Schwarz: „Guten Tag Herr Grün, ich weiss nicht, ob sie es schon gehört haben, ich steige demnächst aus dem Atomstrom aus.“
Grün: „Ich habe davon gehört, glauben kann ich es nicht. Sie kommen wie immer etwas spät. Das habe ich schliesslich schon in meiner pränatalen Phase gefordert. Kernenergie macht die Umwelt kaputt. Gau folgt auf Gau. Aber auf mich hört ja niemand. Es ist wirklich schön, dass sie sich jetzt endlich auch für den Ausstieg entscheiden. Einfach wird das nicht, wie wollen sie die Stromversorgung auch weiterhin garantieren, haben sie sich darüber schon Gedanken gemacht?"
Schwarz: „Nichts leichter als das. Mit Wind. Davon gibt es genug. Ich baue ein riesiges Windkraftwerk, draussen, auf hoher See. Das stört niemand."
Grün: „ Niemand? Haben sie auch an die Zugvögel gedacht. Diese Monsterrotoren saugen die auf ihrer gewohnten Route heimwärts fliegenden Vögelchen förmlich auf und schreddern sie. Da wird der WWF auch noch ein Wörtchen dazu sagen. Doch nehmen wir an, sie können so einen Windpark bauen, wie bitte, kommt der Strom an Land?“
Schwarz: „Kein Problem, wir verlegen ein Kabel auf dem Meeresgrund.“
Grün: „Sehr gut. Die Meeresbewohner werden es ihnen danken. Zuerst zerstören sie mit ihrer dämlichen Bauerei ihren Lebensraum, anschliessend müssen sie mit dem Elektrosmog leben. Der wird ihren Orientierungssinn ganz schön durcheinander bringen. Da wird der WWF auch noch ein Wörtchen dazu sagen. Aber angenommen, sie schaffen diesen hirnverbrannten Irrsinn, wie bitte kommt dann der Strom zum Konsumenten?"
Schwarz: „Das ist nun wirklich kein Problem. Wir erstellen ein ganzes Netz mit Überlandleitungen. Dann fliesst der Strom von Mast zu Mast, von Land zu Land. Natürlich auch bis in ihre Wohnung.“
Grün: „Wunderbar, sie wollen also unsere schöne Natur mit diesen monströsen Hochleitungsdingern verschandeln, na bravo. Bäume müssen aus dem Weg geräumt werden, fruchtbares Land wird mit Betonsockeln zugepflastert. Und dann diese furchtbaren Wäscheleinen, die verunstalten die ganze schöne Landschaft. Da wird der Naturschutz auch noch ein Wörtchen dazu sagen.“
Schwarz: „Dann legen wir unsere Leitungen halt unter die Erde.“
Grün: „Aber sicher, sie können graben, wo immer sie wollen, das Land gehört ja ihnen. Falls nicht, es gibt ja auch noch die Enteignung. Da haben sie bestimmt keine Skrupel. Hauptsache ihr Strom kommt gut an.“
Schwarz: „Ihnen kann man es auch nie recht machen. Das wollen sie nicht und Jenes schon gar nicht. Doch es gibt noch andere Möglichkeiten. Wir bauen neue, grosse, prächtige Stauseen mit neuen, grossen, prächtigen Kraftwerken. Wasserkraft kommt ihnen doch auch gelegen.“
Grün: „Wasserkraft schon. Aber um welchen Preis. Sie wollen dafür bestimmt wieder ganze Dörfer überfluten. Die vertriebenen Dörfler können ihre Häuser ja an einem anderen Ort wieder neu bauen. Aber da haben sie die Rechnung ohne den Heimatschutz gemacht.“
Schwarz: „Dann halt Solarenergie, die ist jetzt ganz gross im Kommen. Mit Kollektoren können wir einen Grossteil unserer Energie abdecken.“
Grün: „Ach wie schön. Auf jedem Hausdach und in jedem Garten wachsen künftig Solarzellen. Zellen, Zellen, Zellen, wohin das Auge reicht, Zellen. Auf Autodächern, auf Kinderwagenverdecken, auf Sonnenschirmen und auf Baumwipfeln, überall Zellen. Männlein und Weiblein führen auf ihrem Kopf eine Zelle spazieren. Das haben sie sich fein ausgedacht. Wenn das ihre Alternativen zum Ausstieg aus der Kernenergie sind, Prost Mahlzeit."
