Soll man lachen oder weinen? Soll man sich empören oder frohlocken? Die SVP, die selbsternannte Partei der Schweizer, führt auf der politischen Bühne in Bern ein Schauspiel auf, das sich gewaschen hat, das uns erstaunt, das so keiner auch nur im Ansatz erwartet hat. Seit der Abwahl von Christoph Blocher, dem omnipräsenten Patron der Partei, reklamiert die SVP lautstark und fortwährend eine Zweierpräsenz in der Landesregierung. Ihre damalige SVP-Kollegin Eveline Widmer-Schlumpf servierten sie ab, setzten sie vor die Parteitür.
Vier Jahre hatte die Partei Zeit, eine Kandidatur aufzubauen, hätten die „B“ in der Partei, die Blochers, Brunners und Baaders, Zeit gehabt, sich auf den 14. Dezember 2011 vorzubereiten, hätten sie den Hauptdarsteller benennen, ihm das Zeug zum Bundesrat vermitteln, ihm die Bühne für die Wahl vorbereiten können. Nur: Die, die es könnten, die auf der Berner Politbühne, im Bundesrat eine gute Figur abgeben würden, weigerten sich schlicht und einfach, die Hauptrolle in diesem Schauspiel zu übernehmen, liessen sich schon gar nicht auf die Wahlbühne bitten. Ein Peter Spuhler beispielsweise winkte ab, will lieber Unternehmer bleiben, will politisch lieber im Hintergrund an den nationalen Fäden ziehen, will sich nicht von der Partei ans Gängelband nehmen lassen. Zu weitsichtig ist er in der Wirtschaftspolitik, zu erfolgreich in seiner Unternehmung, als dass er sich eine restriktive Einwanderungspolitik von der Partei vorschreiben liesse. Er weiss, dass er in seinem Unternehmen auch auf ausländische Fachkräfte angewiesen ist.
In dieser schier ausweglosen Situation griff die Parteispitze zum letzten Aufgebot, portierte Bruno Zuppiger, ohne ihn auf Herz und Nieren zu prüfen. Obwohl alle wussten, dass er als Unternehmer ohne Fortüne geblieben, dass er nur mit gütiger Mithilfe der Partei zum Gewerbeverbandspräsidenten aufgestiegen war, dass er seine wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kaschieren wusste, leuchtete bei den SVP-Gewaltigen keine rote Warnlampe auf.
Die Medien, in ihrer zurzeit situativen Aufgeregtheit, klatschen Beifall, ohne auch nur im Ansatz zu recherchieren. Sie hätten in Zürich nachfragen, hätten die Hintergründe ausleuchten können. Im Gegenteil: Sie spendeten Beifall, schrieben von einem politischen Schwergewicht, von einem Mann mit Bundesratsformat. Es ist die „Weltwoche“, von wem auch immer instrumentalisiert, die für sich in Anspruch nehmen kann, Zuppigers Wahl bereits im Vorfeld verhindert zu haben.
In der Tat: Die SVP-Regisseure im Hintergrund lassen jede Ernsthaftigkeit vermissen, inszenieren die Bundesratswahlen zu einem veritablen Trauerspiel. Nun kommen sie mit Hansjörg Walter, der noch vor einer Woche, auf seine Bundesratsaspirationen angesprochen, meinte: „Man muss seine Grenzen kennen.“ Jetzt, da der verzweifelte Ruf der Fraktion ertönt, kennt er seine Grenzen plötzlich nicht mehr. So vergänglich sind Einsichten, wenn neue Aussichten bestehen.
Nein, so nicht. Die stärkste Partei der Schweiz ist ihrer Stärke noch nicht würdig. Die erfolgsgewohnten, vielgelobten Parteimanager der SVP erwiesen sich als das, was sie den anderen, den Netten der Mitteparteien und den Linken, immer wieder vorwerfen: als nicht krisensicher, als blauäugig, der Ernsthaftigkeit der Situation schlicht nicht gewachsen. Eine Bundesratswahl ist mehr als die Erneuerung einer Vereinsspitze, einer Burschenvereinigung. Unsere Landesregierung hat mehr verdient, als einen Mann mit dem richtigen Parteibuch. Sie braucht Magistraten, Frauen und Männer, die kompetent, überzeugend und integer sind, die sich der Ernsthaftigkeit des Amtes als würdig erweisen.
