Umwelt

Lieblinge des Meeres

Lieblinge des Meeres

  Seit Urzeiten sind Menschen fasziniert vom verspielten und sozialen Wesen der Delfine. Das Uno-Umweltprogramm hat den charismatischen Meeressäuger zum Tier des Jahres 2007 erklärt, um auf dessen zunehmende Bedrohung aufmerksam zu machen.  

 

Etwas vom Schönsten ist es, spielenden Delfinen zuzuschauen, wenn ganze Gruppen von ihnen in den Brandungswellen surfen. Die Tiere lassen sich lässig von der Welle mitreissen, sodass sie am Ende fast kopfunter darin stehen, um dann im letzten Moment seitlich wegzuspringen. An steiler Klippe sieht das recht gefährlich aus, doch die verspielten Meeresbewohner scheinen dieses Spiel zu lieben. Offenbar kommt es öfter vor, dass sie in hohen Wellen surfen, doch nur wenigen Menschen ist es vergönnt, dieses faszinierende Spektakel zu beobachten. Viel häufiger sieht man die Meeressäuger in kleinen Gruppen den Schiffen folgen. Das ist bei den Tieren wahrscheinlich beliebt, weil sie sich durch das Reiten auf der Bugwelle energiesparend fortbewegen können.

Delfine sind verspielt, intelligent und haben ein hoch entwickeltes Sozialleben. Wohl aus Neugier kommen manche von ihnen von sich aus auf Menschen zu und suchen den Kontakt zu diesem für sie fremden Lebewesen. Verschiedentlich hört man von einzelnen Exemplaren, die an einer bestimmten Küste auftauchen, dort bleiben und Kontakt mit Menschen aufnehmen. Nicht selten werden sie dann als touristische Attraktionen kommerzialisiert. Die Nachfrage nach Delfinbegegnungen scheint so gross, dass diese aussergewöhnlichen Geschöpfe meist ziemlich stark bedrängt werden. Geschichten, wonach frei lebende Delfine Menschen vor dem Ertrinken oder vor Haien gerettet haben, sind ebenfalls legendär, die Beweise dafür sind allerdings recht spärlich.

Delfine leben in Gruppen und unterhalten ein komplexes Netz an sozialen Beziehungen. Es wurden schon grosse Schulen beobachtet, deren Zusammenhalt von ein paar wenigen «Verbindungstieren» abhing, die regen Kontakt zwischen den Untergruppen hielten. Manche Gruppenmitglieder pflegen lockere Verbindungen, während andere eng befreundet sind und sich häufig nahe beieinander aufhalten. Doch wie erkennen die Delfine ihre verschiedenen Angehörigen, wenn das Wasser trübe ist?

Leben im Sozialverband

Grosse Tümmler haben einen individuellen Pfeiflaut, mit dem sie ihre Artgenossen auf sich aufmerksam machen, wenn sie sich ausser Sichtweite voneinander aufhalten. Wie Forschungen gezeigt haben, erkennen die Gruppenmitglieder diesen Ruf selbst dann, wenn die Stimme des jeweiligen Delfins elektronisch verändert wurde. Als ihnen entsprechende Rufe auf Tonband vorgespielt wurden, reagierten die getesteten Tiere deutlich auf die stimmlich veränderten Rufe ihrer Gruppenmitglieder, nicht aber auf jene von fremden Delfinen. 

Man könnte also sagen, dass die Delfine mit einem individuellen Ruf wie «Hallo, da bin ich» kommunizieren – ähnlich, wie Menschen Worte als Namen benutzen. Die jungen Delfine lernen die verschiedenen Töne ihrer Artgenossen und stellen sich daraus mit der Zeit einen eigenen «Namen» zusammen, den sie fortan beibehalten. Delfine können also lernen, Geräusche zu imitieren, was bei Säugetieren sehr selten ist.

Neben den Kontaktlauten geben die Tiere auch kurzwellige Ultraschalltöne von sich, die zur Echoortung dienen: Hindernisse wie Beutetiere werfen das Echo des für uns Menschen unhörbaren Ultraschalls zurück.