Schwarz: „Wissen sie was, Herr Grün, mit ihnen diskutiere ich nicht mehr über meine genialen Ideen zu neuer Energiegewinnung. Machen sie sich doch ihren Strom alleine. Sie gehen mir mit ihrer Nörglerei ganz schön auf den Wecker. Und noch etwas, lecken sie mir das nicht übel aus,“
Grün: „Typisch, Herr Schwarz, wenn sie nicht mehr weiter wissen, flüchten sie unter die Gürtellinie. Warten sie nur, bis ich mit meinen alternativen Ideen vors Volk trete. Zugegeben, es kann noch etwas dauern, vielleicht ist bis dann unser Stromnetz gänzlich zusammengebrochen. Aber seien wir doch ehrlich: Unsere Vorfahren haben mit Holz gekocht und geheizt, bei Kerzenlicht rauschende Feste gefeiert und waren glücklich und zufrieden. Rückbesinnung täte uns allen gut, zurück zur Natur. Wozu brauchen sie überhaupt Strom, Herr Schwarz?"
Schwarz: „Damit ich ihnen heimleuchten kann, Herr Grün!“
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Herr Schwarz: Liebe Frau, Du Engel meiner frohen Stunden, Du süsse Bereicherung meiner Nächte – ich will mich scheiden lassen.
Frau Schwarz-Grün:Das ist jetzt aber nicht Dein Ernst!!?
Herr Schwarz: Natürlich ist das mein Ernst, mein Schatz.
Frau Schwarz-Grün: Und wie willst Du das anstellen?
Herr Schwarz: Das ist doch ganz einfach. Wir gehen aufs Standesamt und lassen uns scheiden.
Frau Schwarz-Grün: Das meine ich nicht. Aber wie willst Du mir meinen Unterhalt und die Alimente für die Kinder bezahlen?
Herr Schwarz: Ich werde beruflich ein bisschen zurückstecken und verdiene nur gerade mein Existenzminimum. Und dann kannst Du sehen, wo Du bleibst!
Frau Schwarz-Grün: Du glaubst doch nicht dass ich mir das bieten lasse. Ich kenne da einen sehr guten Scheidungsanwalt...
Herr Schwarz: In dem Fall bin ich eben eines Tages spurlos verschwunden.
Frau Schwarz-Grün: Oh nein, mein Liebling. Wir haben eine hervorragende Polizei und auch ausgezeichnete Privatdetektive. Die werden Dich ausfindig machen und Dich dann zur Rechenschaft ziehen.
Herr Schwarz: Dann lasse ich es auf eine Kampfscheidung ankommen. Du weigerst Dich, mich freizugeben. Also bin ich gezwungen, Dich zu bekämpfen. Auch ich kenne einen Rechtsanwalt, der Dir Saures geben wird!
Hansli taucht auf: Streitet Ihr Euch schon wieder?
Frau Schwarz-Grün: Dein Vater will sich wieder einmal scheiden lassen!
Hansli (gelangweilt): Soll er doch endlich. Mir geht das Gezänk langsam auf den Wecker.
Herr Schwarz und Frau Scharz-Grün durcheinander: Was heisst das, willst Du eine Ohrfeige? – Aber Hansli, sei doch nicht so, wir werden uns schon wieder vertragen! – Nein wir vertragen uns nicht. Ich lasse mich scheiden! – Aber Philipp, Du hast mir doch ewige Treue geschworen??? – Man kann ja im Lauf eines Lebens dazu lernen.
Nachbar taucht auf: Gopferdammi, chönned Sie nid e chly lysliger sy, muess s ganz Quartier mitbecho, dass Sie sich nümme verträgend?
(zwei Stunden später.)
Herr Schwarz zu seinem Freund in der Beiz: Der habe ich es heute aber einmal gezeigt!
Freund: Und, ist sie mit der Scheidung einverstanden?
Herr Schwarz: Wovon redest Du eigentlich, eine Scheidung stand doch überhaupt nie zur Debatte!
(zur gleichen Zeit)
Frau Schwarz-Grünzu ihrer Freundin: Der hat schnell klein beigegeben.
Freundin: Wirklich? Und ist er jetzt mit einer Trennung einverstanden?
Frau Schwarz-Grün: Nein, aber wir haben bis 2034 Zeit uns zu überlegen, ob ein Ausstieg aus der Ehe überhaupt möglich ist und welche Massnahmen wir zur Erziehung vom Hansli ergreifen müssen.
Freundin: Dann hat ja die Auseinandersetzung gar nichts gebracht?
Frau Schwarz-Grün: Oh doch! Alle Nachbarn wissen jetzt, dass wir verkracht sind. Die einen werden hämisch lächeln, die andern kommen voller Mitleid und wollen uns helfen. Schliesslich ist sogar das Lokalblatt informiert und wird morgen einen Artikel über uns schreiben!
Alternativ
Vielleicht kommt die Zeit und der Geist hat alle so hell erleuchtet, dass man sich jede andere Art von Energiegewinnung sparen kann. An diese Quelle hat wohl noch keiner gedacht. Eine Partei der Nationalen Erleuchtung wäre eine logische Folge.
immergruen
http://www.mönchsklause.de