Gesellschaft

Good bye, UP

Good bye, UP

Mövenpick-Gründer Ueli Prager ist mit 95 Jahren gestorben

Es ist seit Jahren still geworden um Ueli Prager, den Gründer der Mövenpick-Gruppe (Hotels, Restaurants, Schnellimbiss-Stätten, Autobahngaststätten und einer eindrücklichen Liste von Eigenmarken von Mövenpick-Kaffee über Salatdressings bis zur innovativen Glaceherstellung), die er mangels Nachfolgern in der eigenen Familie an die Flick-Junior-Gruppe in Deutschland verkauft hat.

UP war uns allen Vorbild ...

... und mir persönlich ein liebevoll strenger Chef, Mentor und Übervater.

Ich bin 1967 zum Mövenpick gestossen. Damals waren die stürmischen Gründerjahre bereits vorbei. 1948 hat der Hotelierssohn Ueli Prager mit Hilfe einiger junger Gastronomen als erstes Mövenpick das Restaurant im damals mit 1000 Arbeitsplätzen grössten Bürohauses Claridenhof eröffnet. Zuvor hatte er an der Uni Zürich studiert, war während des Zweiten Weltkrieges in die Dienste der Gesellschaft für Hotelkredite getreten, wo er manchem Hotelier mit wertvollen Ratschlägen und gezielten Finanzspritzen aus der Patsche der ausbleibenden Gästeschar aus dem Ausland half. 1967 gab es bereits Mövenpick-Restaurants in Zürich, Luzern und Bern. Silberkugeln übernahmen die hierzulande in jener Zeit noch kaum gepflegte Fastfoodverpflegung. Mövenpick hatte mit einer völlig anders gearteten Gastronomie mit kulinarischen Köstlichkeiten aus Küche und Weinkeller zu zahlbaren Preisen eine neue Aera schweizerischer Verpflegung eingeläutet. Mittags verköstigten sich Geschäftsleute in den Silberkugeln oder beim „Business-Lunch“ an engen Tischchen der sympatisch dekorierten, aber auf schnellen Ablauf konzipierten Mövenpick-Restaurants, abends führte „Mann“ seine Partnerin in die Rôtisserie Baron de la Mouette aus, in den Beef-Club oder, mehr ländlich sittlich, in die Grüt Farm Mövenpick in Adliswil.

UP der Mentor

Vor meinem Eintritt als WAccount Executive bei Mövenpick hatte ich in Hamburg Werbung und Public Relations studiert. Aber erst in der Mövenpick-Verwaltung in Zürich und Adliswil habe ich bei Ueli Prager gelernt, pfiffige, glustig machende Textinserate zu schreiben, die täglich in Tageszeitungen von Zürich, Luzern und Bern erschienen. Es konnte wohl sein, dass der immer präsente Ueli Prager einen Inserattext drei bis viermal zurückwies, bevor er ihn für gut befand. – In meiner viele Jahrzehnte später beginnenden Karriere als Journalist habe ich die bei UP gelernte Fähigkeit der knappen Form für meine Kommentare angewandt und damit Erfolg gehabt.

Ueli Prager hat viel von seinen Mitarbeitern verlangt. Auch die Partner seiner jeweiligen Mitstreiter waren gefordert, mussten sie doch an manchem Samstag morgen auf ihre Partner verzichten, die am Abend zuvor zu einer dringenden Sitzung mit UP geladen worden waren.

UP, wie ihn alle respektvoll nannten (auch ein besonders guter Whisky im Carlton Pub hiess so) kümmerte sich um jedes Detail persönlich. Bei Produkt-Versuchen, die in Adliswil in einer Testküche durchgeführt wurden, war er immer dabei. Was ihm mundete, kam auf die Karte, was er scheusslich fand, wurde für alle Zeiten aus der Küche verbannt.

Fünf Jahre habe ich bei Ueli Prager in Adliswil gearbeitet. Ich habe Restaurants wie jenes am Schlossgarten in Stuttgart von den ersten Planskizzen bis zu den heiligen Termin- und Netzplänen mit erarbeitet. Dank der vielen Insiderkenntnis war es mir anschliessend ein leichtes, die entsprechende Werbung für die neuen Betriebe zu konzipieren. Mit der Zeit fanden die Neu-Gründungen schneller statt, so dass man beim „Outpost“ für das neue Zoo-Restaurant ganz am Anfang der Planung mitwirkte, während der „Fressbalken“ von Würenlingen bereits weitgehend aufgebaut war. Und dann musste ich plötzlich ein neues Konzept für die Silberkugeln entwerfen und gleichzeitig eine Höflichkeits- und Freundlichkeitskampagne für das Personal starten. Dabei ging es einerseits tatsächlich um Schulung, andererseits aber auch um die Motivierung der Kunden, bessere Leistungen zu würdigen und so das Verhältnis zwischen Personal und Publikum wesentlich zu verbessern.

Ich komme ins Schwärmen.

Dabei hat diese Arbeit jeden von uns geschafft. Wie oft sass ich schon um vier Uhr früh im Büro, um ungestört vom Telefon eine Werbekampagne aufzubauen. Wie oft hat mir Ueli Prager mit kurzfristig einberufenen Sitzungen den wohlverdienten Feierabend vergällt.

Tempi passati – ich glaube, in den fünf Jahren im Mövenpick war ich richtig glücklich, zufrieden mit meiner Arbeit und wandelte mich langsam vom Hofnarren zur gefragten Respektperson.

Ueli Prager verdanke ich meine Lust zu arbeiten, seine Textsicherheit beim Schreiben. Ein paar wenige Male hatten wir Gelegenheit, über das Geschäft hinaus Persönliches zu erörtern. Prager hat mir in einer Beziehungsgeschichte viel geholfen. Er hat meine Lektüre gelenkt, denn meine Inserate waren ihm oft zuwenig „sophisticatet“. Er hat mir Art Buchmann empfohlen.

Seit vielen Jahren habe ich keinen Kontakt mehr gehabt zu UP, wohl aber zu anderen Mövenpick-Mitarbeitern, die man hier oder dort wiedertraf. Immer begannen die Augen meiner Gesprächspartner zu leuchten, wenn wir von Ueli Prager zu reden begannen.

Ueli Prager ist Mitte Oktober 2011 im 95. Lebensjahr gestorben.

Good bye, Mr. Ueli Prager. Ich hoffe, wir werden uns irgendwo und irgend wann einmal wiedersehen!

 

Kommentare

 

Das ist aber mal sehr interessant für mich gewesen,

was du über dich und den Möverpick Gründer uns mitgeteilt hast.

Warum interessant? Weil ich - mag sein, es wundert dich - ein

bekannender Mövenpick-Fan bin.

Ich wusste bisher gar nicht so genau, warum -, jetzt fällt mir

die Antwort wesentlich leichter.

Dieter Schupp