Ort der Handlung: Hier und Dort
Zeit: Jeder
Personen: Die Anderen
| Franz: | „Ich gehe nicht am Sonntag.“ |
| Jakob: | „Du bist ja noch nie gegangen!“ |
| Franz: | „Wenn es um etwas Wichtiges geht, gehe ich immer.“ |
| Rolf: | „Und jetzt ist es nicht wichtig?“ |
| Sepp: | „Ich stimme immer brieflich ab.“ |
| Franz: | „Ganz egal, wen wir wählen, die da oben machen sowieso, was sie wollen.“ |
| Rolf: | „Das stimmt nicht. Wir sind das Volk, wir bestimmen, was die da oben machen müssen.“ |
| Franz: | „Wer sagt das?“ |
| Rolf: | „Der Dingsda hat’s gesagt.“ |
| Franz: | „Den wähle ich auf keinen Fall. Wenn der im Fernsehen kommt, schalte ich immer um. Der möchte ja am liebsten einen Gartenhag um die Schweiz bauen.“ |
| Sepp: | „Warum erzählst Du so einen Mist?“ |
| Franz: | „Weil es wahr ist.“ |
| Jakob: | „Ich wähle die Widmer-Schlumpf.“ |
| Rolf: | „Die kann man nicht wählen.“ |
| Jakob: | „Und warum nicht, die ist doch gut.“ |
| Rolf: | „Die ist im Bundesrat.“ |
| Sepp: | „Noch!“ |
| Jakob: | „Na und, ich wähle sie trotzdem.“ |
| Karl: | „Ich nehme von jeder Liste einen Namen. Die gute Mischung macht’s.“ |
| Franz: | „Und wie wählst Du die aus?“ |
| Karl: | „Ganz einfach. Immer der oder die Sympathischste.“ |
| Sepp: | „Ich wähle nur die, die ich kenne.“ |
| Jakob: | „Ich kenne keinen Einzigen, nur die Widmer-Schlumpf.“ |
| Rolf: | „Man muss die Parteiprogramme genau ansehen. Das hilft am meisten.“ |
| Karl: | „Programme, Programme. Papier ist geduldig. Die können viel versprechen, nach den Wahlen machen sie ja doch was sie wollen. Wir bleiben die Dummen, das blöde Volk.“ |
| Rolf: | „So darfst Du das nicht sehen. Wenn wir die rechten Leute wählen, sind wir auch richtig vertreten.“ |
| Karl: | „Und wer sind die Richtigen?" |
| Franz: | Wahrscheinlich die, die von den gössten Plakaten auf Dich heruntergrinsen.“ |
| Rolf: | „So ein Blödsinn. Das sind lediglich die, die am meisten Geld für die Propaganda zur Verfügung haben.“ |
| Franz: | „Und die sind nichts wert?" |
| Rolf: | „Doch, doch, aber es gibt noch viele andere, die ebenso gut sind. Man muss denen auch eine Chance geben. Die können sogar manchmal mehr erreichen.“ |
| Franz: | „Wer sagt das?“ |
| Rolf: | „Der Dingsda hat’s gesagt.“ |
| Franz: | „Den wähle ich auf keinen Fall. Wenn der im Fernsehen kommt, schalte ich immer um. Der hat so ein hämisches Lächeln.“ |
| Rolf: | „Ich sage es noch einmal, aufs Parteiprogramm kommt’s an.“ |
| Karl: | „Wenn ich all die Slogans lese, bin ich auch nicht klüger. Die einen sind echt grün und echt stark, andere denken weiter. Eine Partei findet, mein Zuhause sei meine Schweiz, die Andere wirbt mit Mut und Verstand aus Liebe zur Schweiz. Wieder eine ist für Alle statt für Wenige. Es gibt auch eine, die will ändern, was mich stört. Auf einem Flyer steht: Erfolgreiche Schweiz – nur mit uns, auf einem anderen prangt das Wort Comedy. Und das ist es ja schliesslich auch, eine Komödie. Jetzt seid ihr dran.“ |
| Franz: | „Ich sag’s ja, jeder weiss Etwas und alle Nichts. Darum gehe ich nicht am Sonntag. Ich kann ja doch nichts ändern.“ |
| Rolf: | „Aber mit Deinem sturen Nichtwählen änderst Du etwas? Lass doch Deine Frau den Zettel ausfüllen.“ |
| Franz: | „Geht nicht, die schmeisst sie immer gleich weg, wenn sie sie aus dem Briefkasten genommen hat.“ |
| Sepp: | „Wir vom Kleintierzüchterverein treffen uns am Samstag im Wahllokal, anschliessend geht’s zum Frühschoppen. So macht wählen Spass.“ |
| Franz: | „Ich kann mich auch ohne Wahlzettel besaufen.“ |
| Jakob: | „Ich wähle die Widmer-Schlumpf.“ |
| Rolf: | „Wir können stolz sein, dass wir in einem Land leben, in dem das Volk das Sagen hat.“ |
| Franz: | „Ja, ja, wir haben das Sagen, und die da oben sagen uns was wir zu sagen haben.“ |
| Karl: | „Sagen und Märchen, Band eins.“ |
| Sepp: | „Mit eurem saudummen Geschwafel kommt ihr auch nicht weiter.“ |
| Karl: | „Wir passen uns eben den Politikern an. Wenn Du immer die Arena siehst, weisst Du was ich meine.“ |
| Sepp: | „Warum erzählst Du so einen Mist?“ |
| Franz: | „Weil es wahr ist.“ |
| Rolf: | „Du gehst also nicht wählen am Sonntag?“ |
| Franz: | „Hab ich ja schon gesagt. Und Du?“ |
| Rolf: | „Ich kann leider nicht. Wir bekommen Besuch.“ |
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Du hast mal wieder «dem Volk aufs Maul geschaut», lieber Kurt, wobei eine grossartige Kolumne herauskam. Vielen Dank!
Super gemacht, ich habe mich amüsiert.
Wahlen
Dieser Wortwechsel ist leider nur allzu wahr - aber als Glosse wunderbar amüsant. Hoffentlich werden Morgen Abend Vertreter und Vertreterinnen gewählt, die wirklich eine lebenswerte Schweiz mit gestalten wollen, über den eigenen Gartenhag hinaus schauen und nie vergessen, dass wir nur miteinander etwas erreichen können (und das möglichst respektvoll).