Eine riesige Welle Aufgeregtheit schwappt über unser Land. Ist Philipp Hildebrand „ein Gauner“, wie die Weltwoche meint, locker behaupten zu können, ist er d e r Währungshüter der Schweiz, auf den unser Land, und vor allem jetzt in der Euro-Krise, keinesfalls verzichten kann? Ist er mit einer solch starken, international ausgerichteten Frau verheiratet, dass SVP-Obere zu meinen scheinen, dass bereits jetzt islamistischer Einfluss in der Nationalbank Einzug gehalten hat?
Sehr wahrscheinlich ist alles weit einfacher. Die Hildebrands leben eine moderne Ehe. Beide sind bestens ausgebildet, sammelten umfassende internationale, ja globale Erfahrung, sprechen locker mehrere Sprachen, bewegten und bewegen sich in den verschiedensten Kulturen, kennen sich in den verschiedenen Religionen dieser Welt aus. Sie wurde in Pakistan geboren, ihr Vater starb, als sie vier Jahre alt war, ihre Mutter, eine US-Amerikanerin, zog mit ihrer Tochter wieder in die USA. Sie erhielt eine umfassende internationale Bildung, wurde Ökonomin, arbeitete erfolgreich in der Wall Street in New York. Er ist ein Luzerner, geboren in der Innerschweiz, steht in der Bildung ihr nicht nach, spricht exzellent französisch, natürlich perfekt englisch und unverkennbar auch Luzernerdütsch, kam nach New York, startete eine exzellente Bankkarriere. Sie lernten einander in der Finanzwelt kennen und lieben. Heirateten „relativ spät“, wie Hildebrand vor der Presse erklärte, haben heute eine elfjährige Tochter.
Statt sich in die Höhe der hohen und höchsten Saläre in der internationalen Bankenwelt, deren Türen ihnen weit offen standen, zu rangeln, stieg er 2003 in das Direktorium der Schweizerischen Nationalbank ein, „begnügte“ sich mit einem Salär weit unter einer Million. (Heute verdient er als Präsident der SNB rund 1 Mio. CHF. Ein Gehalt, das im Vergleich zu seinen Kollegen in der CS, in der UBS, bei Novartis - zwischen 20 und 70 Mio. CHF - zwar anständig, aber nicht überrissen ist.) Frau Kashya Hildebrand entsagte einer Bankkarriere, auch einem Riesengehalt, stieg um, wurde Galeristin, wohl auch aus Rücksicht auf ihn.
Dass sie am Esstisch und wo auch immer, angeregt über die Welt, die Wirtschafts- und Finanzkrise miteinander sprachen, ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Dass sie an der Tätigkeit ihres Mannes Anteil nahm, kann wohl niemanden verwundern. Dass sie, die schweizerisch-amerikanische Doppelbürgerin, im Sommer 2011 immer wieder den „lächerlich tiefen Dollarkurs“, in die Diskussionen einbrachte, machte Hildebrand vor der Presse öffentlich. Und es könnte sein, dass sie im Bewusstsein um die heikle Situation und um ihren Mann zu schonen, ganz gezielt die Transaktion der 400`000 CHF in Dollars vornahm, ohne ihn zu orientieren. Und als Hildebrand vor der Presse darauf angesprochen wurde, meinte er: “Ja, wie soll ich es sagen ...Sie ist halt eine starke Frau.“ Viele in traditionellen Eheverhältnissen lebende Männer werden das nur schwer verstehen, nicht nachvollziehen können, dass eine Frau eigenständig, ohne ihren Mann zu konsultieren, eine solche Transaktion durchführt, auch wenn es nicht wenige Haushalte in der Schweiz gibt, in denen die Frauen alle finanziellen Angelegenheiten alleine regeln. Schlicht deshalb, weil ihre Männer es entweder nicht können oder nicht wollen und ihren Frauen voll vertrauen.
Und es ist eigentlich verwunderlich, dass sich bis jetzt keine Politikerin, keine Journalistin, keine Kommentatorin für Frau Kashya Hildebrand einsetzte, sie lobte, weil sie selber in finanziellen Fragen selbständig handelt. Stattdessen werfen sie ihm vor, dass er die Schuld auf seine Frau abschiebe. Alle argumentieren aus einer traditionellen Sicht heraus. Hie Mann, der bestimmt, da Frau, die vollzieht.
