Gesellschaft

Menschen 2011

Menschen 2011

Von Despoten, Irren, Gestrauchelten und Erfolgreichen: die Frauen

Blickt man am Silvester 2011 auf das laufende Jahr zurück, reibt man sich wahrlich die Augen. Die Reihe der Ereignisse, die die Welt erschütterten, ist ungewohnt lang. Ein gewaltiger Tsunami fegte in Japan über das Land. Im Kernkraftwerk Fukushima gerieten die Atomreaktoren ausser Rand und Band. Die Atomenergie ist künftig aussen vor. Der Amoklauf in Norwegen kostete jungen, hoffungsvollen Menschen das Leben. Der Amokläufer, ein Irrer. Die Gesellschaft, selbst im reichen und friedlichen Norwegen, schutzlos ausgesetzt einem Mann, der sich selbst zum Richter und Henker erhob.

Die Reihe der Männer, die von der politischen Bühne gestossen wurden, ist ebenso lang wie eindrücklich. Despoten, wie der Tunesier Ben Ali, der Ägypter Mubarak wurden von ihrer Bevölkerung aus ihren Ämtern gejagt. Ghadhafi, der Diktator in Libyen, im Bürgerkrieg getötet, Bin Laden, der Terrorist Nummer eins, von den Amerikanern eruiert, überfallen und hingerichtet.

Berlusconi, Europas Schürzenjäger Nummer eines, versagte dort, wo er Leistung hätte bringen sollte: in der Bewältigung der Finanzkrise seines Landes. Strauss-Kahn, der Chef des Internationalen Währungsfonds IWF, der an vorderster Front die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise hätte händeln sollen, scheiterte an seiner nicht beherrschten Libido, sah sich der Weltöffentlichkeit vorgeführt wie ein Schwerstverbrecher, obwohl er sich später aus der Umklammerung der amerikanischen Justiz hatte fintenreich entziehen können. Dafür hat der französische Staatspräsident Sarkozy einen ernsthaften Konkurrenten bei den Präsidentschaftswahlen 2012 weniger. Da nahm sich der wochenlange Prozess um Jörg Kachelmann wie eine kleine Episode aus, obwohl auch der Schweizer Wetterfrosch die deutschen Boulevardblätter während Wochen zu füllen vermochte. Männer und immer wieder Männer. Daran reiht sich auch der Misserfolg der SVP-Mannen, die bei den eidgenössischen Wahlen den Ständerat, das Stöckli, hatten erobern wollten.

Da sieht die Bilanz der Frauen anders aus. Angela Merkel zeigte in Europa, wo es lang geht. Cristina Kirchner regiert nach einem Glanzsieg weiterhin Argentinien. In Brasilien ist es Dilma Rousseff, die das Land in die Spitzengruppe der Wirtschaftsmächte führt. Im IWF folgte auf Strauss-Kahn die französische Finanzministerin Christine Lagarde, die derzeit energisch über den Währungsfonds in ganz angespannter Zeit wacht. Und in der Schweiz kam Eveline Widmer-Schlumpf zu einem triumphalen Erfolg. Die Bundesversammlung wählte sie nicht nur wieder in den Bundesrat, sondern auch gleich mit einem Spitzenresultat zur neuen Bundespräsidentin 2012. Und bei den eidgenössischen Wahlen waren es Pascal Bruderer, SP, und Karin Keller-Suter, FDP, die weit vor ihrer Männerkonkurrenz mit Glanzresultaten im Ständerat Einzug hielten. Und das beste Ergebnis bei den Nationalratswahlen war der SVP-Frau Natalie Rickli vorbehalten.

Frauen und immer wieder Frauen. Zum Glück.