Arbeit

Wissen und Erfahrung werden nie pensioniert

Wissen und Erfahrung werden nie pensioniert

Neva Bernasconi und Fritz Zimmermann wollen auch nach der Pensionierung ihre über Jahrzehnte angesammelten beruflichen Kenntnisse und ihr Wissen weitergeben. Sie sind für Adlatus tätig, das «Netzwerk von Erfahrung und Kompetenz». 

 

Ein Leben ohne berufliches Engagement konnte sich Neva Bernasconi nicht vorstellen. Zu sehr hatte sich die Geschäftsführerin von SOS-Kinderdorf mit ihrer Arbeit identifiziert, hatte den Schweizer Verein des internationalen Kinderhilfswerks ausgebaut, war um die ganze Welt gereist und hatte dabei jahrzehntelang Wissen und Erfahrung gesammelt. Von einem Tag auf den anderen sollte sie sich nun aus dem Berufsleben zurückziehen: «Dabei machte ich meine Arbeit bis zuletzt einfach gern.»

Ein kleiner Trost war Maxli, ihr Grosskind, das kurz vor ihrer Pensionierung auf die Welt gekommen war. Von Anfang an übernahm sie einen Tag in der Woche seine Betreuung. Und realisierte gleichzeitig ihr grosses Bedürfnis, all das, was sie im Lauf ihres Berufslebens gelernt hatte, auch weiterhin anzuwenden: «Es gibt mir einfach eine Befriedigung, wenn ich Probleme lösen kann.» Durch ihren Sohn stiess sie auf Adlatus, das «Netzwerk von Erfahrung und Kompetenz». Als erste Frau im Kanton Bern wurde sie als Spezialistin bei Adlatus aufgenommen. Aufgrund ihrer beruflichen Erfahrung berät sie vor allem gemeinnützige und soziale Organisationen.

Vielfältige Aufgabenbereiche

Er sage seinen Kundinnen und Kunden einfach alles, was er selber wisse, fasst Fritz Zimmermann seine Beratungstätigkeit zusammen. Und stellt fest: «Auf meinem Gebiet weiss ich noch immer viel.» Das mache ihn zufrieden, und irgendwie sei er darauf auch stolz. Fritz Zimmermann, der vor seiner Pensionierung in der Marketingabteilung der SBB eine Kaderposition innehatte, liess sich mit sechzig frühzeitig pensionieren und genoss sein erstes Jahr als Rentner sehr. Danach bewarb er sich bei Adlatus und stellt seither sein Wissen vor allem kleinen und mittleren Unternehmen – den sogenannten KMU – zur Verfügung.

Neva Bernasconi und Fritz Zimmermann gehören zu den rund dreihundert Adlaten – darunter sind erst ein Dutzend Frauen –, die schweizweit im Einsatz stehen. Die Struktur des Vereins ist einfach: Adlatus hat einen Vorstand und eine zentrale Geschäftsadresse in Olten, aber keine eigenen Büroräumlichkeiten. Die elf regionalen Teams mit Spezialistinnen und Spezialisten aus den verschiedensten Bereichen und je einem Teamleiter organisieren sich selber. Dank dieser Vielfalt unter den Mitgliedern können sie auf die unterschiedlichsten Bedürfnisse von Kundinnen und Kunden eingehen. Zu diesen gehören Firmen und Kleinunternehmen, Behörden und Verwaltungen, Vereine und Verbände, gemeinnützige Organisationen und Einzelpersonen. Der jeweilige Regionalleiter nimmt ihre Anfragen entgegen und vermittelt den geeigneten Adlaten oder die Adlatin.

Da diese ehemaligen Führungskräfte und Spezialisten – Ingenieure, Betriebsleiter, Banker, Juristen, Marketingfachleute und ehemalige «Patrons» – nicht mehr im beruflichen Alltag stehen, sind sie rasch verfügbar und flexibel. Ihre Aufgaben sind vielfältig: Sie beraten Betriebe, die sich neu ausrichten, begleiten Jungunternehmer bei ihrer Firmengründung und stehen Unternehmen in Krisensituationen zur Seite. Sie ersetzen für eine begrenzte Zeit den Geschäftsführer, die Betriebsleiterin, helfen Kleinfirmen auf die Sprünge und bieten Beratung im Sozialbereich an.