Und es könnte ja sogar sein, dass Philipp Hildebrand gerade durch den ständigen Hinweis seiner Frau auf den „lächerlich tiefen Dollarkurs“ darin bestärkt wurde, den starken Franken im Interesse der Wirtschaft, im Interesse der Arbeitsplätze, gegenüber dem Dollar und vor allem gegenüber dem Euro markant zu schwächen, den Mindestkurs gegenüber dem Euro auf 1.20 CHF festzulegen. So hätte Frau Kashya Hildebrand gar einen Dankesbrief verdient.
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Besten Dank Herr Schaller für ihre offene und gute Darstellung.
Auch wenn gewisse Blochegegner noch nicht begriffen haben, dass wir ohne Blocher noch ganz tiefer in der Euroschei.... sitzen würden. Aber es ist immer so. Wenn jemand das unredliche Tun gewisser Polit-VIP's anprangert, werden genau diese verfolgt und wenn möglich noch verurteilt. Dazu gibt es zahlreiche Beispiele. Insbesondere beim Fehlverhalten von Linken.
Das Dumme ist nur, dass die Blochergegner immer wieder feststellen müssen, dass er vielfach recht hatte und niemand bereit ist, das Gesicht zu verlieren und auch mal etwas zugeben können. Kommt ein Fehlverhalten von Linken an die Öffentlichkeit wird in den Medien möglichst alles totgeschwiegen oder die Rechte dabei verurteilt. Dazu sollten sich viele überlegen, ob sie noch auf der richtigen Seite stehen oder doch eher ihre Forderung nach verziehen von Blocher auf eine Insel nicht selber dazu geeignet wären und damit der Schweiz den grösseren Dienst erweisen würden!
Es bleibt einfach nur noch zu hoffen, dass den Herren Blocher & Co. in diesem Land endlich mal das Handwerk gelegt wird. Praktisch in jedem Interview betont der Querschläger der Nation, wieviel ihm an unserem Land liege!!!! Frage mich nur, wer so dumm ist, dies ihm noch zu glauben??? Wenn er wirklich mal was für unser Land tun will, soll er gefälligst sein Nationalratsmandat zurückgeben und sich auf eine möglichst ferne Insel verziehen.
Sehr geehrter Herr Schaller, dieser Herr Blocher, samt seiner SVP liegt Ihnen offenbar tief im Magen. Man muss nur "andere Artikel" von Ihnen anschauen.
Vernünftig ist die Attacke nicht, die Abwehr noch weniger. Warum kehrt man den Schmutz in der Schweiz immer unter die Decke. Bitte, lesen Sie über Swiss Life und die "Praktiken" eines Bruno Pfister nach. Klar. Dies wurde nicht breit getreten, schliesslich kam der Skandal Gotthard Bank und andere Konzerne, letztlich Swiss Life, nicht von der SVP Seite auf die Oeffentlichkeit. Sonst wäre die gesamte Presse und der ganze Linke Block auf der Gegenblocher Linie.
Es gibt die zwei Möglichkeiten: hinter jedem Detail eine Arglist vermuten - oder (wie es Anton Schaller erfreulicherweise versucht) ein "Szenario der Normalität" zeichnen. Aber auch wenn man Arglist vermutet, sollte man die Relationen im Auge behalten. Nehmen wir also einmal an, Hildebrand habe den „Devisenhandel“ selber ausgeführt. Dann hätte er damit Job und Ehre auf's Spiel gesetzt für einen Gewinn von weniger als einem Monatsgehalt! Kein Hildebrand-Kritiker dürfte so dumm sein, mit einer solchen Gewinnaussicht ein derartiges Risiko einzugehen. Ein merkwürdiger „Spekulant“ überdies, der innerhalb eines Jahres für gerade mal 1.5 Mio CHF Dollars kauft, um etwa eine halbe Million davon zurückzuwechseln. Klar sollen Nationalbanker nicht spekulieren dürfen. Aber was ist denn real existierende Spekulation, was ist Devisenhandel? Weltweit wird täglich (!) im Umfang von 256 Mrd. $ mit Schweizerfranken spekuliert (Zahlen BIZ 2010 – bis Sommer 2001 dürften sie deutlich höher gelegen haben). Der Anteil der Schweizer Banken am weltweiten Devisengeschäft liegt bei 5% (entsprechend etwa 13 Mrd. täglich). Pro Schweizer (gross und klein) gerechnet macht das 10-15 Mio jährlich, nicht 0.5 Mio pro Familienmitglied Hildebrand. Es ist gut, wenn die Herren Blocher und Lei der Spekulation nachspüren. Notwendig wäre aber, wenn sie diejenige thematisieren würden, die ins Gewicht fällt: Die Spekulation gegen den Schweizer Franken hat unsere Volkswirtschaft in eine prekäre Lage gebracht. Die Festlegung des Euros auf einen Preis von > 1.20 CHF durch die Nationalbank hat die Probleme der Schweizer Volkswirtschaft etwas begrenzt, aber gleichzeitig den Banken (und einigen ihrer Grosskunden) einen Teil ihres Geschäfts vermiest. Wollen die Herren Blocher und Lei hier Remedur schaffen? Die politische Diskussion und die Presse sollten sich den wirklichen Problemen zuwenden.
