Rund 650 Teilnehmer und Teilnehmerinnen folgten an den Bieler Kommunikationstagen den referaten zahlreicher Experten aus der Medien- und Kommunikationsbranche. Aktuelle und zukünftige Anwendungen digitaler Technologien wurden vorgestellt und diskutiert.
Blogger erobern die Welt der MedienEin Blog ist eine einfach zu bedienende Website, auf der jedermann Texte, Bilder, Videos, Podcast publizieren und zur Diskussion stellen kann. Weltweit 70 Millionen Blogger sind im Internet präsent und tausendfach verlinkt und vernetzt. Ein Kommunikations- und Informationsfluss ist im Netz entstanden, der sich jeder Kontrolle durch politische und wirtschaftliche Autoritäten entzieht, eine basidemokratische Kommunikation, die es so ausserhalb des Netzes nicht gibt, meinte Prof. Dr. Miriam Meckel, Medienwissenschafterin an der Universität St. Gallen. “Jeder, der will, kann sich an dieser Art der Kommunikation beteiligen”, so Meckel. Alle können an der Aktivität teilnehmen, sei es durch das Verfassen eines Artikels oder durch Feedback. Was durch solche offene und freie Netzwerkarbeit an Qualität zustande kommen kann, zeigt etwa die so entstandene Enzyklopädie Wikipedia, die es inzwischen mit der klassischen Enzyklopädia Britannica durchaus aufnehmen kann. Jeden Tag gehen 120 000 neue Blogs online. Das sind vor allem junge Leute. Aber auch Bundesrat Leuenberger gehört zu ihnen und viele ältere Menschen, die auch nach dem Austritt aus der Arbeitswelt involviert bleiben wollen.
Von den Bloggern werden heute Themen gesetzt, und viel schneller verbreitet, als es den klassischen Medien möglich ist. Aktualität gewinnt in unserer Gesellschaft immer mehr an Bedeutung. Im Internet erscheinen die Neuigkeiten meist als Erstes. Mit dieser „Blogosphäre“ ist eine Gegenwelt zu den klassischen Medien entstanden, Die Informationsmacht der Blogger hat schon manche institutionelle Autorität das Fürchten gelehrt.Dass das neue Medium auch einem destruktiven Journalismus Vorschub leistet und seine Opfer fordert, zeigte David Pogue von der New York Times an Beispielen aus den USA. Unüberlegte Falschmeldungen können für einzelne Personen verheerende Folgen haben, Wenn die Lawine losgetreten ist, kann sie nicht mehr gebremst werden. Nicht nur das Leben einzelner Personen kann so dramatische Veränderungen erfahren. Auch Produkte leiden unter Falschmeldungen. Mit Falschmeldungen können Unternehmen ruiniert und Aktienkurse zum Absturz gebracht werden.
Blogging versus Journalismus Wenn nun also die Nutzer selbst die Inhalte der neuen Medien bestimmen, braucht es da überhaupt noch Journalisten? Wenn jeder Nutzer auch Publizist sein kann, wie steht es da mit der Wahrheit und der Substanz ? So fragte z.B. Sylvia Egli von Matt, Direktorin des Medienausbildungszentrums (MAZ) Luzern. Braucht es die klassischen Journalisten noch oder machen Blogger die Medienschaffenden in den Zeitungen überflüssig? Die Referentin ist überzeugt, dass neue Medien lediglich eine Ergänzung zum traditionellen Journalismus darstellen und die Journalisten als professionelle Beobachter und der Wahrheit und Sorgfalt verpflichtete Darsteller nach wie vor eine wichtige Aufgabe hätten, dass sie aber von Bloggern durchaus einiges lernen können: multimediales Denken zum Beispiel und Einbezug des Lesers in den Dialog.Fernsehen, Radio hören, Telefonieren übers Internet ist bereits zum Alltag geworden. Filme und Radiosendungen (Podcast) zu produzieren und über Internet und Handy zu verbreiten, so dass sie jedermann wann und wo er will konsumieren kann, ist heute ein Kinderspiel geworden.
Das Fernsehen versucht, sich der digitalen Welt anzupassen und das Publikum ebenfalls an der Produktion von Inhalten zu beteiligen. So werden beim Westschweizer Fernsehen die besten von Nutzern produzierten Inhalte (Filme) der Web-Site moncinema.ch auf TSR ausgestrahlt und somit einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich. Das heisst, dass gelungener Content, von Amateuren produziert, seinen Weg in ein Medium findet, das bisher ausschliesslich von Profis gestaltet wurde.
Aber auch umgekehrt werden TV-Produktionen im Internet als Videopodcast frei verfügbar gemacht, so dass sie jedermann wo und wann auch immer konsumieren kann. Die Zeitungen gehen ebenfalls online. Es gibt kaum noch Zeitungsverlage ohne Online-Ausgabe. Auch die Printjournalisten begeben sich in die Blogosphäre zur Vertiefung, Ergänzung und Diskussion der Zeitungsinhalte.Diese allgegenwärtige Information droht uns zu ersticken und zu erdrücken, wenn wir es nicht verstehen, ab und zu Distanz zu nehmen und Stille zu ertragen. Miriam Meckel hat auf dieses Problem aufmerksam gemacht in mehreren Publikationen, die Titel tragen wie „Lob der Kommunikationspause“, „Droge Information“ oder „Das existenzielle Funkloch“. In ihrem Blog liest sie uns daraus vor.
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