Gesellschaft

Eine moderne Flugwaffe ist nötig

Eine moderne Flugwaffe ist nötig

Warum die Schweiz einen neuen Kampfjet braucht

Es ist an sich paradox. Was die Schweiz braucht, ist nicht eine starke Infanteriearmee, wie sie die SVP will oder ihr zumindest nachtrauert, sondern eine starke Flugwaffe. Schlicht: ein neues, modernes Kampfflugzeug, das den Luftraum über unserem Land auch tatsächlich zu schützen in der Lage ist. Wenn wir die sicherheitspolitische Lage nüchtern analysieren, ist ein grosser Panzerangriff aus dem Osten sehr unwahrscheinlich geworden, ein Infanteriestoss nicht denkbar, wie und durch wen auch immer. Unsere Verteidigungsarmee, immer noch schwergewichtig infanteristisch geschult im Kampf der verbundenen Waffen, ist schlicht obsolet geworden.

Der 11. September 2001 führte uns mit aller Deutlichkeit vor Augen, dass die Bedrohung aus der Luft militärisch, wie asymmetrisch, auch terroristisch am grössten ist. Selbst die Grossmacht USA war damals nicht in der Lage, die Gefahr eines koordinierten terroristischen Angriffs aus der Luft nachrichtendienstlich zu erkennen. Und als die entführten Verkehrsflugzeuge im Anflug waren, gelang es der ständig operierenden Luftpolizei nicht, die Maschinen noch rechtzeitig abzufangen, bevor sie ihr Unheil in New York und in Washington anrichteten. Die Folge: Der damalige amerikanische Präsident Bush erklärte den Terroristen den Krieg. In Afghanistan sollte ausgetrocknet werden, was die USA gefährdete: das Terrornetz um Osama Bin Laden. Noch immer ist der Krieg in Afghanistan nicht beendet, noch immer wird um einen Abzug gerungen, noch immer ist das Land nicht befreit von den Taliban, obwohl es den USA gelang, Bin Laden ausser Gefecht zu setzen.

Beinahe unter Ausschluss der Öffentlichkeit kam es während des World Economic Forums in Davos zu einem Luftzwischenfall, der ins Auge hätte gehen können. Der Jet eines russischen Oligarchen drang unangemeldet in den wegen des Forums gesperrten Luftraum ein und musste von der Schweizerischen Luftpolizei aus der speziell gesicherten Zone in freie Sphären dirigiert werden. Die Schweizer Luftwaffe war also bereit.

Natürlich könnte die Schweiz diese Luftpolizei-Aufgaben den umliegenden Ländern übertragen, der NATO. Frankreich, Deutschland und Italien wären zweifellos in der Lage, auch unseren Luftraum zu schützen. Die Distanzen sind so klein, ein Überschall-Kampfjet überfliegt unser Land in Minuten und nicht in Stunden. Das bedeutete aber, dass wir unsere immerwährende Neutralität, unsere Unabhängigkeit aufgeben würden, unsere Sicherheit delegierten. Wollen wir aber selbstständig und Herr der Lage bleiben, muss unsere Luftpolizei auf Augenhöhe mit den Flugwaffen der umliegenden Länder bleiben.

Das können wir nur, wenn wir die Luftwaffe immer wieder den Konzepten und den Kampfjet-Typen der umliegenden NATO-Länder anpassen. Schon deshalb wäre der französische Rafael dem schwedischen Gripen vorzuziehen, signalisieren doch die Franzosen, ein vergleichbares Angebot wie die schwedischen Hersteller zu machen. Und nicht nur das: Wenn wir nachrichtendienstlich jederzeit rechtzeitig vorgewarnt bleiben wollen, müssen wir auch mit den Geheimdiensten der umliegenden Länder kooperieren. Ironie des Schicksals: Wollen wir sicherheitspolitisch ein taugliches Instrument, also eine Armee haben, brauchen wir ein modernes Kampfflugzeug, das den luftpolizeilichen Aufgaben genügt und sich in das Sicherheitskonzept Europas einzugliedern vermag. Und wir brauchen einen Nachrichtendienst, der kooperiert, aber dazu fachlich auch in der Lage ist.

Wir brauchen also nicht mehr eine Verteidigungsarmee, die infanteristisch geprägt ist, sondern eine Armee, die auf die neuen, die sicherheitspolitisch relevanten Gefahren ausgerichtet ist.