Matthias Wiesmann
Herr und Frau Hildebrand, bestens ausgebildet. Eine starke Frau die als Ökonomin an der Wallstreet tätig war. Mehrsprachig, internationale Erfahrung, bewegen sich in verschiedensten Kulturen. Eine nach Ihnen Herr Schaller moderne Ehe und viele in traditionellen Eheverhältnissen lebende Männer werden das nur schwer verstehen, nicht nachvollziehen können. Gemäss ihrer Hypothese Herr Schaller halten Sie es tatsächlich für möglich, dass das Ehepaar Hildebrand am Mittagstisch oder wo auch immer über den tiefen USD diskutierten und aufgrund des ständigen Hinweises seiner Ehefrau über den lächerlich tiefen Dollarkurs sich Herr Hildebrand entschieden hätte den Franken nun aufgrund dessen gegenüber dem Euro auf 1.20 CHF festzulegen. Falls dies zutreffen würde Herr Schaller, müsste man nicht nur Herr Hildebrand sondern die ganze Führungsspitze der Nationalbank auswechseln. Im weiteren ist zu erwähnen, dass wenn die angeblich umfassend ausgebildete Ökonomin Frau Hildebrand, Transaktionen zwecks Devisenhandels beauftragte, dabei nicht nur unüberlegt, dumm und naiv handelte, sondern auch völlig unprofessionell. Die nach Ihnen Herr Schaller angeblich moderne Ehe des Ehepaars Hildebrand ist heute eine Ehe unter weltweit Millionen anderen. Gemäss Ihrer Träumereien Herr Schaller, sind Ehemänner in traditionellen Eheverhältnissen nur noch Idioten? Aber na ja. Ist ja alles gut. Viele alte Leute begrüssen Heuchlerei und Schönmacherei und es soll letztendlich fast wie im Märchen sein. …und wenn sie nicht gestorben sind dann leben sie noch heute.
Als Laie kann ich nicht beurteilen was richtig oder falsch war.Wenn aber nun alle fordern das etwas zu ändern ist, bleibt die Frage offen ob intern keine Kontrolle vorhanden war. Im besseren Blickwinkel würde die Angelegenheit heute erscheinen wenn bei einer Überprüfung im eigenen Haus die Änderungen erfolgt wären.
Neben den vielen negativen Medienberichten ist es richtig wohltuend, auch etwas Positives über die Familie Hildebrand zu erfahren. Wer eine solch erfolgreiche Biographie vorweisen kann, hat leider auch viele Neider. Danke Herr Schaller für diesen Beitrag aus einem ganz anderen Blickwinkel!
Viele hoffen dass es so ist.
Nein, ich denke, so i s t es. Dem grossen Bravo von Ulla schliesse ich mich vorbehaltlos an.
Mehr noch, ich anerkenne die heute immer wichtiger werdende Haltung, welche Anton Schaller in diesem Artikel vertritt, nämlich nicht in allem und jedem das Negative zu suchen und zu konstruieren. Eine Haltung, welche gerade einen ehemaligen Medienmann vor dem Gros seiner heutigen Kollegen abhebt.
Ohren können das Gute hören, Augen das Schöne sehen, wenn das Hirn dies zulässt
Dankesbrief an Frau Hildebrand
Hallo Toni
Unsere Kontakte gehen zeitlich weit zurück nach Basel als du noch die Lehrlingsbetreuung innerhalb der JR Geigy AG, später Ciba-Geigy AG inne hattest! Ich war einer jener Lehrlinge in den 60er Jahren. Und heute, nach meiner 40-jährigen Berufslaufbahn geniesse ich die Frührentnerzeit und bin daher seit kurzem mit dabei im "SeniorWeb"!
Mein richtiger Name?
Fritz Bigler
Ich war damals primär im Textillabor (Leitung Nador/J. Frei) zugeteilt. Du warst damals im 3. Stock 1096 zusammen mit Jörg Binz für die Lehrlingsbetreuung zuständig. Ebenso der Kollege Barth.
Vielleicht dämmert es dir jetzt und vielleicht höre ich von etwas?!?
Herzliche Grüsse
Fritz