Bildung

eLearning – auch für Senioren!

eLearning – auch für Senioren!

Das Internet entwickelt sich immer mehr zum Mitmach-Web. Kommunikation, Teamwork, kreative Teilnahme und Lernen im Internet wird auch für ältere Menschen immer wichtiger. Das zeigte sich an der internationalen Konferenz web4seniors an der Universität Ulm.

Der Einsatz der neuen technischen Informations- und Bildungsmöglichkeiten im Internet ist in der beruflichen Weiterbildung längst zum Alltag geworden. E-Learning, das heisst Lernen über soziale Netzwerke im Internet, bietet gerade auch älteren Menschen viele Vorteile. Unabhängig von Ort und Zeit lässt es sich in selbstgewähltem Tempo ohne Gruppendruck arbeiten.

Soziale Aktivitäten und lebenslanges Lernen kann so auch älteren Menschen erleichtert werden, die nicht mehr so mobil sind und sich das Lernen nach ihren individuellen Bedürfnissen gestalten möchten. Neue Mittel (Web 2.0) wie Weblogs, Wikis, Podcast, Chat, Internet-Telefonie, Bildergalerien, Videos usw. bieten ganz neue Möglichkeiten, solches Lernen attraktiv zu machen.

Das muss nicht einsam sein. Solche Lernangebote lassen sich auch zu zweit am gemeinsamen PC geniessen. Noch besser ist es natürlich, wenn man sich ab und zu mit andern Teilnehmern real treffen kann, um Erfahrungen auszutauschen und im Gespräch zu vertiefen. „Blended Learning" nennt man das auf Englisch. 

Das setzt natürlich voraus, dass der Lernende eine Breitbandverbindung zum Internet hat und mit Mailing und Headset umzugehen weiss. Es setzt aber auch voraus, dass es dafür qualifizierte Kursleiter gibt und Kursangebote, welche auf die besonderen Bedürfnisse älterer Menschen eingehen.

Förderung der Medienkompetenz als öffentliche Aufgabe 

Das Risiko, dass ältere Menschen immer mehr ausgegrenzt werden von gesellschaftlichen Entwicklungen und Mitwirkungsmöglichkeiten, wird immer grösser. Medienkompetenz ist für ältere Menschen in unserer Gesellschaft von entscheidender Bedeutung für ihre soziale Rolle und ihre Selbsteinschätzung. Förderung dieser Medienkompetenz und des lebenslangen Lernens ist eine öffentliche Aufgabe, die in der Schweiz viel zu wenig wahrgenommen wird. 

Um diesen Risiken eines digitalen Grabens entgegenzuwirken, gibt es in den meisten andern Industrieländern - im Unterschied zur Schweiz - grosse Anstrengungen durch öffentliche und gemeinnützige Institutionen wie Ministerien, Bildungsinstitute und Stiftungen. Das hat sich deutlich gezeigt an der internationalen Konferenz web4seniors vom 4./5. Oktober in Ulm , an der auch seniorweb.ch und der schweizerische Seniorenrat vertreten waren. 

Fördermassnahmen der EU

„Die europäische Union hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, bis 2010 eine weltweite Qualitätsreferenz für Lernen und Ausbildung zu schaffen. Es soll eine Region mit lebenslangen Lernmöglichkeiten für jeden Bürger entstehen, verbunden mit qualitativ besserem, erweitertem und offenem Zugang zur gesamten Welt." So Brian Holmes , Leiter der „Education, Audiovisual and Culture Executive Agency" der Europäischen Kommission. 

Am 1. Januar 2007 ist das neue EU-Aktionsprogramm für den Bereich des lebenslangen Lernens in Kraft getreten mit einem Budget von knapp 7 Milliarden Euro für die Laufzeit von 2007 bis 2013. Nationale und multinationale Projekte können damit gefördert werden. Ausser den 27 Mitgliedern gehören auch Island, Lichtenstein, Norwegen und die Türkei zu den Teilnehmerländern. Die Schweiz wird sich erst nach Abschluss eines entsprechenden bilateralen Vertrags beteiligen können. 

