Freiwilligenarbeit zwischen gesellschaftlicher Verantwortung und Selbstverwirklichung. Prof. Dr. Cornelia Kricheldorff, Kath. Fachhochschule Freiburg/Deutschland
Der Wandel der Lebensbedingungen bei älteren Menschen, bessere Gesundheit und materielle Versorgung, längere Lebenserwartung, ermöglicht neue Lebensentwürfe. Die Lebensformen haben sich im Laufe der Zeit geändert: es gibt immer mehr Menschen, die im Alter alleine leben, Patchwork-Familien, oft grosse räumliche Entfernungen zwischen den Generationen und die Zunahme der Frauenerwerbsarbeit.
Das alles hat Auswirkungen auf Pflege und Betreuung in der Familie. Familiäre Netzwerke sind heute oft schwach oder nicht vorhanden. Dadurch gewinnen Unterstützungssysteme und freiwilliges Engagement an Bedeutung. Die Bereitschaft zum freiwilligen Engagement von leistungsfähigen älteren Menschen wird inzwischen in Deutschland gesellschaftlich erwartet. Diese Erwartung bestätigt sich in Deutschland im Freiwilligensurvey 1999, zeigt sich doch die stärkste Zunahme an freiwilligem Engagement bei Menschen zwischen 55 und 75 Jahren. Der soziale Bereich als Engagementfeld erfreut sich zunehmender Beliebtheit, weil die Begleitung von Menschen als Sinn stiftend erlebt wird und oft an eigene existentielle Fragen knüpft.
Klassische Bereiche des traditionellen Ehrenamtes klagen über Mangel an Freiwilligen, während neue Engagementfelder (z.B. Seniorenbüros, Bürgermentoren) die dem Anliegen nach Selbstverwirklichung und Sinnsuche gerecht werden, viele Interessenten haben.
Der zentrale Gedanke hinter der neuen Kultur der Freiwilligenarbeit ist ein emanzipatorisches Menschenbild und ein gesellschaftliches Modell, in dem Bürger einen Gestaltungsrahmen für die Lösung ihrer eigenen Fragen und Probleme vorfinden. Menschen sollen zu ihren eigenen Stärken ermutigt werden, zu Lebensautonomie, Solidarität und Mitveranwortung. Die neue Freiwilligenarbeit ermöglicht den älteren Menschen neue Aufgaben und Rollen, soziale Teilhabe, was zu einer besseren Befindlichkeit führt und eine gute Prävention ist auf das hohe Alter.
Nach Prof. Dr. C. Kricheldorff entwickelt sich das gesellschaftliche Leitbild in der Altersarbeit vom betreuten Alter, über aktive Senioren ( Aktivität allein ist noch nicht Sinnerfüllung !) zum gestalteten Alter. Weg von der Konsumgesellschaft zu einer tätigen Gesellschaft, in der Solidarität gelebt wird. Dies dürfe jedoch nicht heissen, dass alle alte Menschen diesem neuen Leitbild entsprechen können oder wollen.
Kulturarbeit mit älteren Menschen
Susanne Müller, akademische Sozialmanagerin, berichtet von ihren Erfahrungen als Leiterin von Kulturprojekten mit älteren Menschen.
Buna saira (guten Abend) nannte sich die Idee, ältere Menschen aufzufordern, ihre Kreativität in Projekte umzusetzen. Diese Projektideen konnten etwas Neues sein oder etwas Bestehendes verbessern. Zu gewinnen waren finanzielle Starthilfen. Anstoss für den Ideenwettbewerb war eine grosszügige Spende von Prof. Klaus Schwab, Davoser Wirtschaftsforum. Das Echo war erfreulich, über 40 Projekte wurden eingereicht. Menschen der älteren Generation zeigten hiermit ihre tollen Ideen, ihre Kreativität, ihr Erfahrungswissen. Diese Arbeiten von älteren Menschen zeigen Brücken für den Dialog zwischen den Generationen und vor allem wie Ältere ihr Wissen, ihre Erfahrung sinnvoll einsetzen können zum Wohle der Gemeinschaft. Kulturarbeit mit älteren Menschen, so Susanne Müller, heisse Ressourcen von älteren Menschen vernetzen, neue Experimentierfelder schaffen, Strukturen zur Verfügung stellen – dann kämen die Ideen ! Es liege noch vieles brach zum Nutzen der Allgemeinheit und warte geweckt zu werden.
Informationen über Projekte:
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