Das einzige physikalische Gesetz, das ich auf Anhieb begriffen habe, ist die These, dass Druck Gegendruck erzeugt. Wenn ich eine Kommode im Zimmer verschieben möchte, entwickelt diese Gegenkräfte, die sich dagegen wehren. Wenn ein „Dummy“ mit einem Auto bei dreissig Stundenkilometern auf ein stehendes Hindernis prallt, muss man sich nicht wundern, wenn es nachher etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist..
Es gibt auch geistige Kräfte, die Gegendruck erzeugen, wenn an ihnen gerüttelt wird. Anders ist es nicht zu erklären, dass Politiker selbst dann noch falsche Aussagen machen, wenn sie ihre eigenen Irrtümer längst eingesehen haben. Das „mea culpa“, das „sorry, ich habe mich geirrt, Sie überzeugen mich davon, dass ich einen Denkfehler gemacht habe“, mag theoretisch möglich sein, ist aber nicht menschlich.
Menschen irren sich nie. Sie tun ja alles aus innerer Überzeugung. Sie sehen zwar ihre eigene Wahrheit nur undeutlich, hingegen die Unwahrheit ihres Nachbarn klar und erschreckend einfach! (Splitter im Auge des Nachbarn, Balken im eigenen.)
warum tut er dann nichts gegen die Umweltverschandelung und Ressourcenverschwendung? Nichts gegen den Krieg? Nichts gegen das Vergessen? Nichts gegen die offensichtlichen Irrtümer der letzten Jahrzehnte, aber alles, um den status quo zu erhalten? Das sind unsere Gegenkräfte, die auf Druck reagieren.
Entstünde vielleicht kein Gegendruck, wenn der Druck ausbliebe? Würden wir die Natur vielleicht mehr achten, wenn uns nicht jeden Tag irgend einer sagen würde, wir seien Umweltsünder und schuld am Klimawandel?
wenn wir gereizt werden? Nicht zurückschlagen, wenn wir gehauen wurden? Wie das Jesus verlangt hat, wenn er dabei auch einen Denkfehler gemacht haben muss: dass nämlich Menschen Beisshemmungen hätten, wenn sich ihnen ein anderer unterwirft. Beisshemmungen haben Hunde, haben Löwen, haben sogar Krokodile. Menschen haben Beisslust und die erfüllen sie sich, sobald sie einen Schwächeren zwischen den Zähnen haben.
Leider ist die Gattung Mensch eine suspekte Species. Wir reden vom Untier, obwohl kein Tier je so unmenschlich ist wie der haarlose Affe, der vom Baum herunter gekommen ist.
Nun glaube ich allerdings – und das mag nach Auschwitz, dem Gulag, den amerikanischen Foltermethoden auf Guantanamo und der Welteroberungsstrategie der Taliban mittels Ausrottung aller „Nichtgläubigen“ verblüffen – ich glaube allerdings, dass in uns allen noch ein Quentchen Vernunft, Toleranz und Gerechtigkeit übrig geblieben ist. Vernunft: uns nicht selbst auszurotten. Toleranz: nach dem Motto „was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu“. Gerechtigkeit als friedensstiftende Austarierung verschiedenster Standpunkte und (Un)taten.
Was ich hier geschrieben habe, ist natürlich Bockmist. Was ich eigentlich sagen wollte, ist: Noch nie hat sich die Welt in so kurzer Zeit so radikal geändert wie in den zwei letzten Jahrzehnten. Wir müssen lernen, damit umzugehen. Wir müssen vorwärts denken und uns nicht auf den gloriosen angestaubten Lorbeeren der Vergangenheit ausruhen. Wir müssen uns politisch endlich wieder engagieren. Wir müssen am 23. Oktober wählen gehen und statt Politiker und Parteien Menschen und ihre Ideen wählen.
Ich entschuldige mich hier in aller Form bei allen, denen dieses „WIR“ auf den Wecker geht. Ich meine mich, ich meine Dich und ich meine alle meine Freunde, Kollegen und Verwandten.
Wenn wir uns mit der zweifelhaften Fähigkeit des Menschen beschäftigen, aus der Vergangenheit und den eigenen Fehlern zu lernen, dürfen wir nicht am Maja-Kalender vorbeigehen, der angeblich am 21. Dezember 2012 endet. In dieses Datum wird von der Polverschiebung zum Einschlag eines Meteoriten, vom Weltuntergang bis zum Wechsel in eine neue Menschheit alles hineininterpretiert, was unsere blühende Phantasie uns vorgaukelt.
So eben auch die vage Möglichkeit, dass sich die Menschen am 21. Dezember 2012 grundlegend verändern werden. Dass sie nicht mehr lügen können, dass sie ihre Mitmenschen als Brüder und Schwestern begreifen, dass sie alle Gründe zu Kriegen lächerlich finden und endlich anfangen, alle an einem Strick zu ziehen.
Das wäre doch mal etwas grundlegend Neues! Etwas, auf das man beim Weltuntergang zählen kann! Eine erschöpfte Menschheit schöpft sich neu oder ein neuer Schöpfer macht aus Menschen neue Geschöpfe.
Meine Sorgen und Hoffnungen möchte ich haben!
Hei, wie freue ich mich schon auf die Presseschau vom 22. Dezember 2012. Auf die Schlagzeile: „Welt ging unter, Menschlichkeit auf!“
*) Homo homini homo est = Der Mensch ist des Menschen Mitmensch – anstelle von „homo homini lupus est“ = der Mensch ist der Wolf seines Nächsten.
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Deine Kolumne hat mich zu einem Wahl-Leserbrief motiviert
Wenn wir am 23. Oktober Frauen und Männer wählen, bestimmen wir, wie die Politik künftig die Probleme der Atomkraft, der Wirtschaft, der Migration und der Umwelt lösen soll.
Der Bundesrat hat den Ausstieg aus der Atomenergie, in Kenntnis der Tatsache beschlossen, dass weder die Schweiz noch irgendein Land das Problem der radioaktiven Abfälle, die mehr als 100’000 Tausend Jahre strahlen, gefunden hat. Der Einstieg in eine neue zukunftsträchtige Technologie kostet Geld, schafft aber auch Arbeitsplätze.
Dass die Finanzwirtschaft die Realwirtschaft kaputt macht, erleben wir täglich. Sollen die Grossbanken mit ihren verlogenen Strategien, die immer neue Ultimaten auslösen, mit dem unmoralischen Bankgeheimnis, das Betrüger begünstigt, und den exorbitanten Boni, die in keinem Verhältnis zur Arbeit stehen, da weiter vom Staat unterstützt werden?
Das Thema Migration ist ein globales, weil die Welt globalisiert ist. Es kann deshalb auch nur global, in Zusammenarbeit mit allen andern Ländern gelöst werden. Da helfen keine emotionalisierenden Slogans, mit denen unser Land profitieren soll, sondern nur globales Denken und faires Handeln. Der Schweiz, als einem der reichsten Länder, steht es gut an, auf Kosten von etwas weniger Luxus, solidarisch zu handeln.
Diese und viele andere Probleme sind nirgendwo anders als auf unserem wunderbaren Erde zu lösen, denn wir haben keine zweite im Kofferraum… Diese aber zerstören wir endgültig, wenn wir nicht sofort und im Blick auf unsere Nachkommen Rücksicht nehmen, umdenken, da und dort verzichten und nicht weiter blind den Fortschritt anbeten. Fortschritte gibt es bekanntlich auch bei Krebsgeschwüren…
Wir haben es mit dem Wahlzettel buchstäblich in der Hand, dass die Probleme wirksam und nachhaltig gelöst werden.