Konsum

Schlangengespräche

Schlangengespräche

Früher kaufte man ein, was man brauchte, und da, wo es das gab.

Das ist heute ganz anders, wie die folgenden Schlangengespräche zeigen.

„Was ist denn da vorne los, weshalb geht es denn nicht weiter?“, fragt der ältere Herr, der sich als Letzter an der langen Schlange vor der Kasse angestellt hat.

„Sie haben ein Problem mit den Nanos“, sagt die vor ihm stehende Frau über ihre Schulter hinweg.

„Was sind Nanos?“

„Sie wissen nicht, was Nanos sind?“

Die Frau dreht sich um und sieht den Fragenden an. Er sieht eigentlich ganz normal aus, kein bisschen plemplem.

„Wenn ich es wüsste, hätte ich Sie nicht gefragt“, tadelt sie der Herr höf­lich.

„Nanos sind kleine Spielfiguren, die man beim Einkauf erhält, und heute gibt es den Supernano.“

„Den Supernano?“, sagt der Herr in fragendem Ton und hofft auf weitere Informationen. Die kommen dann auch laut und unüberhörbar vom An­fang der Schlange.

„Ab sechzig Franken gibt es den Supernano. Ich habe für Hundertvierund­zwanzig Franken eingekauft, dann bekomme ich doch zwei!“, ruft die verärgerte Kundin.

„Das kann ich bestätigen, ich habe Mathematik studiert!“, ruft der Herr vom Ende der Schlange.

„Es gibt für jeden Kunden nur einen Supernano, das kann ich bestätigen, ich bin Kassiererin! Und das steht auch im Inserat.“

„Lesen sie immer das Kleingedruckte, oder fragen sie ihren Arzt oder Apo­theker“, versucht ein Kunde in der Mitte der Schlange die Stimmung auf­zuheitern, mit mässigem Erfolg.

„Ich hab aber nun mal zwei Kinder, denen ich die Nanos versprochen habe“, sagt die verärgerte Kundin. „Ich könnte den ganzen Plunder (sie sagt wirklich Plunder) wieder zurückgeben, auf zwei Einkaufswagen vertei­len, zweimal an der Kasse anstehen, dann müssten Sie mir die zwei Supernanos auch geben.“

„Lebensmittel dürfen nicht zurückgegeben werden“, sagt die Kassiererin, die inzwischen auch nicht mehr in bester Stimmung ist.

„Sie wird ja wohl kaum schon in eine Wurst gebissen haben“, sagt eine der beiden Frauen, die sich über die ganze Nanomania köstlich amüsie­ren.

„Kann ich irgendwie helfen?“, fragt der Herr vom Ende der Schlange. „Ich habe doch auch eingekauft.“

Die Frau vor ihm mustert genau seinen Einkaufskorb.

„Sie? Mit dem bisschen, was Sie da gekauft haben? Dafür kriegen Sie ja nicht einmal einen normalen Nano.“

Und sie hat dabei wieder ihren „Sie können ja nicht ganz dicht sein“-Blick.