Der Bundesrat will nun einen neuen Kampfjet kaufen, dazu müssen alle Departemente massiv sparen. Die Armee soll mit 5 Mia. CHF beinahe 1 Mia. pro Jahr mehr erhalten. Dies wird aber nicht nötig sein, wenn die Armee massiv reformiert, die heutige Verteidigungsarmee stark gestrafft wird. Eine kleine, gut ausgerüstete Raumverteidigungsarmee mit einer modernisierten Luftwaffe und einem agilen, kenntnisreichen Nachrichtendienst ist nämlich für 4 Mia. CHF zu haben.

 

Kommentare

Bild des Benutzers Roberto Binswanger

Geringes Interesse am Thema

Dass -ohne diesen Beitrag-  die Kolumne von Anton Schaller nur gerade 10 mal kommentiert wurde, zeugt von einem geringen Interesse an Kolumnen. Das gleiche Thema in der Arena, da wären die Fetzen geflogen, und es wäre nicht bei 10 Wortmeldungen geblieben. Meine Frage deshalb : Weshalb nicht eine Kolumne mit einem Forenthema (Arena) verbinden und verlinken?

Bild des Benutzers jipégé

OK, wenn das so sein soll, aber ...

... dann soll sich in Zukunft die Gilde der Artikel- und Blog-Schreiber nicht mehr über mangelndes Echo und Interesse beklagen.

Jean-Pierre

Bild des Benutzers al41wirth

jipégé: Schade

Was ist eigentlich ein Blog? Wikipedia erläutert treffend: "Das Blog bildet ein für Autor und Leser einfach zu handhabendes Medium zur Darstellung von Aspekten des eigenen Lebens und von Meinungen zu spezifischen Themen. Meist sind aber auch Kommentare oder Diskussionen der Leser über einen Artikel zulässig."

Die Beiträge von Anton Schaller dienen der Meinungsbildung. Und das Ziel wird - wie die Kommentar zeigen - oft erreicht. A. Schaller kann sich Kommentare zu den Kommentaren ersparen und sich darüber freuen, dass die von ihm dargestellten Aspekte so viel Zustimmung und/oder Ablehnung finden.

 

Albert Wirth
Bild des Benutzers jipégé

Schade !

Viele Autoren von Artikeln und Blogs beklagen sich darüber, dass sie auf ihre Werke kein Echo erfahren und überhaupt nicht wissen, ob sie gelesen werden. Anton Schaller gehört offensichtlich nicht zu dieser Kategorie, leider ! Denn ich finde es schade, dass er auf die Reaktionen der Leser nicht reagiert oder eingeht.

Jean-Pierre

Bild des Benutzers jipégé

und bitte, bleiben Sie dabei sachlich, denn...

... das war's nicht wirklich !

"Heute gehört es bei den Medien fast zum guten Ton, irgendwelchen Unsinn über unsere Milizarmee zu verbreiten, und im neuen Parlament muss man Sicherheitspolitiker, die diesen Namen auch verdienen, fast mit der Lupe suchen."

Jean-Pierre

Bild des Benutzers Roberto Binswanger

Nachvollziehbare Fakten ud Argumente bitte!

Ja Herr Ernst, dann bringen Sie bitte nachvollziehbare Fakten und Argumente! Wollen Sie Terrorismus, organisierte Kriminalität, Cyber-Attacken, Umweltkatastrophen mit der Flugwaffe bekämpfen? Oder wichtige Infrastrukturanlagen (AKW usw.) mit Hochleistungsflugzeugen beschützen (Objektschutz)?

Unser Land ist umgeben von Partnern, nicht von Feinden. Wollen Sie, Herr Ernst, die neuen Flugzeuge gegen Flüchtlingsströme aus Afrika einsetzen? Oder allenfalls gegen den  bösen Herr Putin aus Russland?

 

Bild des Benutzers mhernst

Eine moderne Flugwaffe ist nötig

Der Beitrag von Anton Schaller ist ein vernünftiger Beitrag in einer Armeediskussion, die sachlich geführt werden sollte. Auch der "Armee 61" gingen jahrelange, heftige Diskussionen voraus, die aber schlussendlich in einen breit abgestützten Kompromiss mündeten, der bis 1995 Bestand hatte. Heute gehört es bei den Medien fast zum guten Ton, irgendwelchen Unsinn über unsere Milizarmee zu verbreiten, und im neuen Parlament muss man Sicherheitspolitiker, die diesen Namen auch verdienen, fast mit der Lupe suchen.

