Doch frage sie einmal einer nach Adolf Wölfli.
Frau Krause, die mit den Kreuzworträtseln, weiss mit diesem Namen nichts anzufangen, – der Student, Kunstgeschichte und Literaturwissenschaft, 7. Semester, kann spontan fünfzehn Schweizer Maler aufzählen und Prof. Dr. Humberger war letzten Herbst in Florenz, – aber: „Wer war Adolf Wölfli?“
Le Corbusier, ja, - Jean Tinguely, ja, – und Urs Fischer, ja, – so Prof. Dr. Humberger in 53121 Bonn. Und fragt –die Augenbrauen zusammen gezogen – zurück: „Ehrlich? Ein Schweizer Maler und Autor. Interessant. Und zur Zeit gibt es tatsächlich in Deutschland eine Ausstellung mit seinen Werken?“
Du wirst kein Glück damit haben, wenn du bei Scheich Omar in Beirut oder in Riad nach ihm fragst. Du wirst auch keinem auf die Sprünge helfen können mit Wort-Bildern wie z. B. Beispiel „Verdingbub“, „Fläd’r = Muus“, „Waldau“, „Sankt-Adolf.“
Kein Wunder auch, denn auf Wikipedias „Liste von Schweizer Malern und Grafikern“ ist der Name Adolf Wölfli nicht zu finden.
Vielleicht weil Adolf Wölfli 35 Jahre lang in der Irrenanstalt war? Zuvor als Gewalttäter und Vergewaltiger eingesperrt in einem Zuchthaus? Einst ein Heidelberger Arzt und Sammler sein Werk zur „Bildnerei der Geisteskranken“ vorlegte? Vielleicht auch, weil Adolf Wölfli ‚nur’ eine Ausnahmeerscheinung der Art-brut-Kunst gewesen sein soll?
Schon (?) 1972 wurden seine Arbeiten auf der «Documenta V» in Kassel gezeigt. Dennoch sind seine eigenwilligen Bilder „in Deutschland längst nicht so bekannt wie in den USA beispielsweise“ (Patricia Rochard).
Eine Wanderausstellung mit seinen Werken wurde ab 1976 in 12 europäischen Ländern und in drei US-Museen gezeigt... Seit April und bis zum 5. Juli 2011 in Ingelheim am Rhein.
„Adolf Wölfli – Natuhrvorsteher, Dichter, Schreiber, Zeichner, Komponist, Melker, Gärtner, Fischer, Schiffer, Tohtten-Gräber und Soldat des Emmenthaler Battaillos“ – der Titel der «Internationalen Tage von Böhringer Ingelheim» [IT] macht schaulustig, neugierig.“
Den Schweizer Maler und Schriftsteller stellt Dr.Patricia Rochard (Kuratorin und Leiterin der IT) in den Mittelpunkt der diesjährigen Ausstellung.
Ja wie denn, was denn, - war Adolf Wölfli nicht nur ein beachtenswerter Maler und Grafiker, sondern auch ein Poet? - Ein Schriftsteller?
Dort gibt es eine Liste mit „Autoren der deutschsprachigen Schweiz“ und da ist tatsächlich sein Name zu finden.
Wölfli in guter Gesellschaft mit Gottfried Keller, Robert Walser, Ludwig Hohl. Peter Bichsel.
Ich wette: In Leipzig oder in Petersburg, Belgrad, Rio, Sydney, Delhi, Peking und wo auch immer findest du Leute, die Romane von Max Frisch gelesen haben, Schauspiele von Friedrich Dürrenmatt sahen, Gedichte von Hermann Hesse kennen.
Ja wie, - soll also dieser Adolf Wölfli tatsächlich ein Schweizer Schriftsteller gewesen sein!?
Stefan Benz in seinem Artikel «Weltreisen in den Wahn»: „...er [A. Wölfli] berichtet mit experimenteller Orthografie und zupackender Diktion von Expeditionen in ein inneres Ausland, das er sich mit einem imaginären Vermögen untertan macht und nach seinem Geiste formt.“
Aus der Enge und Einsamkeit in seiner Zelle entdeckte er die Möglichkeit zu fliehen in eine von ihm selbst erfundene, nur ihm bekannte, ausser sich existierende riesenhafte Schöpfungs-Welt, von der er in seinen Bildern und Aufzeichnungen auf mehr als 22 000 Seiten erzählt.
Besucht man die Ausstellung, verschwindet man schrittweise in dieser Parallel-Welt, die in einem selbst den Blick verändert auf eine Welt, in der der Besucher sich einbildet, ganz und gar zu Hause zu sein.
Und er verlässt die Ausstellung mit Eindrücken und Einsichten, Gedanken und Einbildungen, die ihm bisher so noch nie eingefallen sind.
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Es ist so.
Tatsächlich ist Adolf Wölflis Werk auch in Bern nicht sehr bekannt. Dabei beherbergt das Kunstmuseum die Sammlung der Adolf Wölfli Stiftung seit 1975 . Ist halt nicht jedermans Sache, diese Art Kunst.