Adlaten übernehmen nur Mandate, die ihrem früheren Tätigkeitsfeld ähnlich sind. So beriet Neva Bernasconi Bauteilnetz Schweiz, den Dachverband, der auf breiter Ebene die Wiederverwendung von gebrauchten Bauteilen fördert. «Ein sinnvoller Verein», sagt Neva Bernasconi, «der aber kaum bekannt war und deshalb auch zu wenige Mitglieder hatte.»

Nach einem ersten Gespräch mit dem Geschäftsführer Daniel Glauser erstellte die beigezogene Adlatin eine genaue Situationsanalyse. Dann besprach sie mit der Geschäftsleitung geeignete Werbemethoden und schlug Strategiemassnahmen und Möglichkeiten der Öffentlichkeitsarbeit vor. Das so entwickelte Konzept stellte sie dem Vorstand vor, und gemeinsam wurde eine neue Strategie ausgearbeitet – alles Aufgaben, die bereits während ihrer Zeit als Geschäftsführerin von SOS-Kinderdorf zu ihrem Alltag gehört hatten.

Eine besondere Nische für Adlatus sieht Fritz Zimmermann in der Unterstützung bei der Nachfolgeregelung in Unternehmen. Viele KMU, vor allem Familienbetriebe, würden dieses Problem vor sich herschieben. Sie seien sich zu wenig bewusst, dass eine Nachfolge rechtzeitig geplant und organisiert werden müsse: «Gerade auf diesem Gebiet haben wir Erfahrung, haben doch viele von uns einen Generationenwechsel selber erlebt.» Deshalb bietet Adlatus auch regionale Veranstaltungen über mögliche Nachfolgeregelungen an.

Keine Konkurrenz

Für jedes Mandat wird in einem ersten Gespräch eine Bestandesaufnahme gemacht. «Da muss ich spüren, wo der Schuh drückt», sagt Neva Bernasconi. Dieses erste Gespräch ist gratis, danach werden in einem kleinen Vertrag Zielvereinbarungen, Kosten und Verantwortungen festgehalten. Schliesslich beginnt die eigentliche Beratungstätigkeit. Diese wird sehr individuell gestaltet und richtet sich ausschliesslich nach den Wünschen und Bedürfnissen der Kundinnen und Kunden.

Die Beratung der Spezialistinnen und Spezialisten ist zwar professionell; doch sie wird weit unter marktüblichen Preisen angeboten. Als Konkurrenz zu einer Beraterfirma oder einem Treuhänderbüro sieht Fritz Zimmermann Adlatus aber nicht: «Dafür sind wir in viel zu speziellen Nischen tätig.» Zudem würden die Dienste von Adlatus meist von Unternehmen und Organisationen in Anspruch genommen, die sich eine kommerzielle Beratung nicht leisten könnten.

Einmal im Monat treffen sich die Adlaten und Adlatinnen einer Region zu Weiterbildung und einem Informations- und Erfahrungsaustausch. Diese Treffen sind Neva Bernasconi und Fritz Zimmermann wichtig. «So spüren wir, dass wir zu einem Netzwerk gehören, in dem wir uns auch austauschen können.» Dieses Netzwerk feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen. Doch Fritz Zimmermann hat bereits Visionen für das Jahr 2012, wenn Adlatus dreissig Jahre alt wird: «Dann gibt es für Wissen und Erfahrung keine Pensionierungsguillotine mehr. Bis dahin hat die Schweiz den Wert von älteren Fachleuten und Kadermitarbeitenden definitiv erkannt.»

Adresse der Geschäftsstelle von Adlatus und Informationen über die Regionalstellen: Geschäftsstelle Adlatus, Postfach, 4603 Olten, Tel. 0848 48 48 88, Mail admin@adlatus.ch oder Internet www.adlatus.ch

(Bild: redaktion zeitlupe)