Die Ruine Belfort
Der Stammsitz der Freiherren von Vaz – im Mittelalter das mächtigste Adelsgeschlecht Graubündens – liegt auf einem Felsrücken über dem alten Handelsweg Chur – Lenzerheide – Albula – Engadin. Der Baubeginn wird auf 1220 datiert. Der letzte Freiherr von Vaz sei ein tyrannischer Herrscher gewesen, der seine Untertanen mit grausamer Hand regiert habe, berichtet die Geschichte. Nach 1338 wechselte die Burg mehrmals die Inhaber bis sie in den Besitz der Habsburger gelangte. Im Schwabenkrieg 1499 eroberten die Bündner an der Seite der Eidgenossen die Burg und verbrannten sie, um die Spuren der verhassten Oesterreicher gänzlich zu tilgen. Als Zeichen der Macht einstiger Herrscher ist eine Ruine geblieben.
Nachdem die Ruine Belfort zu zerfallen
drohte, kümmert sich nun die Stiftung «Pro
Ruine Belfort» um ihre Konservierung. Die
Bauzeit teilt sich in 6 Etappen; die Kosten
belaufen sich auf 2'850'000 Franken. Die
Gemeinden Brienz GR und Vaz-Obervaz,
Denkmalpflegen des Kantons Graubünden
und der Schweiz und der Bündner Heimatschutz
ermöglichen gemeinsam mit vielen
privaten Geldgebern dieses grosse Werk.
Ein Senioren-Dream-Team
Und nun kommen die Staufner Männerturner auf den Plan mit ihrem Einsatz für die Ruine Belfort. Nach gründlichen Vorbereitungen des Initiators Walter Friederich und Besichtigungen vor Ort krempeln 15 Männer ihre Aermel hoch und machen sich an die Arbeit. Drei Gruppen nehmen sich ihr jeweiliges Arbeitsgebiet vor. Da gilt es, die verwitterte Holztreppe als Zugang zur Burg zu erneuern. Toni, Köbi, Godi und Fredi erstellen hart neben dem Abgrund eine neue Treppe. In kniffliger Kleinarbeit fertigen sie 16 bequeme Stufen mit solidem Unterbau an. Wege und Treppe sind mit Seilen gesichert, sodass nun auch nicht ganz schwindelfreie Besucher den Aufstieg wagen können.
Hansruedi und René ersetzen das morsche
Podest vor dem Materialcontainer und
verkleiden dessen hässliche Blechfassade
mit Lärchenbrettern. Auch sie arbeiten zum
Teil in schwindelnder Höhe; Trittfestigkeit
ist neben handwerklichem Geschick unentbehrlich.
– Am Fuss des Burghügels waltet
Röbi seines Amtes: Er bedient die Material-Seilbahn. Er transportiert die schweren
Maschinen und Apparate und nimmt per
Funk Bestellungen für Sand, Beton und
anderen Zubehör entgegen.
In der Ruine sollen künftig kulturelle Veranstaltungen stattfinden. Der Schlosshof bietet eine einmalige Kulisse. Ernst, Herbert, Othmar und Roland zimmern eine Bühne. Betonpfeiler, Balken, Bodenbretter – stabil muss sie sein. Um den Sodbrunnen erstellen Godi, Walter und Roland eine Bruchsteinmauer zur Sicherheit für die Besucher.
Walter Friederich hält die Fäden in der Hand. Er bereitete das Projekt zusammen mit Anton Huber von der Koordinationsstelle für Einsätze im Berggebiet vor. Daniel Rizzi, Präsident der Stiftung «Pro Ruine Belfort» ist des Lobes voll über den beispiellosen Einsatz der Staufner Männer. Nicht alle Gruppen, die sich hier einsetzen, arbeiten so ernsthaft, zuverlässig und effizient wie dieses Dream Team, sagt er.
Jeder hat sein eigenes Werkzeug mitgebracht. Eine Notstromgruppe versorgt die Maschinen mit Energie. Da kreischt eine Kettensäge, jault die Bohrmaschine, frisst sich die Diamant-Trennscheibe durch Beton; Kabelrollen, Schraubzwingen, Kango-Hammer, Winkelschleifer – an Werkzeugen fehlt es nicht.
Küche gut – alles gut
Wichtige Voraussetzung für erfolgreiches Lagerleben ist eine gute Küche. Wenn die Männer ihre Schweisstropfen getrocknet und die Arbeitskleider an die Haken gehängt haben, winkt geruhsamer Feierabend. Schon im Treppenhaus ihrer Unterkunft in Lantsch duftet es verlockend. Heiri, Max und Turi, die altbewährte Küchenbrigade, sorgen sich um das leibliche Wohl der Arbeiter – und wie!
Zufriedene Gesichter, andächtige Ruhe und das leise Klirren von Messer und Gabeln sind deutliche Zeichen: «Wir werden kulinarisch verwöhnt» bestätigen die Männer. «Wer viel arbeitet, muss richtig essen» lautet das Motto der drei Köche.
Das Tagesprogramm beweist, dass dieser Bergeinsatz keineswegs Ferien bedeuten: Frühstück 6.45 h, Abfahrt 7.30 h, Rückkehr zum Mittagessen 12 h, Abfahrt 13.15 h, Feierabend 17.30 h.
Die Unterkunft stellt die Stiftung «Pro Ruine Belfort» zur Verfügung; einen Teil dieser Kosten übernimmt der Coop-Hilfsfonds. Der Beitrag der Gemeinde Staufen sichert die Verpflegung der hungrigen Männer.
Walter Friederich freut sich: «Der gute Team-Geist macht diese Woche zu einem vollen
Erfolg. Man arbeitet einander in die Hände.»
Nicht nur profitiert ein bündnerisches
Kulturgut von den Staufner Turnern – die
Staufner Turner leisten ihren Einsatz an
einem einmaligen Arbeitsort. Sie kehren
am Samstag nicht nur mit ein paar
Schwielen an den Händen nach Hause
zurück sondern sind rundum zufrieden über
ihr gemeinsames Werk.
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