Liebe SVPler, die Hauptprobe ging bös daneben. Die Premiere des Stückes „Zwei SVP-Vertreter im Bundesrat“ müsst ihr wohl auf die nächste Gelegenheit verschieben, auf den Rücktritt einer Bundesrätin, eines Bundesrates, die oder der am 14. Dezember 2011 für vier Jahre gewählt worden ist. Wer zu spät kommt (mit einem überzeugenden Kandidaten), den bestraft die Geschichte, frei nach Michael Gorbatschow.
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Lieber Giovanni
Genau so ist es. Wir wollen kompetente Personen in der Regierung, nicht einfach nur Parteitreue. Keine Leute also, die nur die Parteimeinung nachbeten. Fazit: Die Parteistärke sollte heute eigentlich gar keine Rolle mehr spielen. Wir bräuchten gute Personen mit Leistungsausweis, Führungserfahrung und - sehr wichtig! - mindestens einer guten Allgemein-Bildung im Rucksack ... nicht bloss einer KV-Lehre.
Es war zuviel Enttäuschung dabei!
Ich bin zu einem grossen Teil mit der "Analyse" von Herrn Schaller einverstanden. Ich selbst bin parteilos, aber an Politik sehr interessiert. Ich verfolge daher die Situation in Bern schon leit langer Zeit. Bezüglich der Ziele, die die SVP bei den Bundesratswahlen 2011 verfolgt hat und noch verfolgt, bin ich mit Herrn Schaller nicht ganz einig: Die SVP ist zur wählerstärksten Partei geworden, weil sie über Jahre zwar die (sehr populistisch formulierten) "Fehlleistungen" in Bern angeprangert hat, selbst aber keine realistischen Löungsmöglichkeiten aufgezeigt hat. Als dann Parteiführer Blocher im Bundesrat war, ist sehr deutlich geworden, dass Reklamieren einfach ist, aber es besser zu machen enorm viel schwieriger. In der Zeit, da die SVP versucht hat in der Regierung mitzumischen, ist ihr Wähleranteil wieder gesunken. Was also tun? Ganz einfach! Man "verpatzt" die Bundesratswahl, gibt den anderen Parteien die Schuld, zieht sich vermeintlich "schmollend" zurück und "geht in die Opposition". Da kann man dann wieder genau so weiterfahren, wie man es gewohnt ist. Und man erhofft sich, dass abgefallene Wähler wieder zurückkommen und vielleicht sogar der eine oder andere Dumme sich überzeugen lässt, dies sei der richtige Weg. Aber meine Herren SVPler, so einfach wird es nicht werden.
Sehr geehrter Herr Schaller
Kompliment für den Artikel. Im Tagesanzeiger steht heute ähnliches.
Was bleibt von Herrn Blocher? Ein vergiftetes politisches Klima und die Sackgasse „Nein zum EWR“ .
Niemand wird ausrechnen können, was uns das schon gekostet hat und es wird uns noch Milliarden kosten.
Sie kennen ja das Sprichwort: „Sag die Wahrheit und flieh“.
Anton Schaller hat die Situation der SVP gut zusammengefasst. Das Problem geht aber tiefer. 26% der Wähler (ca 10% der Schweizer) unterstützen eine Partei welche tatsächlich meint, mit einem Kollegen von einem amtierenden Bundesrat, aus derselben Partei, demselben Dorf und mit gemeinsamer Gemeinderatsvergangenheit, soll die Geschicke unseres Landes leiten und vorausdenkend lenken. Wohlverstanden ein Kandidat, der sprachliche Defizite in einem 4 sprachigen Land aufweist, sich in keinem leitenden Amt bewähren musste und von dem man nicht einmal seine charakterliche Integrität kannte. Nur per Zufall wurde verhindert, dass wir uns mit solchen Typen identifizieren müssen und diese im Ausland sich als Repräsentant unseres Landes ausgeben. Das ist die Tragik an der Geschichte. Das Herr Walter als gutmütiger Mensch missbraucht wurde, passt ins Bild, welche die 3 B's abgeben und muss nicht weiter kommentiert werden.
Auffallend viele Senioren erwähnen die Verdienste der SVP in der Vergangenheit. Aber was wurde als Lösung angeboten. Verbot von Minaretten! Und wie werden die 100 000 Sans Papier nach Hause gebracht? 4 Jahre sollten für einen Jusrizminister genügen, um mindestens Lösungswege aufzuzeigen. Aber eben, Misstände auf billige Weise anprangern ist einfacher als diese zu lösen. Das ist wahrscheinlich der wahre Grund, warum die SVP an einer Zweiervertretung gar nicht interessiert ist. Denn ein amtierender Bundesrat wird an den Taten gemessen und nicht an Parteisprüchen.
