Die Schweiz hat gewählt. Es war in der Tat ein spannender Wahlsonntag. Ich sass in der Online-Redaktion des Tagesanzeigers und kommentierte laufend die eingegangenen Ergebnisse, die laufend erneuerten Hochrechnungen, die ersten Stellungnahmen von Gewählten und Abgewählten. Ein völlig neues Erlebnis. Die Atmosphäre in der Redaktion war recht entspannt, Nervosität verbreiteten höchstens die Techniker, die mit den anspruchsvollen Vorgaben der Redaktionsleitung nicht immer auf Anhieb zurande kamen.
Es ist ein ganz besonderes journalistisches Erlebnis, dass man laufend kommentieren, dass man laufend korrigieren, laufend den Text, die Aussage auch optimieren kann. Der Redaktionsprozess ist ein völlig anderer, aber auch ein Prozess, der leicht zu Fehlern verführt. Die Redaktion steht in Konkurrenz zu anderen Online-Medien, steht in Konkurrenz zu Radio und Fernsehen. Jeder in der Redaktion hat die Nase am Nachrichtenfluss. Die eintreffenden Agenturmeldungen werden unmittelbar gestrafft und verzugslos publiziert. Ich als Kommentator konnte immer direkt auf die News reagieren, sie ergänzen, einordnen und kommentieren. Das Medium ist so erstaunlich schnell, schneller als das Radio, schneller als das Fernsehen. Die Textoptimierung erfolgt am bereits publizierten Produkt. Ein strenger Redaktionsleiter wacht und steuert.
Und das Ergebnis der Wahl: Die Grossen Sieger sind die Grünliberalen und die Mannen und Frauen der BDP, die „jubelnde Neue Mitte“, wie die NZZ heute schreibt. Verloren haben alle Bundesratsparteien, allen voran die SVP, die ihr Wahlziel nicht erreichte, gar 3 Prozent verlor. Verlierer sind auch die Sozialdemoraten, die auch Wähleranteile einbüssten, und prozentual noch stärker mussten die FDP und CVP Federn lassen. Und beinahe unter die Räder gerieten die Grünen, die von den bisherigen 20 Sitzen auf 13 zurückgestutzt wurden.
Das Wahlergebnis ist für die Bunderatsratswahl richtig verzwickt. Es wird sich herauskristallisieren, dass die Mitte-Parteien FDP; CVP, GLP und BDP nicht Anspruch auf vier Bundesratssitze haben werden. Sie werden sich auf drei Sitze beschränken müssen. Die Bedingung ist: Die SVP muss einen wählbaren, moderaten Kandidaten präsentieren. Heute Montag werden die Gespräche aufgenommen. Wir werden sie verfolgen und darüber berichten.
Zum Schluss noch eine Bemerkung in eigener Sache. Unsere Verwaltungsrätin Pascale Bruderer steht doppelt im Glück. Sie schenkte in der letzten Woche einer Tochter das Leben, und die Aargauer Stimmberechtigten wählten Pascale Bruderer mit einem Glanzresultat auf Anhieb in den Ständerat. seniorweb.ch gratuliert seiner Verwaltungsrätin zum doppelten Glück von ganzem Herzen und wünscht ihr nur das Beste.
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