Intelligente Fischjäger

Bei der Jagd kommen die erstaunliche Intelligenz und Kooperationsbereitschaft der Delfine besonders gut zum Tragen. Grosse Tümmler treiben ihre Beute oft gegen eine Barriere, um sie dort leichter zu erwischen. Wie Forscher festgestellt haben, übernimmt bei diesen immer das gleiche Tier die Rolle des Treibers, während die übrigen eine Barriere bilden, die für die Fische nur schwer zu überwinden ist. Eine solche Spezialisierung auf eine bestimmte Rolle bei der Jagd kommt bei Tieren sehr selten vor. Grosse Tümmler treiben ihre Beute auch gegen natürliche Hindernisse wie die Küste oder die Meeresoberfläche. Einige Delfine zeigten sich zudem besonders einfallsreich und nutzten Fischernetze als «Barrieren» für ihre eigenen Treibjagden, was nebenbei den Jagderfolg für die menschlichen Fischer erhöhte.

Vor Westaustralien haben offenbar einige Delfine gelernt, ihre Schnauze beim Stöbern am Boden mit einem extra dazu gepflückten Meeresschwamm zu schützen. Interessanterweise zeigten fast nur Weibchen, die laut genetischen Untersuchungen nahe miteinander verwandt waren, dieses Verhalten. Wahrscheinlich hatten die Delfintöchter jeweils von ihren Müttern gelernt, wie man Schwämme vom Boden pflückt und als Schutz für die Schnauze verwendet. Töchter bleiben bei Delfinen lange in enger Verbindung mit der Mutter und lernen deshalb viel von ihr.

Delfine können auch richtiggehend trauern, wenn sie enge Angehörige verlieren. Das schliessen Forscher, nachdem sie in der Wildnis eine Delfinmutter beobachteten, die ihr totes Neugeborenes noch tagelang mit sich herumtrug. Werden einzelne Exemplare etwa für Delfinarien aus ihrem natürlichen Sozialverband herausgerissen, so muss das für die betroffenen Tiere eine Katastrophe bedeuten. Überhaupt muss das Leben in den engen, eintönigen Becken eines Delfinariums eine grosse Belastung für die intelligenten Meeressäuger sein. Ein Grossteil ihres natürlichen Verhaltens bleibt ihnen darin verwehrt. Nachzuchten in menschlicher Obhut gelingen heute noch kaum.

Wer je Delfine in freier Natur erlebt hat, wie dies beispielsweise während einer rücksichtsvoll durchgeführten Walbeobachtungstour möglich ist, wird beim Besuch eines Delfinariums wahrscheinlich Traurigkeit empfinden.

Delfine bezahlen einen hohen Preis für die Bewunderung, die ihnen der Mensch entgegenbringt. Massen von Menschen strömen zu Schwimm-mit-Delfin-Angeboten und machen die Gefangenhaltung dieser Tiere zum Riesengeschäft. Viele erhoffen sich von der Begegnung mit den Meeressäugern spirituelle Erfahrungen oder gar Heilung. Dabei empfehlen Fachleute, für Therapien lieber bewährte Haustiere wie Hunde einzusetzen, zu denen man eine längerfristige Beziehung aufbauen kann.

Delfine in Lebensgefahr

Die Delfine können übrigens Menschen durchaus gefährlich werden, wenn sie starken Belästigungen ausgesetzt sind. Immerhin schaffen es diese Tiere, mit ihrer Körperkraft einen Hai zu töten. Der Grosse Tümmler, der weltweit vorkommt und häufig in Delfinarien gehalten wird, erreicht über drei Meter Länge und mehrere Hundert Kilogramm Gewicht.

Heute droht den Delfinen in ihrem marinen Lebensraum zunehmend Gefahr. Delfine sterben weiterhin bei Treibjagden oder als Beifang in Fischernetzen, sie werden krank durch die Meeresverschmutzung, und sie leiden an Nahrungsmangel aufgrund der dramatischen Überfischung der Meere. Die Lärmbelastung im Meer schädigt ihr feines Gehör und führt zu Strandungen.

Das Uno-Umweltprogramm hat den Delfin zum Tier des Jahres 2007 erklärt, um die Welt auf die vielfältigen Bedrohungen aufmerksam zu machen, denen diese faszinierenden Meeresgeschöpfe ausgesetzt sind.

Delfine im ungefährlichen Netz

 

 

 

Mehr Informationen über Delfine finden Sie im Internet unter: www.oceancare.org, www.delphinschutz.org, www.jahrdesdelfins.net