Gesellschaft

Was der Harri nicht kennt ...

Was der Harri nicht kennt ...

... kann auch nicht gut sein.

Da reist ein komischer Zappelphilipp namens Harri im Auftrag und auf Kosten von Sat1 in der Weltgeschichte herum. Einzig und allein, um seinen Landsleuten zu zeigen, was für Banausen die Nichtdeutschen doch sind. Kulinarische Banausen, notabene. Harri ist Tester. Für Imbissbuden und Schnellrestaurants. Auf der ganzen Welt. Rund um den Globus. Zum Wohle der Sat1-Zuschauer. Um sie vor Schlimmem zu bewahren. Ein Wohltäter.

Harri war in Ungarn, in Thailand, auf Sizilien, in Ir- und vielen anderen Ländern. Kein Ort, kein Land auf unserem Globus wird von ihm verschont. Stets auf der Suche nach einheimischen Spezialitäten der grossen, weiten Welt des Fast Foods. Was die halt so essen. Dort, wo es keine Currywurst und Pommes rot-weiss, ja nicht einmal Frikadellen gibt. Auf der Suche nach Köstlichkeiten, die mit solchen aus der deutschen Heimat Schritt halten können.

Harri spricht Deutsch. Ausserdem noch Deutsch. Und dann auch noch, ach ja, Deutsch. Das genügt, respektive, muss genügen. Schliesslich kann er ja Grimassen schneiden. Und die werden, wenigstens sehr oft, verstanden.

Als er neulich einen fröhlichen Iren fragte: „Und das isst du jeden Tag und es schmeckt dir“, lächelte der brave Mann, der natürlich nicht ein Wort verstanden hatte, und nickte. Harri röchelte darauf mit schmerzverzerrtem Gesicht in die Kamera: „Der isst das jeden Tag und es schmeckt ihm. Scheusslich“.

Die Geschmäcker sind verschieden, das weiss sogar das ungeborene Kind meiner Nichte Ruth. Bei einigen Menschen sind sie noch ein bisschen verschiedener. So eben auch bei Harri. Er ist ein Tester, der alles probieren muss. Und das ist löblich. Sehr gerne wäre er auch ein Geniesser. Doch die ausländischen Imbiss-Stände stehen ihm im Weg. Was der geplagte Harri da alles vorgesetzt bekommt – scheusslich.

Auf Sizilien, man glaubt es kaum, bot man ihm Salat aus Kuhfuss an. Scheusslich, nicht essbar. Im Hotel Carlton in Cannes steht Pied de Porc, Sauce Vinaigrette als Spezialität auf der Karte. Aber eben, Schweinsfuss ist nicht Kuhfuss. Kuhfuss – scheusslich. Die sizilianische Krönung aber war gekochte Milz zwischen zwei Brötchenhälften. Natürlich scheusslich. Seine Grimasse sagte alles. Genussvoll spuckte er den Bissen aus, sah dabei tapfer in die Kamera. Was müssen das für Menschen sein, die so etwas essen. Gut, die Österreicher lieben ihr Beuschel, dieses Ragout aus Herz, Milz, Lunge und Leber. Kennt man auch in Bayern. Manchmal auch unter dem Namen Gschling. Harri kennt das nicht. Harri hasst Innereien.

Natürlich kann man dem Obertester auch eine Freude bereiten. Vor allem mit Imbissköstlichkeiten, die man auch in seiner Heimat kennt. Da fällt schon mal ein kleines Lob ab. Doch schnell wird er in die harte Realität der Scheusslichkeiten zurückgeholt. Da waren diese ungeniessbaren Bitterballen aus Amsterdam. Die brachten Harri zur Erkenntnis: „Die Holländer wurden bestimmt schon in frühster Jugend an diese komischen Ballen gewöhnt, darum können sie sie heute noch essen. Aber für mich – scheusslich“.

In Ungarn, in Budapest, kam es ganz dick für Harri. Zuerst versuchte er ein Hähchen-Hoden-Ragout – schrecklich. Es folgte ein Salat von der Schweine-Plazenta, Harri nannte es „die Nachgeburt“ und fand es logischerweise schrecklich. Den Stierhoden, paniert auf einem Stück Fisch, entlockte ihm ein „da wird mir kotzübel“. Etwas später durfte er dann ein Stück gekochten Rinderpenis genussvoll ausspucken.

Man glaubt es kaum. Aber auch in seiner Heimat, da wo der Papst herkommt, wo eine Frau Dr. rer. nat. regiert, wo Döner sich erheben wie Sandburgen an der Ostseeküste, da wo ein Johannes Heesters mit 107 Jahren noch ins Maxim geht, na ja, vielleicht auch nur in das kleine Bistro daneben, da wo sich selbsternannte Spitzenköche lieber auf dem Bildschirm präsentieren, statt zuhause die Gäste zu bekochen, auch in diesem gelobten Land wird Harri mit Scheusslichkeiten gefüttert.

