Wir schreiben das Jahr 2011. Das heisst, wir sind im 21. Jahrhundert, man könnte auch sagen, im dritten Jahrtausend. Auf unserem Planeten leben annähernd sieben Milliarden Menschen. Die römisch-katholische Kirche ist weltweit mit etwa 1,181 Milliarden Mitgliedern vertreten.
Eines davon heisst Padre Gabriele Amorth, 86 Jahre alt. Ein Mönch des Pauliner-Ordens. Wie wenn das nicht schon genug wäre, ist er auch noch Chef-Exorzist des Vatikans. Zudem ist er sauer. Er findet es skandalös, dass Bischöfe und Kardinäle nicht mehr an die Existenz von Satan glauben. Auf diese Weise, so Amorth, konnte der Teufel auch innerhalb der Kirche immer mehr Fuss fassen. Die katholischen Bischöfe müssten wieder mehr Exorzisten ernennen, fordert er. Und er präzisiert:
"Während man in früheren Jahrhunderten überall den Teufel sah, wurde er in letzter Zeit vollkommen aus dem Bewusstsein gestrichen. Wir hatten in der Kirche fast drei Jahrhunderte lang so gut wie keine Exorzisten mehr. Da gibt es wirklich einen großen Mangel. Vor allem in der Priesterausbildung. Früher studierten angehende Priester die Geschichte gefallener Engel, die zu Dämonen wurden. Heute ist das alles nicht mehr der Fall. Wir haben Geistliche, die nichts mehr vom Teufel wissen, die noch nicht einmal an ihn glauben!"
Der oberste Exorzist des Vatikans wirft seiner Kirche vor, das Thema Teufel und Teufelsaustreibung nicht mehr ernst zu nehmen. Er findet es richtig skandalös, dass Bischöfe und Kardinäle nicht mehr an die Existenz von Satan glauben.
Dieser Ignoranz der modernen Kleriker muss natürlich sofort Einhalt geboten werden. Das kann man doch nicht einfach so hinnehmen. Da bietet der Vatikan verstärkt Exorzismuskurse an, führte 2004 in Mexiko die erste Exorzismuskonferenz durch und beschloss dort, verstärkt gegen den Okkultismus vorzugehen. Im September 2005 wandte sich sogar Papst Benedikt XVI. höchstpersönlich an die Teilnehmer des Nationalkongresses der italienischen Exorzisten und ermutigte sie dazu, „mit ihrem wertvollen Dienst an der Kirche fortzufahren”.
Eine Sache wird dann kompliziert und schwierig, wenn man sich mit den Details beschäftigt. Und in diesen steckt bekanntlich der Teufel. Paul VI. sagte: „Der Rauch Satans ist in die Kirche eingedrungen." Padre Amorth weiss, was er damit meinte: „Auch in der Kirche gibt es Adepten satanischer Sekten." Und stellt fest: „Jene besondere Aussage über den ‚Rauch Satans‘ sagte Paul VI. am 28. Juni 1972. Da dieser Satz einen enormen Skandal auslöste, widmete er am 15. November dem Teufel eine ganze Mittwochs-Generalaudienz mit sehr starken Sätzen. Er brach damit das Eis und lüftete den Schleier des Schweigens und der Zensur, die seit zu langer Zeit herrschten, doch es hatte keine praktischen Folgen. Es brauchte einen wie mich, der nichts zählte, um Alarm zu schlagen und praktische Konsequenzen zu erreichen.“
Als ein Reporter Don Gabriele fragte, ob der heutige Papst über Adepten satanischer Sekten in seiner Kirche informiert sei, meinte er: „Natürlich ist er informiert worden. Er macht, was er kann. Es ist eine erschütternde Sache. Bedenken sie, dass Benedikt XVI. ein deutscher Papst ist. Er kommt von einem Volk, das solche Dinge entschieden ablehnt. In Deutschland gibt es daher praktisch kaum Exorzisten, und dennoch glaubt der Papst daran. Ich hatte drei Mal Gelegenheit mit ihm zu sprechen, als er noch Präfekt der Glaubenskongregation war. Und wie er daran glaubt! Er sprach mehrere Male öffentlich darüber. Er empfing uns als Vereinigung von Exorzisten und hielt uns auch einen schönen Vortrag, in dem er uns ermutigte und unser Apostolat lobte. Und vergessen wir nicht, dass auch Johannes Paul II. über den Teufel sprach und sehr häufig über den Exorzismus.“
Padre Amorth kennt sich aus. Als Chef-Exorzist weiss er genau, wovon er spricht. Das gibt seiner Kritik besonderes Gewicht. Er wurde 1982 von seinem Bischof zum Hinausbeschwörer ernannt. 1994 wurde Amorth zum Präsidenten der Internationalen Vereinigung der Exorzisten gewählt. Seither hat er schon Zehntausende von Teufelsaustreibungen durchgeführt und darüber zahlreiche Bücher geschrieben. Den indischen Guru Sathya Sai Baba, der im April starb, hält Don Gabriele übrigens für „den erstgeborenen Sohn Satans“.
Natürlich weiss er auch, woran man einen Besessenen erkennt: „Ein Mensch mit einem Teufel im Leib, schlägt im Angesicht eines Exorzisten gleich die Augen nieder.“
Wir schreiben das Jahr 2011. Nach Christus. Vor dessen Geburt, also im Judentum, war Satan vor allem der Ankläger im göttlichen Gerichtshof, der die religiöse Integrität von Menschen testete und Sünden anklagte. Welcher Teufel muss ihn geritten haben, dass er sich nach der Geburt von Gottes Sohn so zu seinen Ungunsten veränderte.
Sorgen brauchen wir uns keine zu machen. Solange Don Gabriele und seine Mitstreiter im Sinne Benedikts (mit ihrem wertvollen Dienst an der Kirche) weiter so gewissenhaft ihrem Auftrag nachgehen, kann uns nichts passieren.
Wie gesagt, der Teufel steckt im Detail. Aber nicht nur dort, auch in mir steckt manchmal so ein Teufel. Natürlich nur ein kleiner. Aber den lass ich mir auf keinen Fall austreiben.
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Wenn es dieser Padre Amorth in der ganzen Sache mit dem Exorzismus nicht so Ernst meinen würde, könnte man darüber lachen, als eine Modernisierung des früher so beliebten Kasperlitheaters. Ich hatte als Knabe unter meinen Kasperlifiguren auch so einen Teufel, aber auch einen Pfarrer. Heute könnte man sich als Vorlagen für die Gesichter im neuen Theater so einige aus den verschiedensten Kreisen vorstellen, nur nicht für den modernen Kasper.
Die Glosse spricht für sich. Unglaublich, was die Kirche 2011 für Ansichten hat. Was soll man von so einem Papst halten. Vielleicht gibt es bald wieder Hexenverbrennungen.
Martin H. Bader
Kleine Teufel
Gäbe es sie nicht, die kleinen Teufel, denen es unter den Nägeln brennt, den großen Teufeln den Spiegel vorzuhalten, wäre die Menschheit uninformiert und noch desinteressierter als sie sowieso schon ist. Aus diesem Grunde danke ich dem kleinen Teufel in Myltzlis Unterbewußtem, der ihn immer wieder zu solch schönen Beiträgen anspitzt.
immergruen
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