...das hat der Arzt, Poet und Essayist Gottfried Benn gesagt.
Doch das hinderte den bekennenden Alleingänger, Liebhaber und notorischen Verführer, (zweifacher Witwer, zum dritten Male verheiratet), nicht daran, sich im Alter von 68 Jahren wieder einmal neu in eine 33jährige Frau zu verlieben.
Gottfried Benn an einen Bekannten: „Richten Sie bitte Ihre Gedanken nicht in Richtung Erotik, sondern in die Richtung, dass es einen sehr betrübt, wenn man als alter Mann überhaupt noch auf ein inneres Entgegenkommen bei reizvollen jungen Frauen stösst, auf eine Berührung der Sphären, zu denen natürlich auch die Erotik gehört, die aber etwas ganz anderes bewirken und bedeuten, nämlich eine Art Bewegung affektiver Schichten, die einen für eine Weile fortführen von Erstarrung, Müdigkeit, Fettwerden, Ranzigwerden.“
Heute würde das „Urselchen“, sein „Menschlein“, wie er seine Geliebte nannte, laut auflachen und auf der Stelle aus seinem Leben verschwinden.
Ob Gottfried Benn sich noch erinnerte an sein „…man sollte ihr aus dem Weg gehen“? Oder sich schon damals sagte, was Jahre später ein anderer so formulierte: „Es ist was es ist“?
Was für ein Glück für Gottfried (68) und Ursula (33), dass im Jahre 1954 die Boulevardpresse zwar über den ‚skandalösen Fall’ berichtete, aber nicht hinter den beiden Tag um Tag auf Teufel komm raus her war.
Denkbar ist allenfalls eine 16cm-hohe Überschrift: „Der Dichter und seine frische Liebe“ - „Alter schützt vor Torheit nicht.“
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Gottfried Benn starb wenige Wochen nach seinem 70. Geburtstag im Jahre 1956 in Berlin.
Gibt man rund fünfzig Jahre später in die PC-Suchmaschine „Liebe im Alter“ ein, so führt das dort zu etwa 12 000 Ergebnissen.
Da hat sich in der Zwischenzeit einiges getan, wie auf den Webseiten nachzulesen ist:
„Neue Liebe im Alter“ – „Frisch verliebt mit über 60? Warum nicht!?“ – „Liebe, Lust und Leidenschaft im Alter“ – „Meine Oma und der Neue“ – „Mit dem Alter wird die Liebe intensiver“ – „Liebe, Sex und Partnerschaft im Alter“ – „Wenn einem im Alter die große Liebe begegnet“ ... und so weiter.
Alle Auskünfte aus der Selbsthilfeindustrie ermuntern ihre Leser, der „Stimme ihres Herzens“ zu folgen, um so durch eine neu entdeckte Liebe zu einem späten Maximum an Wohlbefinden und Lebensglück zu kommen.
„Es gibt Leute, die müssen erst 60, 70, 80 Jahre alt werden, bis sie ihrer ganz grossen Liebe begegnen“, war unlängst in einer Zeitschrift zu lesen. Und aus dem Buch der Psychologin von Sydow «Die Lust auf Liebe bei älteren Menschen» zitiert: „Bis vor wenigen Jahren waren Frauen im Rentenalter bescheidener …, zogen sich regelrecht aufs Altenteil zurück, ganz im Gegensatz zu ihren männlichen Altersgenossen. Heute wünschen sich selbstverständlich auch Frauen ein erfülltes Liebesleben im Alter.“
Anne Stabrey hat in «Liebe bleibt jung» Frauen und Männern ab 60 interviewt und deren Biographien wiedergegeben vor dem Hintergrund des sozialen Wandels von alten und neuen Moralvorstellungen und von modernen Formen des Zusammenlebens im Alter.
Ausschnitte aus zwei Rezensionen: „Auf einmal entdecken die vermeintlichen Senioren neue Beziehungsmuster wie etwa ‚Beziehung ja, aber Zusammenleben nein’“ (Stuttgarter Stadtanzeiger). – „Gefühle und Bedürfnisse verändern sich im Alter weniger als gedacht. Begehren und Sehnsucht bleiben bis zum Lebensende vorhanden“ (Pflegezeitschrift).
Könnte man heute Gottfried Benn zum Thema „Liebe im Alter“ befragen, ihm gleichzeitig die Produkte aus der Selbsthilfeindustrie zu lesen gegeben, er würde sich die Hände reiben und bemerken: „Genau das habe ich schon zu meiner Zeit mit meinem Leben bewiesen.“
Ob er jedoch trotzdem dabei bleiben würde: „Ja, ja, die Liebe! Ich weiss nur eins, man sollte ihr aus dem Weg gehen“? - Das steht dahin.
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Gottfried Benn...
Danke Dieter Schupp für deinen Hinweis auf Gottfried Benn, einen speziellen Zeitgenossen des 20.Jahrhunderts. Deine Kolumne regt an, mehr über Benn und sein Leben zu erfahren. Als Einstieg findet man Wissenswertes auf der Homepage des Diogenesverlages und der Gottfried Benn Gesellschaft.