Konsum

Ein Franken bleibt ein Franken

Ein Franken bleibt ein Franken

Trotz neuer Geldmenge – Franken bleibt zu stark.

„Ein Franken bleibt ein Franken“ – dieses Versprechen eines Bundesrates wurde in meinem Geburtsjahr 1936 gegeben, und weil der Franken in gleichen Jahr eben doch abgewertet wurde, ist die Aussage „Ein Franken bleibt ein Franken“ heute nur noch zynisch zu verstehen.

Der Franken von 1936

1936 – 2011: In beiden Jahren wurde die Stärke des Schweizer Frankens zu einer Gefahr für die helvetische Exportindustrie und den Tourismus. Zwar wurden die Importe verbilligt, aber 1936 wie auch heute bekamen das weder die Konsumenten noch die importabhängige Industrie deutlich zu spüren. Im Gegenteil: 1936 verteuerten sich die Importe sogar.

Der Unterschied liegt vor allem in der Währung hinter dem Franken, also dem Wert, den unser Geld tatsächlich hat. 1936 gehörte die Schweiz noch mit Frankreich, Italien, Belgien, Niederlande und Polen dem „Goldblock“ an, während die Vereinigten Staaten und Grossbritannien sich von der Golddeckung lösten. Tatsächlich war 1936 jedes Schweizer 20-Franken-Nötli mit Gold im Wert von 22,50 Franken gedeckt und ein 20-Franken-Gold-Vreneli wurde in jeder Bank für 20 Franken verkauft.

Der Franken von 2011

Heute ist Gold nur noch ein Teil der schweizerischen Währung. Viel wichtiger für den Bestand unseres Geldes sind das Brutto-Spezialprodukt, das Rating der Agenturen und die Angst vieler Ausländer, dass ihr Geld in fremden Währungen nicht stabil genug ist. Der Schweizer Franken wird nie wie der Dollar oder der Euro zu einer Leitwährung werden, aber gerade in Zeiten der Turbulenzen auf den Finanzmärkten ist der Franken beliebt als Fluchtwährung. Und damit anfällig für Spekulationen und ungerechtfertigten Wert. Um ein Beispiel zu bringen, sei die Aargauer Zeitung zitiert, die am Freitag schrieb, ein Produkt sollte eigentlich in allen Ländern zum gleichen Preis verkauft werden. Was natürlich schon lange nicht mehr stimmt (siehe Preisvergleiche im internationalen Buchhandel). Und auch ein simples Lebensmittel wie ein Big Mac kostet in der Schweiz heute mehr als doppelt so viel wie in den USA!

„Ein Franken bleibt ein Franken“

1936 war der Schweizer Franken mit seiner Golddeckung kerngesund. 2011 aber ist er tatsächlich gewaltig überbewertet. Man denke, dass ein Dollar noch 1962 rund Fr. 4.20 gekostet hat. Fünfundzwanzig Jahre später bekam man für den Dollar bereits nur noch Fr. 1.20. Und heute gilt der Dollar noch etwas um die 75 Rappen.

1936 war die Abkehr von der Golddeckung und eine Abwertung des Frankens um 30 Prozent (gleichzeitig mit dem französischen Franc) ein wichtiger Schritt zur Rettung der Schweizer Exportindustrie und des Tourismus. Die befürchtete Inflation blieb aus – nicht zuletzt wegen des sich zusammen brauenden Zweiten Weltkrieges.

Auch 2011 muss der Franken drastisch an Wert verlieren, wenn wir nicht auf die Dauer die Zeche bezahlen wollen für den starken Franken und unser Nicht-Dabeisein in der EU und in der Einheitswährung Euro. Die Nationalbank hat mit der Herabsetzung des Leitzinses auf praktisch 0,25 Prozent ein Zeichen gesetzt. Es ist aber nicht angekommen. Nach einem kurzen Höhenflüglein ist der Euro wieder abgesackt und der Dollar verharrt in seinem Mause-Schlupfloch. Die Nationalbank und mit ihr der Bundesrat werden nicht darum herumkommen, Messlatten anzuschrauben, die nicht über- oder unterschritten werden dürfen. Ein Euro für Fr. 1.10 ist eine Farce, denn nach Schätzungen der Fachleute sollte er mindestens 1.40 Fr. gelten. Auch der richtige Wert des Dollars liegt eher bei einem Franken als unter 80 Rappen.

Abwertung hat 1936 geholfen

„Die Abwertung trug zum Erfolg der am 21.9. aufgelegten Wehranleihe 1936 bei, welche zwischen dem 28.9. und dem 15.10. zu zwei Dritteln gezeichnet wurde. Die hohe Liquidität erlaubte es der SNB, den Diskontsatz auf den seit ihrer Gründung (1907) tiefsten Satz von 1,5 Prozent zu senken. (Heute: 0,25 Prozent) Die flankierenden Massnahmen der Regierung dämpften die Preiserhöhungen. Der Index der Lebenshaltungskosten stieg zwischen dem Sept. 1936 und dem Kriegsausbruch lediglich um 8 auf 138 Punkte. Die Auswirkungen auf den Tourismus waren positiv, und die Exporte stiegen von 882 Mio. Fr. bzw. 525'700 t (1936) auf 1'286 Mio. Fr. bzw. 706'800 t (1937). Die durchschnittiche Zahl der Arbeitslosen fiel von 93'009 (1936) über 71'130 (1937) auf 65'583 (1938). Der 2. Weltkrieg trug zur Festigkeit des Frankens bei, der sowohl zur Fluchtwährung wie auch zum internationalen Zahlungsmittel wurde.“

Aus „Historisches Lexikon der Schweiz“

 

Kommentare

Bild des Benutzers Bernhard Schindler

Brutto-Sozialprodukt

Natürlich gibt es kein Brutto-"Spezialprodukt". Wie dieses in meinen Text hineingeraten ist, bleibt mir schleierhaft. Als ich den Artikel schrieb war ich nüchtern. Und selbst in besoffenem Zustand wäre ich nie auf den Ausdruck "Brutto-Spezialprodukt" gekommen!!!

Nun, der Druckfehlerteufel hat diesmal bei mir eingeschlagen. Ich bitte alle, die an meinen Artikeln noch eine gewisse Freude haben, um Entschuldigung.

 

Bernhard Schindler

Bild des Benutzers WillY

Der Franken, ein Spezialprodukt?

Lieber Bernhard, du schreibst oben "Viel wichtiger für den Bestand unseres Geldes sind das Brutto-Spezialprodukt, . . ."

Ich höre diesen Ausdruck zum ersten Mal. Ist es ein Versprecher? ;-)

Liebe Grüsse
WillY