An der Ostseeküste wurde ihm ein Hamburger serviert, den ersten Bissen spuckte er gleich wieder aus: „Das kann man nicht essen. Bei aller Liebe ist das nicht geniessbar, da ist eine Remoulade drauf, das kreuzt mir die Fussnägel hoch. Mir wird schlecht, wenn ich nur darüber rede."

Harri besuchte natürlich auch das Oktoberfest und probierte statt gebrannten Mandeln Kräuter-Knoblauch-Macadamia. Scheusslich, „das haut dir das halbe Hirn ganz weg“. Und die Thai-Curry-Cashew spuckte er aus – ach du Scheisse ist das scharf.

Warum muss Harri immer Sachen probieren, bei denen er im Voraus schon weiss, dass er wieder Grimassen schneiden darf. Hebt ausspucken und schlecht machen wirklich die Einschaltquoten. Will Sat1 seinen Zuschauern damit klarmachen, wie privilegiert sie sind. Wie glücklich sie sich schätzen dürfen, dass sie solche Scheusslichkeiten nicht essen müssen. Oder ist es schlicht und einfach eine weitere Publikumsverarschung.

Ich tendiere eindeutig zu Letzterem.

 

Kommentare

Bild des Benutzers immergruen

Was der Harry nicht kennt

Da weiß ich doch wieder einmal, warum ich mich nicht mit solchem Unsinn belasten muss. Die Free- TV Sender sind in meiner Auswahl nicht vorhanden, nicht einmal, wenn Klitschko boxt. Aber die Leute wollen um jeden Preis unterhalten werden weil sie das selbst nicht mehr können. Ich bin so froh, dass man noch Bücher kaufen kann.

immergruen

http://www.mönchsklause.de

Bild des Benutzers Karin Hartmann

Der Harri den ich nicht kenne

Lieber Kurt, nach dieser Glosse wollte ich auch einmal SAT1 schauen und siehe da, ich habe ihn nicht gefunden. Ich habe mindestens 80 Sender aber keinen SAT1. Als ich meine Sender einrichtete, habe ich den doch glatt vergessen. Wie mir scheint habe ich aber nicht viel verpasst aber auch auf den anderen 80 gibt es noch genug NONSENSE zu sehen.
Immer wieder gern lese ich deine Glossen. Gruss Karin

 

Bild des Benutzers Sonja Weber

was der Harri..

 Hallo Kurt, im Gegensatz zu diesem Harri gibt es eine Figur die in den 3. Programmen und auf Arte "rumgeistert". Ich glaube er heisst Marc Bronstein und ist unter der Bezeichnung "Food-Hunter"bekannt. Er bereist unbekannte  hauptsächlich asiatische Gebiete und ist auf der Suche nach neuen oder bisher unbekannten Gemüsearten, Früchten und Gewürzen. Er scheut sich auch nicht in abgelegene Täler oder bei unbekannten Volksstämmen nach Unbekanntem  zu suchen.  Diese Sendungen sind wirklich spannend. Auch was die Köche dann in den Hotels in Schanghai, Hongkong  dann mit den Sachen herstellen. Danke für Deine so gerne gelesenen Kolumnen! Mit einem herzlichen Gruss aus Zürich, Sonja.

 

 

 

 

 

Bild des Benutzers jipégé

Kurt, Du hast ja völlig recht, aber ...

... um Kunden verarschen zu können, müssen diese sich auch verarschen lassen wollen, freiwillig ! Jeder TV-Kasten hat ja bekanntlich einen "OFF"-Schalter und dieser schafft es, sogar SAT1 (vorübergehend) zu killen. In gewissen Sendungen dient die 1/4-stündige Werbepause eigentlich der Erlösung und bietet die Chance, das Hirn einzuschalten und sich zu fragen "muss ich mir das antun ?".

Wenn nur die Privaten so'n Stuss liefern würden, wäre mir dies noch völlig egal. Dass aber unsere nationale Fernsehenanstalt, die wir zwangsweise mit Millionen füttern, praktisch denselben Stuss produzieren und liefern, das liegt mir schon massiver auf dem Magen - und ich habe keine Möglichkeit, diesem Spendenzwang auszuweichen. In Zukunft, und das ist schon der Gipfel an Frechheit unseres Parlaments, werden auch jene müssen, die gar keine Empfangsgeräte besitzen - ganz einfach eine neue Steuer !

Jean-Pierre