Recht

Streit um das Erbe - wenn Geschwister teilen müssen

Streit um das Erbe - wenn Geschwister teilen müssen

Beizeiten an den Tod zu denken und zu Lebzeiten zu teilen, empfiehlt Belinda Sallin den Senioren. Ihr Film zeigt, wie Töchter und Söhne in zwei Familien nach dem Tod der Eltern um das Erbe kämpfen. Zu sehen auf FS1 Sendung "DOK" am 13. März um 20.05 Uhr.

Im Bild: Andreas Naegeli, der jüngste der vier Naegeli-Brüder, mit dem Familienalbum

Mit „Streit ums Erbe – wenn Geschwister teilen müssen“ hat Belinda Sallin einen Film gedreht, den sich Seniorinnen und Senioren zu Herzen nehmen sollten. Die Erblasser sind sich zu wenig bewusst, wie sehr sich Beziehungen unter ihren Söhnen und Töchtern nach ihrem Ableben verändern können. Das zeigt der Film an zwei Familien in Mellingen im Aargau und in der Stadt Zürich.

Therese B. spricht für ihre Familie in Mellingen. Zankapfel ist vorerst der Landwirtschaftsbetrieb, den die älteren Geschwister nach dem Tod des Vaters weiter führen und die jüngeren verkaufen wollen. Nach dem Tod der Mutter bricht der Streit offen aus über Rechte am Besitz und Ertrag aus zwei Mehrfamilienhäusern, die durch die Eltern und zwei Geschwister gebaut und von der ältesten Tochter Therese  verwaltet werden. Therese leidet an Gefühlen der Benachteiligung aus ihrer Kindheit und am überraschenden Tod der Mutter. Hat die Mutter den Freitod gewählt, weil sie von ihren Kindern zu sehr bedrängt wurde? Damals am Totenbett fragte Therese ihren Vater, wie das innerhalb der Familie weiter gehen solle. Sie werde das schon schaffen, meinte er, rechtlich allerdings ohne Rückhalt für die Tochter.

In der Stadt Zürich streiten sich die Naegeli-Brüder, vier bestandene Männer in gehobenen Verhältnissen, um Liegenschaften an bester Lage. Streit wird in dieser Familie seit Generation als eine Art Sport gepflegt. Zwei der Brüder nennen sich selbst schwarze Schafe, da sie als Künstler und Schreiner die Erwartungen des Vaters an Ausbildung und Beruf nicht erfüllt haben. Humorvoll schildern sie ihre illustre Familie. Es ist anzunehmen, dass ihnen aus der Erbteilung einige Millionen zugefallen sind, trotzdem sie sich "nicht ins Portemonnaie gucken lassen".

Zu Gunsten eines Bruders würde keiner von ihnen ein Jota nachgeben, schon um des Prinzipes willen nicht. Nach dem Tod des Vaters haben die Söhne zuerst einmal den Willensvollstrecker ihres Vaters abgesetzt. Er sei zu teuer gewesen. Inzwischen haben sie die Liegenschaften verteilt oder in eine Familien-Aktiengesellschaft überführt. Einmal im Jahr müssen sich die zerstrittenen Brüder zur Aktionärsversammlung treffen - "ohne Filmkamera", warnen sie. Nach den Liegenschaften ging der Streit weiter zum Mobiliar. Nachdem sich drei Erben auf eine private Auktion geeinigt hatten, rächte sich der vierte und nahm eine Tür vom Wellenschrank des Bruders als Pfand mit zu sich nach Hause - zum Ergötzen der Nachbarn, wie Andreas Naegeli bestätigt.

Entgleisungen mögen verziehen werden, so lange der Streit in der eigenen Sippe brodelt. Wird der Bruder wegen Diebstahls eingeklagt und muss sich die Schwester eine polizeiliche Hausdurchsuchung gefallen lassen, so schmerzen die Wunden nachhaltiger. Und eine Erbteilung durch das Gericht, darin sind sich beide Familien in Mellingen und in Zürich einig, mache alle Beteiligten zu finanziellen Verlierern.

Der Film schafft kaum Mitgefühl für die Erben. Sie sind ohnehin zu viel Geld gekommen. Mehr zu denken gibt die Situation der alten Mutter, die inmitten der Forderungen ihrer Kinder keinen Ausweg mehr zu finden schien als den Tod.

Was kann der Erblasser tun? Beizeiten über den Tod nachdenken und zu Lebzeiten teilen, empfiehlt Belinda Sallin, und schliesst den Film mit Heinrich Heine: "Es dauert lange, bis der Weg des Herzens den Weg zur Tasche findet".

Ausstrahlung:
Sendung "DOK" FS 1
Donnerstag, 13. März 2008, 20.05 Uhr
Wiederholungen:
Freitag, 14. März 2008, 01.55 und 11.00 Uhr
Dienstag, 18. März 2008, 05.35 Uhr

Der Film und sein Hintergrund

Autorin Belinda Sallin
geboren 1967 in Fribourg, Studium der Kommunikationswissenschaften, der Deutschen Literatur und Philologie. 1995 -1996 VJ und Moderatorin bei TeleBärn, 1996 - 1998 Redaktorin Lipstick, 1998 - 2002 Redaktorin und Produzentin Rundschau, 2002 - 2006 Redaktionsleiterin Rundschau.