Nach 30 Jahren Zugehörigkeit zur FDP bin ich 2007 ausgetreten. Bereuen muss ich es nicht! Die FDP täte gut daran, sich ein wenig mehr an der Mitte zu orientieren, als sich weiterhin von der SVP vorführen zu lassen.
C'est le ton qui fait la musique ...
Ich bin ein alter Liberaler, FDP-Mitglied seit 50 Jahren, politsch nicht aktiv aber laufend sehr interessiert am Geschehen.
Die FDP-Politik hat mich eher etwas enttäuscht, sodass ich auch mehrmals für die SVP gestimmt und SVP gewählt habe.
Die etwas desolate Situation der SVP nach den Bundesratswahlen war voraussehbar. Herr Schaller hat das m.E. richtig dargestellt.
Jetzt gibt es m.E. für die SVP nur einen erfolgsversprechenden Weg: Glaubhaft nach aussen kommunizieren, dass man den Entscheid des Paralaments so akzeptiert und dass man trotz der momentanen Niederlage bereit ist, konstruktiv mitzuarbeiten. An den Hauptzielen, wie Zuwanderungsbegrenzung und Unabhängigkeit und Eigenständigkeit der Schweiz festahlten.
Der "Personenkult" müsste abgebaut werden. Neue Kräfte müssten echte Chancen erhalten.
Immerhin, dem wichtigsten der drei B's gebührt Dank. Ohne dessen stetigen Bemühungen wären wir vermutlich jetzt Mitglied eines konkursiten Vereins, genannt EU.
Rudolf Saum
Lieber Herr Schaller,
ich bin mit Ihrer Meinung zu der SVP total einverstanden und deswegen habe ich den Eindruck, dass ich in dieser Plattform falsch bin.
Es sollte aber nicht mein Gott, sondern Der Teufel, SVP heissen. Geld macht vieles, aber nicht alles.
C.M
Aber Herr Schaller, diese Häme ist schon etwas deplaziert. Ich bin zwar nicht Mitglied der SVP aber ein wenig Fairness dürfte man doch erwarten. Im Seniorweb erwarte ich eine neutrale Beurteilung der Parteien, sonst bin ich an der falschen Adresse.
Ich bin 84 Jahre alt, bin verheiratet seit 60 Jahren. 2 Töchter, 1 Sohn und 8 Enkelkinder die auch schon erwachsen sind.
Herr Schaller, ich bin weder der SVP noch einer anderen Partei zugehörig. Ihr Beitrag ist jedoch sehr zynisch. Es wurden von beiden Seiten vor vier Jahren gravierende Fehler gemacht! Die SVP wird sich noch zusammenraufen müssen und gemässigter werden. Es ist jedoch nicht abzustreiten, dass sie die Sorgen und Bedenken des Volkes erkannt hat. Auch bei anderen Parteien ist nicht immer alles in Ordnung!
Herr Schaller, Sie haben vollkommen recht: Die Hauptprobe ist tatächlich sträflich missglückt!
Die Überheblichkeit einiger SVP-ler liess das Gros des Parlamentes kalt; blieben sie doch auf
dem Boden der Realität. Dass nur im letzten Wahlgang eine zweite Runde eingeläutet werden musste, spricht dafür. Chapeau! Die SVP würde gut daran tun, ihre scheinbar veraltete Interpretation von Konkordanz neu zu definieren; stolpert sie selber immer wieder darüber. Konkordanz - je nach Sicht der Dinge - ist laut Politologen nämlich sehr verschieden interpretierbar.
Jedenfalls hat die heutige Bundesratswahl das Lavieren der SVP erneut abgestraft.
Liebe und kämpferische SVP
ich bin kein Mitglied der SVP. Trotzdem habe ich kein Verständnis mehr für das Trauerspiel in der Parteien-Landschaft auf die Bundesratswahlen hin. Mir gefallen wohl die politischen Strategien der SVP, typisch Schweizerisch, Volksnah orientiert und Politisch mit guten Strategien. Ich bin zwar erstaunt, dass die erst kürzlich durch das Volk gewählten Parlamentarier nicht in der Lage sind, bezüglich der hochgepriesenen Konkordanz einen fairen Kompromiss zustande zu bringen. Für die Bundesratswahl gibt es doch genügend weise Köpfe, welche das Land Schweiz auf gute Pfade führen können. Warum nur wählt man immer - und dies mit kriegerischen unsauberen Methoden bis unter die Gürtellinie - die Braven und die Netten, anstelle der Klugen und den Machern. Heute verstehe ich, dass die Politikverdrossenheit von etwa 50% unserer Gesellschaft nicht abnimmt, sondern zukünftig zunehmen wird. Dies lässt sich auch nicht mit Neugruppierungen von Parteien lösen. Scheinbar hat die Konkordanz keinen Platz mehr, anstelle werden parteipolitische Machtkämpfe auch in der Schweiz geführt, ohne die wichtigen Inhalte und die Aufgaben ernst zu nehmen. Ich wünsche mir im Interesse der Schweiz, dass Politik wieder wie in früheren Zeiten mit Augenmass und nicht mit Augenwischerei betrieben wird, egal wie der Bundesrat und das Parlament im Nationalrat und Ständerat zusammen gesetzt ist. Miserable politische Zustände wie in Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, ja in ganz Europa lassen grüssen. Vergesst auch nie, dass Politiker vom Steuerzahler grosszügig berappt werden.