Bild des Benutzers erizo

Warum die Schweiz keinen neuen Kampfjet braucht

Ein Land welches seine Grenzen weit offen hat und nicht mehr selbst bestimmen kann wer einreisen kann braucht keinen neuen Kampfjet.Selbstständig sind wir nicht mehr auf allen Gebieten.Wer die Probleme am Boden nicht sehen will schaut natürlich in den Himmel.Dabei sind auch bei uns genügend Probleme vorhanden und die Zukunft wird noch mehr davon bringen.Mit dem eingesparten Geld könnte vieles in Angriff genommen werden, auch ohne neue Kampfjets.Die Innere Sicherheit kann aus der Luft nicht gewährleistet werden.

  

Bild des Benutzers Roberto Binswanger

Gut gebrüllt Löwe (Jean-Pierre)

Jean-Pierre, ich bin zu 100% einverstanden mit Deinen Argumenten. Gerade das von Anton Schaller aufgeführte Beispiel von 9/11 ist der schlagendste Beweis dafür, dass auch eine Top-Luftwaffe gegen solche Attentate nichts auszurichten vermag und dass wir deshalb getrost auf neue Kampfflugzeuge verzichten können.

Was es braucht: Einen effizienten Nachrichtendienst und eine gute Zusammenarbeit mit den Nachrichtendiensten unserer Nachbarländer. Das eingesparte Geld schieben wir in die Bildung rüber, zusammen mit dem Geld, das wir mit einem effizienteren Asylwesen einsparen können.

 

Bild des Benutzers ricky

Wo ist dann der Feind eigentlich Anton?

Wozu neue Kampfjets denn der Feind ist schon infiltriert und es kommen immer noch mehr!

Es sieht eher danach aus dass sich verschiedene Religionen Zukünftig bekriegen anstatt Nationen. Da behauptet der Chef wir haben die beste Armee der Welt, weiss aber nicht wer der Feind eigentlich ist. Anstatt eine richtige Raketenabwehr, kaufen wir lieber nochmals Kampfjets um was zu bombardieren? Kommt mir fast so vor wie die Amerikaner welche behaupten das nach der Intervention in Irak die Welt ein Stück sicherer geworden ist :-(

Ich bin für die Kavallerie, wenn sie veraltet ist bleibt im Not wenigstens noch einen Pferdesteak :-)

Bild des Benutzers jipégé

sie schreiben völlig richtig :

"Selbst die Grossmacht USA war damals nicht in der Lage, die Gefahr eines koordinierten terroristischen Angriffs aus der Luft nachrichtendienstlich zu erkennen. Und als die entführten Verkehrsflugzeuge im Anflug waren, gelang es der ständig operierenden Luftpolizei nicht, die Maschinen noch rechtzeitig abzufangen, bevor sie ihr Unheil in New York und in Washington anrichteten."

und

"Noch immer ist der Krieg in Afghanistan nicht beendet, noch immer wird um einen Abzug gerungen, noch immer ist das Land nicht befreit von den Taliban, obwohl es den USA gelang, Bin Laden ausser Gefecht zu setzen."

schliessen aber trotzdem daraus, dass die Schweiz neue Flugis brauchen.

Das bedeutet, dass wir, in Ihren Augen, mit diesen Dingern alles besser machen könnten, als es die Amis konnten - ausgerechnet besser als jene, die in der Entwicklung dieser Waffen weit weit voraus sind.

Wir haben eine Armee (die sogenannt "Beste" der Welt) und wissen eigentlich gar nicht, welchen Auftrag wir ihr geben könnten - auch deren Chef war nicht fähig, klar zu formulieren, was er mit seiner Truppe machen sollte. Aber das ist alles egal, sie braucht nun ein neues Spielzeug, da sie schon sooo lange auf etwas Neues warten musste. Auch das Transport-Flugi wurde ihr gestrichen, denn niemand wusste, wozu so'n Ding nötig sein könnte.

Dann bringen Sie als Beipiel genau das, was ich anderweitig schon schrieb : Der einzige Grund für solche Milliarden-Spielzeuge ist das WEF, ein völlig überflüssiger, sinnloser und aufgeblasener Privatzirkus, für dessen Schutz Unsummen an Steuereinnahmen verbraten werden.

Und für diese neuen VBS-Spielzeuge sollen die Mittel u.a. bei der Bildung geholt werden !! Eigentlich könnte man dies "das eigene Grab schaufeln" nennen, denn womit wurde die Schweiz reich ? nur dank den gut ausgebildeten Bewohnern, der "matière grise" !

Jean-Pierre