Praxisbeispiele aus europäischen Ländern

An der Universität Ulm gibt es seit 1994 das Zentrum für Allgemeine Wissenschaftliche Weiterbildung (ZAWIW) für Erwachsene, insbesondere für Menschen im dritten Lebensalter. Seine Hauptaufgabe ist die Entwicklung neuer methodischer Konzepte und deren Erprobung in der Praxis. Seit 1995 führt es auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene Seminare und Forschungsprojekte durch zur Förderung des selbstgesteuerten Lernens und der Zusammenarbeit älterer Menschen. Dieses Institut unter Leitung von Carmen Stadelhofer war auch verantwortlich für die Durchführung der Konferenz web4seniors, in Kooperation mit eLiLL.
Präsentation des ZWIW als Pdf

eLearning in Later Life (eLiLL) ist ein Projekt (2006-2008), das von der Europäischen Kommission gefördert wird mit dem Ziel, die digitale Kompetenz älterer Erwachsener zu fördern (60+) mit besonderem Augenmerk auf die Nutzung der neuen Medien in der Seniorenbildung.

Mit der „Datenbank guter Praxis " hat das Projekt wLiLL eine Möglichkeit geschaffen, mit der sich Anbieter von Seniorenbildung, Ausbilder/-innen und Multiplikator/-innen über bestehende Aktivitäten informieren und Inspirationen für eigene Projekte erhalten können. Über zwei Dutzend Praxisbeispiele aus mehreren Ländern Europas sind hier dokumentiert. 

klick - mach mit! ist ein gemeinnütziges Medienkompetenzprogramm der LANDESSTIFTUNG Baden-Württemberg. Von Herbst 2006 bis Ende 2008 können in Zusammenarbeit mit bisher über 150 teilnehmenden Schulungspartnern in ganz Baden-Württemberg insgesamt 3.000 klick - mach mit! Internet-Kurse mit rund 30.000 Teilnehmern durchgeführt werden. Ziel des Programms klick - mach mit! ist es, Bürgerinnen und Bürgern, die bereits erste Erfahrungen im Internet gesammelt haben, weiterführende praktische Internet-Anwendungen näher zu bringen. Durch die Verbesserung der digitalen Kompetenz im Land sollen die Teilhabe aller Bürgerinnen und Bürger an der Informationsgesellschaft langfristig gesichert sowie das Ehrenamt im Land nachhaltig gestärkt werden. Die Konzeption des Programms wurde daher maßgeblich mit Blick insbesondere auf die Zielgruppe der Generation 50+ hin entwickelt. Mit klick - mach mit! wurde ein niederschwelliges, modular aufgebautes Kurskonzept entwickelt, das die dazu notwendigen Internetkenntnisse praktisch vermittelt. 

Das eLSe Projekt der Universität Erlangen-Nürnberg 

Wissenschaftler von FIM-NeuesLernen, einem Institut der Universität Erlangen-Nürnberg, das sich mit dem Thema technologiegestütztes Lernen seit über 30 Jahre beschäftigt, sind davon überzeugt, dass gerade auch für ältere Menschen der Einsatz von eLearning, des orts- und zeitunabhängigen Lernens über das Internet, eine sehr nützliche Lernmethode für das Erlernen des Umgangs mit dem Computer darstellt. Deshalb hat FIM, zusammen mit sechs weiteren Partnerorganisation (u.a. die BAGSO, die Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen und die U3A, die Universität des Dritten Lebensalters in Großbritannien) aus fünf europäischen Ländern das Projekt eLSe - eLearning für Senioren - ins Leben gerufen. Das Projekt wird von der EU gefördert. eLSe verfolgt das Ziel Senioren, die in der nachberuflichen Zeit an der Erweiterung ihrer Kompetenzen interessiert sind, in die Lage zu versetzen, die Vorteile der Internet- und Kommunikationstechnologien (IKT) besser zu nutzen, unabhängig von deren Wohnort, Mobilitätseinschränkungen und Zeitgestaltung. eLSe befähigt Senioren, die noch keine oder fast keine Erfahrung mit dem Computer haben, sich mit der Nutzung des Computers und Internets vertraut zu machen, sich über Online-Lernangebote zu informieren und sie individuell oder auch eingebunden in eine virtuelle Lerngemeinschaft zu nutzen.


>>siehe auch  Senioren lernen online