Gesellschaft

Verdient um die Heimat  und der Dank des Vaterlands

Verdient um die Heimat und der Dank des Vaterlands

Die Schweiz meint es nicht besonders gut mit jenen, die ihr Gutes tun.

„Ähnlichkeiten mit gewissen (politischen) Praktiken sind weder beabsichtigt noch zufällig, sondern unvermeidlich.“

Frei nach Heinrich Böll: „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“

Wer sich um die Schweiz verdient macht, erregt Neid und Missgunst. Feinde hat er allemal, weil des einen Nachtigall des andern Uhl ist. Was der Betroffene an Gutem schafft, ist für andere oft verheerend. Wer die schweizerische Währung gegenüber dem Euro schwächt, um der Wirtschaft zu dienen, verursacht bei Spekulanten Ärger, und wer den Bankdirektoren die Boni kürzt, macht sich viele von ihnen zu Feinden. Wer gut mit einer gewissen Bundesrätin zusammenarbeitet, wird geprügelt, wobei der Geisselklepfer den Hildebrand schlägt, aber die Widmer-Schlumpf meint.

Namhafte Politikerinnen und Politiker mussten schon in früheren Zeiten dafür büssen, dass sie den Durchschnitt überragten. Hier einige Beispiele.

Bürgermeister Hans Waldmann

Einer der Haudegen der damaligen militärischen Grossmacht Eidgenossenschaft, der Ritter und Freiherr von Dübelstein Hans Waldmann wurde 1435 in Blickensdorf (heute Kanton Zug) geboren. Er zog nach Zürich, die Stadt, die zwischen aufstrebender Eidgenossenschaft und ihrer Bündnistreue zu den Habsburgern schwankte. Patrizier und Zünfte stritten um die Macht. Als Offizier nahm er an mehreren Feldzügen teil, so auch an allen drei Burgunder-Zügen. In Murten, Grandson und Nancy war er als Feldherr der Zürcher massgebend an den militärischen Erfolgen der Eidgenossen beteiligt. 1482 wurde Waldmann zum Bürgermeister gewählt, zusammen mit zwei anderen Zunftmeistern regierte er Stadt und Land.

Die Eidgenossenschaft sollte sich nach dem Sieg über Karl den Kühnen nachhaltig verändern. Habgier entzweite die Landsknechte, keiner wollte dem andern seine Beute gönnen. Gold, prächtige Schätze wie Truhen, Schatullen und Schmuck sowie der „Harem“ des Burgunderfürsten wurden aufgeteilt und sorgten nach der Rückkehr vom Schlachtfeld auch innerhalb der Familien für Zank und Hader. Selbst in Zürich hatte Hans Waldmann nicht nur Freunde. Da waren viele, unter anderen auch einer seiner Mit-Bürgermeister, die ihm die Macht neideten. Da waren alte Rechnungen mit den Habsburgern offen, und die Fürsten, die Landsknechte aus der Schweiz „gepachtet“ hatten, köderten die einfache Landbevölkerung als „Kanonenfutter“, indem sie den Patriziern grosse Kommissionen bezahlten.

Hans Waldmann war als Schweizer Heerführer Gesandter der Eidgenossenschaft und verhandelte mit Königen und Kaisern auf Augenhöhe. Nach dem Sieg über die Burgunder setzte er sich für Wohltätigkeit zugunsten der unterlegenen Bevölkerung ein. Er versuchte, mit dem alten Erbfeind Habsburg zu einer Einigung zu kommen. Aus seiner Einsicht in die Ungerechtigkeit der Kriege insbesondere für die Opfer und Krüppel unter den Söldnern, setzte er sich gegen Ende seines Lebens vehement gegen die Reisläuferei ein. 1498 wurde Waldmann gefangen genommen, drei Tage lang gefoltert und schliesslich zum Tod durch das Schwert verurteilt. Das Urteil wurde zum Ärger der anderen eidgenössischen Stände, die den ehemaligen Heerführer gern befragt hatten, sofort vollstreckt.

Rudolf Brun, Kardinal Schiner, Rudolf Wettstein

Rudolf Brun (1290 bis 1360) war erster Zürcher Bürgermeister. Er schuf die Regierungsfähigkeit der Zünfte und beschränkte die Privilegien der Patrizier. Die Zunftverfassung ist sein Werk, aussenpolitisch bemühte er sich um einen Ausgleich mit den Habsburgern. Rudolf Brun starb 1360 unter mysteriösen Umständen. Beerdigt wurde er zusammen mit seinem Koch, was zu Gerüchten führte, er sei von diesem vergiftet worden.

