Die Reise beginnt in der Gletscherhöhle. Die in bläulichem Licht
schimmernde Eiswand ist die erste Station auf dem Weg entlang dem Rhein
von seinem Ursprung in den Bündner Alpen bis hin zur Mündung in die
Nordsee. Kühle Temperaturen empfangen die Besucherinnen und Besucher.
Man hört Wasser rauschen. Ein Gebirgsbach sucht sich seinen Weg über
Steine und Felsen. Kleine Föhren, Farne und totes Holz deuten die
Kargheit der Landschaft an. In einem Becken schwimmen Elritzen, Groppen
und Bachforellen.
Der Rundgang folgt dem noch jungen Rhein bis
zur Mündung in den Bodensee, den zweitgrössten See Europas im
Dreiländereck zwischen der Schweiz, Deutschland und Österreich. In
einem grossen Becken vor der Kulisse mit dem Konstanzer Stadtpanorama
tummeln sich Forellen, Saiblinge und Felchen, Karpfen und Brachsen.
Eine Reuse liegt auf dem Seeboden, Schilf steht am Ufer. Aus den
Lautsprechern tönt Wellenrauschen und Vogelzwitschern. In weiteren
Becken schwimmen Zander und Flussbarsch, Schleie, Wels oder Barbe.
Natürliche Lebensräume
Über eine Zeitreise zurück ins 16. Jahrhundert wird der
mittelalterliche Hafen von Rotterdam erreicht. Der Morgen bricht an.
Seemöwen kreischen. Man hört die Rufe der ausfahrenden Seeleute. In der
Ferne kreuzen Handelsschiffe. Öllampen erleuchten die Hausfassaden;
hinter einem Fenster diskutiert ein Paar. Über einen Flaschenzug wird
ein Sack Getreide an einem der Warenspeicher in die Höhe gezogen. Am
Kai sind Reusen, Fischnetze und Taue befestigt. Im Brackwasser
schwimmen Wolfsbarsch, Goldbrasse, Aal oder Meeräsche: Sie leben am Tor
zur Nordsee, wo Süss- und Salzwasser aufeinandertreffen.
Durch ein Schiffswrack hindurch erreicht man den nächsten Raum: Ein
grosses, rundes Becken stellt den Nordseegrund dar. Rochen und
Katzenhaie drehen darin ihre Runden; flache Flundern liegen halb
verborgen im Sand. Mit etwas Glück lässt sich auch ein Hai- oder ein
Rochenei entdecken.
Im Sea Life in Konstanz - wörtlich übersetzt mit «Meer-Leben» - sind
heimische Fische in ihrem jeweiligen Lebensraum zu sehen. Wandhohe
Kulissen von Bergen und Alpweiden, von Wehren und Schleusen, von Burgen
und Rebbergen, dazu dreidimensionale Nachbildungen von
unterschiedlichen Landschaftstypen und naturgetreu eingerichtete Becken
und Aquarien zeigen die Wasserbewohner in ihrer natürlichen Umgebung.
Fast alle Sinne kommen zum Zug
Der
Flossenweg, der durch die verschiedenen Ausstellungsräume führt, ist
auch für die Kinder ein Rätsel-, Spiel- und Lehrpfad: Ein Stück Haihaut
ist zum Anfassen da, durch eine Lupe sind Kleinstlebewesen im Wasser zu
beobachten, und in den Seegraswiesen hinter blasenförmigen
Bullaugenfenstern lassen sich auch Seenadeln und Seepferdchen
ausmachen. Ein Film über Haie und Rochen gibt Einblick in das Leben
dieser besonderen Meeresbewohner.
Hauptattraktion im Sea Life
aber ist das 320 000 Liter fassende Mittelmeeraquarium. Von mehreren
Fenstern aus und aus unterschiedlichen Perspektiven können hier
verschiedene Haie, Goldbrassen, Wolfsbarsche, Muränen, Stechrochen und
andere Mittelmeerfische beobachtet werden. Eindrucksvoll ist der Gang
durch den acht Meter langen gläsernen Tunnel, der quer durch das
Meerwasserbecken führt: Links und rechts und über den Köpfen der
Besucherinnen und Besucher ziehen die Fische ihre Kreise. Star ist
dabei die Schwarzspitzenriffhai-Dame Blacky, die vor drei Jahren in das
Mittelmeeraquarium umgesiedelt wurde.
Schutz für die Meerestiere
In seinen über vierzig Becken und Aquarien, die insgesamt etwa 660 000
Liter Wasser fassen, präsentiert das Sea Life mehr als 3000 europäische
Süss- und Salzwasserfische. Das Grossaquarium mit einer Fläche von 3000
Quadratmetern liegt direkt am Bodensee und ist vom Bahnhof Konstanz aus
in wenigen Minuten über eine Fussgängerbrücke zu erreichen. Eine
ansteigende Rampe führt vom Kinderspielplatz hinauf zum Eingang.
«Wartezeit eine Stunde» steht auf einem Schild unten an der Rampe. Es
lohnt sich, das Sea Life an einem Werktag und ausserhalb der
Ferienzeiten zu besuchen. Die Wartezeit kann sonst weit über eine
Stunde betragen.
Im gleichen Gebäude ist auch das
Bodensee-Naturmuseum der Stadt Konstanz untergebracht. Seine Sammlung
zeigt die Tier- und Pflanzenwelt der Bodenseeregion und informiert über
deren ökologische Zusammenhänge. Im Sea Life befinden sich auch ein
Souvenirladen und ein Restaurant mit einer grossen Terrasse. Zum See
hin offen bietet es den Besucherinnen und Besuchern die Aussicht auf
die Konstanzer Bucht, die Berge und die Weite des Obersees.
Sea Life arbeitet eng mit Umweltorganisationen zusammen und erfüllt
deren Kriterien: So dürfen nur heimische Tiere und solche aus den
angrenzenden Meeren in einer dem natürlichen Lebensraum nachgestalteten
Umgebung gezeigt werden. Meeressäuger, Exoten und vom Aussterben
bedrohte Arten werden keine gehalten. Besondere Aufmerksamkeit schenkt
Sea Life dem Schutz verschiedener Meerestiere, darunter dem Hai:
Während pro Jahr durchschnittlich dreissig Menschen von Haien tödlich
verletzt werden, jagen Menschen jeden Tag unzählige dieser besonderen
Fische. Eine Leuchttafel zählt unerbittlich vorwärts: 229 172 925 - so
viele Haie wurden seit Ausstellungsbeginn im Mai 1999 von Menschen
getötet.
Weitere Informationen
Sea Life,
Hafenstrasse 9, D-78462 Konstanz, Telefon 0049 (0) 7531 128 27 0, Fax
0049 (0) 7531 128 27 27, Internet www.sealife.de
Öffnungszeiten November bis April: Montag bis Freitag 10 bis 17 Uhr, Samstag, Sonn- und Feiertage bis 18 Uhr.
In den übrigen Monaten werktags bis 18 Uhr, im Sommer bis 19 Uhr.
Eintrittspreise: Senioren bezahlen ermässigten Eintritt: Euro 10.-.
Tipp: Während der Ferienzeiten und an den Wochenenden bilden sich vor
dem Sea Life oft lange Schlangen. Besuchen Sie das Grossaquarium
während der Wintermonate und unter der Woche.
Weitere Sea Life Center in Deutschland: Berlin, Dresden, Königswinter, München, Oberhausen, Speyer und Timmendorfer Strand.
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