Partnerschaft

Wann ist eine Frau gut im Bett?

Wann ist eine Frau gut im Bett?

Ein Mann zu einer Frage, die bewegt, weil das, was im Sex wirklich läuft, (nach neuesten Erhebungen) anders ist, als was wir uns vorstellen.

Harald Martenstein (Foto Christian Rohr)

Eine Frau ist, meiner Ansicht nach, dann gut im Bett, wenn sie dem Mann das Gefühl vermittelt, er selber sei gut im Bett.

Dieses Bewusstsein, gut oder sogar supergut zu sein, spornt den Mann unglaublich an. Es gibt ihm Selbstbewusstsein und versetzt ihn in eine solch lustbetonte Explosivstimmung, dass er am Ende womöglich tatsächlich zumindest beinahe so supergut ist, wie die Frau es ihm, anfangs, nur vorgespielt hat.

Man nennt dies "die sich selbst erfüllende" Prophezeiung".

Die Frage ist: Wie spielt eine Frau überzeugend, dass der Mann gut im Bett ist? In der Schauspielkunst kommt es auf die richtige Dosierung der Mittel an. Gute Schauspielerinnen können alles - alles! - ausdrücken, indem sie lediglich eine Augenbraue heben.  Allzu lautes Schreien dagegen, minutenlang gezogenes Stöhnen, Kratzen und Spucken macht Männer eher misstrauisch. Okay, denken sie, ich bin gut, aber dass ich so gut bin, kann ich mir irgendwie nicht vorstellen. Da stimmt doch was nicht.

Es ist wirklich nicht nötig, die grosse Show abzuziehen oder besonders originelle Dinge zu tun oder besonders aktiv zu sein. Es genügt den meisten Männern vollkommen, wenn sie den Eindruck haben, dass es ihrer Partnerin Spass macht. Die Lust der anderen Person ist überhaupt das wirksamste Aphrodisiakum. Diese einfache Wahrheit ist in den letzten Jahren verloren gegangen, finde ich, sie wird jetzt langsam wieder entdeckt. Es hat jahrelang immer geheissen, man soll auf keinen Fall egoistisch sein, man soll dieses und jenes für den Partner oder die Partnerin tun. Wenn man aber auf keinen Fall egoistisch sein darf und sich beherrschen soll, verliert man auch auf keinen Fall die Kontrolle, und guter Sex hat nun mal mit Ekstase zu tun. Totaler Altruismus ist genauso schädlich wie totaler Egoismus. Eine Frau, die gut im Bett sein will, darf nicht gehemmt sein, zum Beispiel von irgendwelchen Egoismus-Skrupeln. Wenn sie tut, wozu sie selber gerade Lust hat, tut sie auf jeden Fall das Richtige.

Es gibt allerdings ein paar Sachen, die Männer garantiert abtörnen.

Die Frau sollte niemals im Bett Vergleiche anstellen. Eine Dame aus W. sagte sinngemäss zu mir: "Das, was sie da gerade tun, konnte mein Ex-Freund Paul besser. Im Vergleich zu Michael, Basti und Konstantin schlagen sie sich aber recht gut." Jedem Mann wird in diesem Moment klar, dass auch seine eigene Performance vor den Ohren seiner Nachfolger verhandelt und gerichtet wird. Da ist sofort die Luft raus.

Genauso falsch ist es, im Bett über Beziehungsprobleme zu sprechen, so etwas tut man besser beim Abendessen. Es darf keine Vergangenheit und keine Zukunft geben, nur Gegenwart. Es sollte, sofern man sich nicht gerade in einem Swinger-Club aufhält, auch nur um die beiden beteiligten Personen gehen. Aus einem Grund, der mir nicht bekannt ist, liebte es B. aus S., im Bett über die Sexualität ihrer besten Freundin zu reden. Die beste Freundin hat also diesen Typen, den bekannten Arzt, du weisst schon, und der hat eine sonderbare Angewohnheit. In so einem Moment ahnt man als Mann, dass die beste Freundin ihrerseits Sachen von einem weiss, die man ihr garantiert nicht freiwillig erzählt hätte, und man beginnt, sich Gedanken zu machen. Wenn man sich aber Gedanken macht, ist das nicht gut für die Performance.

Oft wird gesagt, dass Männer gefühllose Sexmaschinen sind. Sie fahren auf jeden attraktiven Körper ab, und das Seelische ist ihnen nicht so wichtig. Ja, stimmt, manchmal ist das so. In ein paar Details funktionieren wir anders. Aber auch wir wollen geliebt werden, wirklich. Die sehr guten, unvergesslichen Sachen sind auch bei uns die, bei denen grosse Gefühle im Spiel sind, egal, wie es im Einzelnen abläuft und welche sexuelle Praktik Anwendung findet. Mit anderen Worten: Eine Fau ist dann wirklich gut im Bett, wenn ein Mann wirklich in sie verliebt ist. Das hab ich euch allen schon tausend Mal gesagt! Wer euch Frauen etwas Originelleres erzählt, will sich bloss wichtig machen.

Copyright: Harald Martenstein für annabelle.


 

Harald Martenstein ist Kolumnist bei der "Zeit" und Redaktor beim Berliner "Tagesspiegel". Sein neuer Roman "Heimweg" (Bertelsmann) erzählt, halb lustig, halb traurig, eine Liebesgeschichte in Deutschland der Fünfziger-, Sechzigerjahre.

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