Gesellschaft

 Die Schweiz im Internet

Die Schweiz im Internet

SRG und Schweizer Verleger im Zwist um die Zukunft

Zur Zeit findet ein Tauziehen zwischen der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft SRG ideé suisse und den Schweizer Zeitungsverlegern statt. Der Streitapfel: das Internet. Darf die SRG mit Gebührengeldern ihre eingeleitete Onlinestrategie fortsetzen, die ihr auch in Zukunft die nationale Existenzsicherung garantiert, oder hat sie das Feld der Schweizer Presse zu überlassen? Hat sie sich als das nationale Radio- und Fernsehunternehmen zu bescheiden, sodass die Schweizer Verleger ihrerseits an eine blühende Zukunft glauben können, respektive ihre Printprodukte rüber ins Onlinezeitalter retten können, indem sie eine Konzeption entwickeln und verfolgen, die auf beiden Verbreitungskanälen die Weiterexistenz ihrer Produkte sichert? Eines ist klar: Ohne Onlinepräsenz ist die Zukunft beider infrage gestellt. Zwar orakeln noch viele Zeitgenossen, dass das sinnliche Zeitungslesen noch weit in der Zukunft ein bindendes Ferment hergibt, das das Überleben der altehrwürdigen Zeitung garantiert. Und eines ist unumstösslich: Die Ablösung der gedruckten Zeitung wird nicht so schnell erfolgen, wie viele Zukunftsforscher weissagten. Die Umstellung wird weit länger dauern, als erwartet worden war. Aber gewiss ist auch, dass die technologische Entwicklung die gedruckte Presse in irgendeiner Form, irgendeiner Oneline-Art ersetzen wird. Offen ist lediglich wie. Das ePad ist ein Vorbote, subtilere, zeitungsnähere Möglichkeiten werden folgen.

Kann man es den Verantwortlichen der SRG versagen, dass sie in der Onlineentwicklung freie Bahn reklamieren? Kann man es den Verlegern verargen, dass sie das Internet für sich allein in Anspruch nehmen wollen, weil sie die Entwicklung ihrer Plattformen mit eigenem Geld, im Gegensatz zur SRG, finanzieren müssen? Am jährlichen Dreikönigstreffen der Schweizer Medien bezogen beide ihre Positionen. Der Präsident der Zeitungsverleger, Hanspeter Lebrument, hob den Warnfinger, der neue Präsident der SRG, Raymond Loretan, verwies beredt auf die staatspolitischen Werte der Schweiz hin und auf die Rolle, die die SRG bei diesen Werten zu spielen hat, die Förderung des nationalen Zusammenhangs nämlich. Jetzt arbeitet mal eine gemeinsame Arbeitsgruppe an einem gemeinsamen Konzept. Sie lotet aus, was wer, wie, und warum auf dem Internet künftig machen und vor allem an Werbung anbieten darf. Und der Bundesrat? Er schaut aufs Erste zu, hat den beiden mitgeteilt, dass sie sich zu einigen hätten. Dann will er festlegen, wie die Internet-Zukunft in der Schweiz zu regeln ist. Ein freundeidgenössisches Vorgehen, mit dem Ziel, einen freundeidgenössischen Kompromiss zu finden.

Nur: In der Zwischenzeit schreitet die Entwicklung voran. Mit dem neuen Netmetrix-Verfahren wissen wir jetzt aber, dass die Nutzerzahlen nicht so toll sind, dass die Schweizer Medien es schwer haben werden. Nicht deshalb, weil in der Schweiz die Internetaffinität der Menschen zu klein ist. Im Gegenteil: Die Schweiz besetzt einen Spitzenplatz. Der Grund ist weit einfacher. Unser Land ist schlicht zu klein und das Potenzial der Nutzer zu gering, um den finanziellen Aufwand der Internetplattform der Medien, wollen sie umfassend und ansprechend sein, mit Werbeeinnahmen decken zu können. Deshalb suchen die Verleger nach Geschäftsmodellen, um mindestens einen Teil ihre Angebote kostenpflichtig machen zu können. Oder andersrum: Sie müssen sich vernetzen, sie müssen Grenzen sprengen, das deutschsprachige Europa ins Auge fassen. 100 Millionen Deutschsprachige in Europa sind mehr als 6 Millionen Deutschschweizer. Doch die Nutzer wollen neben der Weltpolitik, neben der weltweiten Wirtschaftspolitik, dem Sport, der Kultur, auch informiert werden über die Schweiz, den eigenen Kanton, die Stadt, das Dorf, eben über das Naheliegende, das Alltäglich. Da öffnet sich ein Spagat der Ansprüche, der nur schwer zu überbrücken ist oder nur mit viel Geld überwunden werden kann.

