Im Sommer warten die Wiesen rund um Ardez mit einer wahren Blumen- und Blütenpracht auf. Zur Freude von Touristen und Einheimischen und vieler Insekten, Eidechsen oder Schlangen.
Bald beginnen sie, die herrlichen Sommertage in den Bergen des Unterengadins. Dann lässt sich wieder wandern, baden, entdecken und einheimisches Essen geniessen.
Das Frühlingserwachen kam und ging wie im Fluge dieses Jahr und nun ist die Natur mitten drin sich zu entfalten. Sie bereitet sich für den Sommer vor. Wiesen und Berghänge rund um Ardez und dem weiteren Unterengadin wirken atemberaubend schön. Sie kleiden sich immer wieder neu, dem Monat, Wetter oder Tageslicht angepasst. Kaum hatte Mutter Erde die weisse Schneedecke weggezogen, sprossen massenweise Krokusse in zarten Farben hervor. Die Wiesen waren dicht bedeckt davon, soweit das Auge reichte: weisse, rosa und lilafarbene Wildkrokusse.
Doch schon nach ein paar Wochen, mit steigenden Temperaturen, wechselten dieselben Terrassenhänge ihre Kleider und schmückten sich mit leuchtend gelbem Löwenzahn. Gleich der Tarnung eines Chamäleons wechselten Wiesen ihre Farben. Erst grün, dann mit dem ersten Sonnenstrahl in verschiedene Gelbtöne, nur um sich gegen Abend wieder anz in grün zu präsentieren. Die Blüten öffneten und schlossen sich, Ta für Ta, bis dann letztlich nur noch federleichte und in weiss bekleidete Sämchen im Winde verwehten.
Drachenkopf, Feuerlilie oder Tragant
Und plötzlich sind sie da, die Sommerwiesen. Von der Wärme des Klimas begünstigt, verwandelt sich unsere Gegend von neuem in eine wahre Augenweide. Das Alphabet durchgehend, präsentieren sich Blumen, Kräuter und Gräser in einer einzigen Wiese, wetteifernd in Farben, Kräften und Grössen. Von der A-kelei bis zum Z-innkraut kann man alles sehen. Seltene Pflanzen verstecken sich noch immer irgendwo um Ardez herum und locken Experten aus allen Gegenden, um sie zu bewundern. Glücklicherweise wurden rechtzeitig einige dieser Blumenarten unter Naturschutz gestellt. So zum Beispiel der Österreicher Drachenkopf (Dracocephalum austriacum), die Feuerlilie (Lilium bulbiferum), Lienzer Tragant (Astragalus leontinus), Eiblättriges Bingelkraut (Mercurialis ovata) und die Alpen-Bescharte.
Darunter blühen Pflanzen, die ihre Heimat in der ungarischen Tiefebene haben, ja sogar an den Küsten des Schwarzen Meeres zuhause sind. Man wundert sich, wie diese hierher gelangen. Sie wandern ein, sagen Botaniker und die Zoologen unterstützen sie, denn auch Insekten und Tiere wandern. Es sind Grüsse aus dem warmen Klima des Ostens. An den heissen Steilhängen des Unterengadins finden wir so manch Seltenes, was von dorther gekommen ist wo der Inn hin will. Auch Arven und Lärchenbäume sollen während der Nacheiszeit aus dem warmen und trockenen Klima des Ostens und Südens hierher gelangt sein. Das Engadin ist einem kontinentalen Klima unterworfen: Heisse Sommer, kalte Winter und wenig Niederschläge, ein so genanntes inneralpines Trockental. Darum lieben die Pflanzen des Donauraumes unsere Gegend.
Kleine Welt unter jedem Stein
Ob Sie nun Botaniker, Herbologe, Sammler, Lehrer, Maler oder Dichter sind oder ob Sie ganz einfach Freude an der Natur haben, das Unterengadin schenkt jedem Menschen etwas. Allein in Ardez ibt es endlose Varianten von Wanderwegen, auf denen Sie seltene oder einfach schöne Pflanzen entdecken können. Beschenkt ist derjenige, welcher nicht nur die Berge beim Namen kennt, sondern auch die kleinen Wunder vor seinen Füssen sieht. Wer schon einmal einen Stein gedreht hat weiss, dass sich in diesem Augenblick ein Stück ganz kleine Welt eröffnet.
