gewachsen, dicklich, nicht mehr jung, zwängt sich in ein hautenges, knalliges Cocktailkleid und die Verkäuferin klatscht begeistert in die Hände. Modehaus „XY“ „Texaid“ einfach.
Und ich? Ich besitze kein einziges Cocktailkleid. Wozu auch. Ich bewege mich ja meist in Blue Jeans, teilweise solche, welche aussehen, als hätte Jndiana Jones sie jahrelang im Dschungel getragen.
Da ich also keinen Geldbeutel ohne Grenzen mein eigen nennen kann, schmeisse ich die Kataloge ins Altpapier, schliesse den Kleiderschrank und bleibe völlig „trend-resistent“.
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Zeit der Kataloge und Prospekte
Frühling lässt sein blaues Band
und die neuen Modekataloge
lange, fade Monologe
wieder flattern durch die Lüfte
kommerzielle Drucker-Düfte
queren ahnungsvoll das Land.
Frühling - ja Du bists
Kassenklingeln hier und dort
Modehäuser und so fort
Euch hab ich vernommen!
frei nach Feldpausch, Madeleine, Harpers, H&N usw.
BS 24,05.2011