Die Schweizer Medien stehen vor einer schwierigen Zukunft. Die Verleger, aber auch die SRG, setzen sich zumindest engagiert damit auseinander. Können sie aber die Scheuklappen ablegen, die sie bis jetzt an einer gemeinsamen Konzeption hindert, können sie den Blick für die Zukunft öffnen? Zu wünschen wäre es ihnen. Was für die Zeitungsverleger gilt, hat auch für www.seniorweb.ch Bedeutung. Was uns aber stark macht, ist die Freiwilligenarbeit. Wir haben eine Chance, weil so viele engagiert, vor allem freiwillig, mittun und so die Kosten nicht explodieren.

 

Kommentare

Bild des Benutzers Willi Kempf

Wieder mal die SVP

Ich habe den Kommentar von Günther zu Anton Schallers Kolumne über den Medienstreit bezüglich Internet gelesen und muss ihm in fast allen Punkten recht geben.

Es ist schon erstaunlich, dass die SVP mit fiesen Tricks versucht, eine ihrer wichtigsten Plattformen abzuschiessen. Wenn man sich nämlich einmal vergegenwärtigt, wieviel die SVP im Fernsehen zu Worte kommt (in jeder Arena steht ein SVP-Vertreter im inneren Ring und 2 SVPler im äusseren Ring) ganz im Gegensatz zu teilweise ebenfalls wählerstarken anderen Parteien, dann kann ich mir nur schwer vorstellen, dass die SVP sich sozusagen selbst abschiessen will, aber offenbar tut sie es.

Ich bin gespannt auf die nächsten Wahlen, seien sie kantonal oder eidgenössisch. Es würde mich nicht wundern, wenn die Stimmbürger langsam aber sicher Abstand nehmen wollen von den Wildwest-Methoden der SVP. Allerdings haben sich diese Methoden nach den letzten Wahlverlusten noch verstärkt, so dass zu befürchten ist, dass die SVP sich ein neues Motto gibt: Wenn es nicht über den Wahlzettel geht, dann halt mit Tricks, Indiskretionen, Kauf von unliebsamen Firmen und Institutionen, und so weiter. Mit unseren zwar vielen, aber in vielen Bereichen viel zu laschen Gesetzen ist alles möglich. Und: GELD REGIERT DIE WELT. Wer das noch nicht begriffen hat, tut mir leid.

Eine Bemerkung noch: Günther sagt, das Internet sei der Werbe-Markt von morgen. Das stimmt meiner Meinung nach nicht! Das Internet ist bereits der Werbe-Markt von heute und wird es auch bleiben. Wer sich beispielsweise die immer gleichen blöden Werbespots zur besten Sendezeit im Schweizer Fersehen ansehen muss (mitten im Sport, mitten in den Spielfilmen) dem werden die Spots im Internet sogar langsam sympathisch.

Angriff auf die SRG

Hinter dem Angriff auf die SRG stehen die gleichen Kräfte, für die der Bundesrat die «sieben Gartenzwerge» sind, der Ständerat die «Dunkelkammer» und der Ex-Nationalbankpräsident Philipp Hildebrand ein «Gauner».

Die Strategie dieser Kräfte ist einfach und logisch.

Das Internet ist der Werbemarkt von morgen. Fehlen der SRG diese Werbeeinnahmen, wird sie nur noch auf die Fernsehgebühren angewiesen sein.

Die Gebühreneinnahmen werden aber nicht reichen, um international konkurrenzfähige TV-Programme in den drei Landessprachen zu finanzieren.

Senkt man jetzt noch die Fernsehgebühren von 462 auf 200 Franken, wie das in der Online-Petition der SVP-Nationalrätin Natalie Rickli verlangt wird, dann gute Nacht SRG.

Eine politisch unabhängige und glaubwürdige Institution weniger in der Schweiz.

Schon lange versuchen verschiedene Exponenten der SVP medial an Einfluss zu gewinnen, wie z.B. mit der «Basler Zeitung»und dem wöchentlichen Internet-TV-Format «Teleblocher». Es gibt noch diverse andere Beispiele.

Das der Generaldirektor der SRG Roger de Weck als europafreundliche Persönlichkeit genauso auf der Abschussliste der SVP steht, wie die Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf, ist ja allgemein bekannt.