Matthäus Schiner, Sohn  einfacher Bauersleute (1465 bis 1522), wurde nach siegreichen Feldzügen an der Seite des Papstes zum Bischof von Sitten erkoren. Er schuf aus dem reinen Agrarland einen Stand der Eidgenossenschaft, der Ansehen genoss mitten in Europa. 1515, nach zwei erfolgreichen Schlachten gegen die Franzosen, führte Schiner die Schweizer in die verheerende Niederlage von Marignano. Sein Nachfolger verjagte ihn aus dem Wallis, doch Schiner wurde zum Kardinal und päpstlichen Legat geweiht. Bei der Papstwahl von 1522 galt er als Favorit unter den Papabiles, doch scheiterte er an der Mehrheit der französischen Kardinäle, So verflog die Chance, je einen schweizerischen Papst zu haben. – Schiner starb noch im selben Jahr in Rom an der Pest

Rudolf Wettstein (1594-1666), ein Zuwanderer aus Zürich, wurde in Basel zum Bürgermeister erkoren. Ohne eigentliches Mandat der Eidgenossenschaft begab er sich nach Münster an den Kongress der Siegerstaaten im Dreissigjährigen Krieg. Bei zähen Verhandlungen während der Jahre 1646/47 gelang es Wettstein, die Eidgenossenschaft aus dem Römischen Reich deutscher Nationen herauszulösen. Erst seit 1647 ist die Schweiz ein eigenständiges Staatsgebilde, das zudem die Neutralität zur Staatsmaxime erkor. – Wettstein galt bereits seinen Zeitgenossen als „Schweizer König“, erfuhr aber in seiner Heimat nie die Achtung, die ihm eigentlich gebührte. Erst viel später ehrte ihn die Stadt Basel mit einer Brücke über den Rhein, die seinen Namen trägt.

Henry Dunant, Schöpfer des Roten Kreuzes

Henry Dunant (1828 bis 1910) war Kaufmann in Genf. Auf einer Geschäftsreise nach Italien geriet er 1859 nach der Schlacht von Solferino auf das Schlachtfeld, wo er sich um die Sterbenden und Verwundeten kümmerte. Seine „Erinnerungen an Solferino“ führten zur Gründung des Intenationalen Roten Kreuzes. Zusammen mit namhaften Genfern wie Henry Dufour (Tagsatzungs-General im Bürgerkrieg 1847) wurde er ins Komitee des Roten Kreuzes gewählt, verlor aber seinen Posten und seine Ehre wegen eines „betrügerischen Konkurses“ seiner Firma in Marokko. Tatsächlich hatte er sich wegen seiner Tatkraft für die Gründung des Roten Kreuzes zu wenig um das Geschehen in der französischen Kolonie gekümmert. Obwohl der französische Kaiser Napoleon III. die Hälfte seiner Schulden zu übernehmen versprach, wenn seine Freunde die andre Hälfte garantierten, wurde ihm in seiner Heimatstadt das Leben zur Hölle gemacht. In der Rotkreuz-Bewegung geriet er immer mehr in Vergessenheit. Er musste Genf verlassen und fand schliesslich in grösster Armut im appenzellischen Heiden eine letzte Heimstätte.

Im Jahr 1901 erhielt Dunant trotz aller Querelen für die Gründung des Roten Kreuzes und die Initiierung der Genfer Konvention den erstmals verliehenen Friedensnobelpreis. Sein Anteil betrug  104 000 Franken, die zum Schutz vor den Gläubigern in einer norwegischen Bank deponiert wurden. Henry Dunant tastete dieses Geld Zeit seines Lebens nie an.

Er starb verbittert und allein gelassen 1910. Der ehemals gläubige Calvinist hatte längst jeder Kirche abgeschworen und bat, ihn zu begraben „wie einen Hund, ohne eine einzige von euern Zeremonien, die ich nicht anerkenne. Ich rechne auf eure Güte zuversichtlich, über meinen letzten irdischen Wunsch zu wachen.“ Dunant schloss: „Ich bin ein Jünger Christi wie im ersten Jahrhundert und sonst nichts.“

 

Kommentare

Bild des Benutzers Rotbart

Hildebrand

Neuer Skandal mit Insiderwissen:

Die Frau von Thomas Bucheli soll sich einen Tag vor dem Schneefall neue Winterreifen gekauft haben! ;-)

Bild des Benutzers erizo

Reinigen oder weichmachen?

 

Nun ja hier wird ein Waschmittel genannt.

Naturfreunde vermuten aber  gesundheitliche Risiken wenn Weichmacher darin enthalten sind .                                          

 

Bild des Benutzers jipégé

Jetzt ...

... hast Du mich aber sehr positiv überrascht, Andreas !

Jean-Pierre

Bild des Benutzers Andreas Kühner

Danke Bernhard

Dein wohltuender Essay ist für mich der Aufsteller des Tages.

Ich würde wahrscheinlich den Ex-Hedgefonds-Manager Hildebrand nicht unbedingt mit Henri Dunant vergleichen, aber sicher auch mit Waldmann. Dennoch verdient er für das, was er zu Gunsten unseres Landes in kurzer Zeit erreicht hat, weil er eben die Beziehungen und das Wissen und seine hohen intelektuellen Fähigkeiten für seine Aufgabe in der NB eingestzt hat, Respekt.

Und vor allem verdient er die Toleranz gegenüber seinen menschlichen Fehlern, die auch jeder seiner Kritiker für sich beansprucht.

Die Selbstlosigkeit in privaten finanziellen Angelegenheiten, die Lauterkeit in seinem Tun einzig und allein für die eidgnössische Wohlfahrt, wie sie sein Gegenspieler Halbgott Christoph als seine Aufgabe posaunt, dürfen weder Köppels noch Andere von wem weiss auch immer verlangen, denn unser Land verträgt keine weiteren Halbgötter, auch nicht unter den Journalisten.

P.S. Ich freue mich schon auf die Gegenreden von all denen, welche reinen Herzens sind und in Persil gewaschen dem Herrn Hildebrand alles Schlechte nachreden.

Ohren können das Gute hören, Augen das Schöne sehen, wenn das Hirn dies zulässt