Hans Peter Voit-Oehy, Wettswil am Albis
Herr Schaller hat alle seine politischen Niederlagen noch nicht verarbeit. Aber lassen wir Herr Schaller witerschreiben. Neue Themen zum auf die SVP einprügeln bekommt er sicher nach der nächsten BR Wahl.
Lieber Herr Schaller,
das, was sie da geschrieben haben, ist wirklich alles nicht neu und war alles schon irgendwo zu lesen, bevor Sie es auch noch zu Papier brachten. Obwohl ich weder Mitglied, noch Sympathisant der von Ihnen angesprochenen Partei bin, finde ich diesen Ihren Beitrag (sehr) schwach oder so.
Häme und Schadenfreude werfen oft Schatten auf den Schreiber! Bei mir hat sich dieses Bild bis heute eingeprägt, wo sich die so gerechten Politiker wie Kinder im Sandkasten benommen haben. es war beschämend und wahrlich keine Heldentat, weder von der gewählten Bundesrätin ( Tüchtigkeit hin oder her ) noch von den links und querbeet für kurze Zeit einigen Politikern! Verrat in der eigenen Familie trifft immer am härtesten. Ein bisschen Verständnis für die enttäuschten SVP- ler wäre am Platz und würde die verfahrene Situation entschärfen.

Grüezi Herr Schaller
Ich bin zwar alles andere als ein Anhänger der SVP - aber hier bei Seniorweb dünkt mich Ihr Kommentar etwas deplaziert!
Fritz Dürst
Fritz Dürst
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fritz.duerst@gmx.ch
www.fritz-duerst.ch
...aber auch nicht schadenfreudig lachen. Dafür kann man einfach zur Kenntnis nehmen, dass es auch bei Politikern menschlich zu- und hergeht.
Ob im Bundesrat ein oder zwei Mitglieder der gleichen Partei angehören, ist insofern unerheblich, als sie in erster Linie Land und Volk verpflichtet sind und nicht ihrer eigenen Gefolgschaft. Das haben offenbar noch nicht alle Kandidaten für das Amt eines Bundesrates begriffen und die hinter ihnen Stehenden auch nicht.
Mich interessiert weniger die politische Herkunft einer Bundesrätin oder eines Bundesrates als das, was sie oder er in unser aller Dienste leistet. An ihren Leistungen soll man sie messen und nicht an ihrem Parteibüchlein. Das haben offenbar nicht nur Parteien vergessen, sondern auch Medienschaffende.
Nebenbei, Herr Schaller, Ihr Bekunden von Schadenfreude gefällt mir nicht sonderlich.
Kolumne betr. SVP
Mir scheint, als ob Herr Schwaller sich im Missgeschick der SVP suhlt. Und dabei das seniorwep zur Verbreitung seiner linken Ideologien missbraucht, ohne auch nur dabei den gesunden Menschenverstand zu gebrauchen. Es ist Chr. Blochers historisches Verdienst, dass er nahezu im Alleingang und zusammen mit der SVP die Schweiz vor den Katastrophen der EU und des Euro ferngehalten hat. Zudem hat Herr Schwaller das Chaos im Asylbereich übersehen, dass seit dem Ausscheiden von Chr. Blocher aus dem Bundesrat entstanden ist. Das seitdem nicht professionelle Arbeiten im Asylbereich hat enorme Kosten verursacht, die der Steuerzahler zu übernehmen hat. Bis anhin haben es zwei Bundesrätinnen versucht dem Chaos beizukommen, jedoch bisher offenbar ohne Erfolg. Die Asylanträge steigen weiter an und dürften 2011 einen negativen Spitzenwert erreicht haben.