Oft blicken wir gespannt umher, darauf hoffend Reh, Gämse, Steinbock oder Murmeltier zu entdecken und achten kaum auf die vielen verschiedenen Arten von Insekten und Amphibien. Der soeben davon geschlichenen Schlange schenken wir ebenfalls keine Aufmerksamkeit. Es gibt etwa ein Dutzend Reptilienarten im Kanton Graubünden, einige davon im Unterengadin, wie die Kreuzotter und die Bergeidechse.
Unsere Ackerterrassen mit Steinmauern und Geröllhalden bieten ihnen einen idealen Lebensraum. Auch die besonders Wärme liebenden Heuschrecken, so etwa die Odlanschrecken und der Bunte Alpengrashüpfer, sind hier zu Hause.
In Feuchtgebieten des Unterengadins sind gar Amphibien zu sichten, doch soll deren Verbreitung noch nicht so gut belegt sein. Machen Sie mit. Melden Sie Amphibien- und Reptiliensichtungen im Unterengadin an die zuständigen Behörden.
Leider existieren auch Libellen auf der roten Liste, welche mit über 20 Arten von wunderschönen, Feen artigen und in allen Farben durchsichtig glänzenden Geschöpfen verzeichnet sind. Sie sind markiert als potenziell gefährdet, gefährdet oder gar vom Aussterben bedroht. Viele Schmetterlingsarten lieben unsere warmen Hänge, Wiesen und Blumen. Die Farbpalette dieser zierlichen Kreaturen besitzt sämtliche Nuancen.
Das Biotop hinter der Burg Steinsberg in Ardez ist eine wahre Fundgrube, so wie auch die kleinen Bergseen, welche Sie auf Ihren Wanderungen antreffen. Oberhalb Ardez, hinauf über Munt, nordwestlich zwischen Maranuns und der Chamanna Cler, sind zwei davon, der Lai Raduond und Lai Lung. Setzen Sie sich in aller Ruhe hin und ergeben Sie sich dem Spiel einer traumhaft schönen Natur in der Wärme des Sommerklimas.
Viel verschiedene Fledermäuse
Letztlich, jedoch nicht weniger wichtig oder interessant, sind die Fledermäuse.
Wussten Sie, dass der Kanton Graubünden bisher 24 der 30 in der Schweiz vorkommenden Fledermausarten (2 sind ausgestorben) nachweisen konnte? Fledermäuse sind gesamtschweizerisch geschützt. Sie gehören zu den Säugetieren.
Mit den echten Mäusen (Nagetiere, Rodential) sind sie nicht verwandt. Sie besitzen auch keine Nagezähne und verursachen keine Schäden. Sie sind Insektenfresser und jagen in einem von ihnen ausgewählten Revier von der frühen Dämmerung bis zum Morgengrauen.
Sollten Sie auf dem Dachstock eines Engadinerhauses oder Kirchturms Fledermäuse entdecken, stören Sie sie bitte nicht. Sie sind sehr scheu, zierlich und zerbrechlich. Melden Sie den Fund.
Liebe Leserinnen und Leser, geniessen Sie den Sommer im Unterengadin. Sammeln Sie Erinnerungen aus der herrlichen Umgebung und nehmen Sie sie mit in Ihren Alltag.
Informationsquellen
Terra Ladina, Hermann Hiltbrunner und Michael Wolgensinger; Pflanzenschutzgebiete im Kanton Graubünden; Fledermäuse im Kanton Graubünden.
Meldestellen
info@anu.gr.ch
www.umwelt-gr.ch
www.fledermausschutz.ch
(Mit freundlicher Genehmigung der Geschäftsleitung Ardez Turissem)
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