Leben

Sexkundeunterricht im Kindergarten

Sexkundeunterricht im Kindergarten

Grosstante Hilde ist zu Besuch.

Die kleine Gitte kommt fröhlich vom Kindergarten nach Hause und begrüsst Tante Hilde, genauer Grosstante Hilde, die zu Besuch ist.

„Was hast du denn da für ein süsses Köfferchen?“, fragt die Tante.

„Das ist mein S-Instruktionsköfferchen“, sagt die Kleine und öffnet es.

„Ach, Handarbeiten macht ihr auch schon?“, fragt die Tante und zeigt auf ein farbiges Wollknäuel.

„Nein, das ist meine Vagina, die war schon in dem Köfferchen drin, als ich es bekommen habe.“ Plötzlich wühlt Gitte ganz aufgeregt herum und ruft nach ihrer Mutter.

„Mama, ich habe den Penis verloren!“

Die Mutter kommt gerade mit frischem Kaffee aus der Küche.

„Man findet nichts, wenn man so nervös herumwühlt. Packe doch alles zuerst einmal aus.“ Das tut die Kleine dann auch.

„Da sind sie ja, die Penis“, sagt die Mutter.

„Nein, das sind nur die Reservepenis, der richtige fehlt. Er muss immer neben der Vagina liegen.“

„Wann hattest du denn das Köfferchen zuletzt geöffnet?“

„Bei Lily, ihr kleiner Bruder wollte unbedingt wissen, wie so etwas geht. Er kommt erst nächstes Jahr in den Kindergarten. Ja, genau, da muss ich ihn verloren haben! Vielleicht ist er runter gefallen und wir haben es nicht gemerkt!“, ruft sie und ist auch schon weg.

„Ich denke, mit meinen Ohren kann etwas nicht stimmen“, sagt Tante Hilde verwirrt. „Das kann nicht wahr sein, was ich jetzt gehört habe.“

„Doch, Tante, deine Ohren sind in Ordnung. Gitte hat im zweiten Kindergartenjahr Sexualkundeunterricht, deshalb das Köfferchen mit dem Instruktionsmaterial.“

Die Tante ist empört

„Aber das könnt ihr doch nicht zulassen! So ein kleines Mädchen, diese Ausdrücke, dieses schreckliche Köfferchen! Mein Gott, ich versteh die Welt nicht mehr, und vor allem verstehe ich dich nicht.“

Die Nichte ist nun auch verärgert. Mit diesem Unterrichtsfach hatte sie sich sehr schwer getan, alle Möglichkeiten für Einsprachen genutzt, Unterschriften gesammelt. Nein, sie wollte es nicht zulassen, dass ihre Tochter mit nicht einmal sechs Jahren diesen Unterricht haben sollte. Doch die Befürworter, hatten sich mit einer knappen Mehrheit durchgesetzt, die Pädagogen, Psychologen, Lehrfachkräfte. Das sagt sie ihrer Tante in energischem Ton.

„Hör mir doch auf mit diesen ganzen Fachleuten, die können sich auch irren, es wäre nicht das erste Mal“, sagt die Tante mit verächtlichem Ton. „Und was ist mit uns? Haben wir es nicht alle auch gelernt, ohne dieses furchtbare Köfferchen?“

Das kommt Gitte aufgeregt von ihrer Freundin zurück und verkündet freudig:

„Der Penis war herunter gefallen und unter Lilys Bett gerollt. Das hab ich mir doch gleich gedacht.“

Sie sieht die beiden Frauen an, mit den roten Köpfen und den zornigen Augen und beruhigt sie.

„Ihr braucht euch nicht mehr aufzuregen, mein Köfferchen ist wieder vollständig“.

 

Kommentare

Bild des Benutzers Brigitte Poltera

keine Unterstützung der Motion EDU/SVP!

Liebe Renate, ich nehme an, deine Kolumne ist eine Glosse und keine Unterstützung der Motion von EDU und SVP für ein explizites Verbot von Sexualkunde in Zürcher Kindergärten und auf der Unterstufe, die nun kurz vor den Wahlen auch noch eingereicht werden soll.

Im Kanton Zürich ist sexuelle Aufklärung erst ab Mittelstufe vorgesehen (und das, wie ich aus der Schulzeit mit meinen eigenen Kinder weiss, ab dem Zeitpunkt, als Aids aufgetreten ist und die frühe Aufklärung dringend notwendig wurde).

Mit den Kindergärten wurden die Pädagogische Hochschule Luzern und der Kanton Basel-Stadt wohl etwas übereifrig, haben ihre Absichten aber zurückgenommen.

Falsch wäre es aber, Gespräche über Sexualität in Kindergarten und Schule zu verbieten. Meiner Meinung nach haben die Kinder ein Anrecht darauf, Antworten auf ihre Fragen zu bekommen. Und sie wollen gar nicht so viel wissen wie wir oft meinen.

Und Verbote aus religiösen Gründen sind in der Schule sowieso total am falschen Ort, sowohl beim Christentum als auch im Islam.

Bild des Benutzers erizo

Adebar

Nun für den Storch sind nun schlechtere Zeiten angebrochen.

Ja,ja viele alte Berufe sterben aus.