Vorsorge

Das Unplanbare planen

Das Unplanbare planen

In unserer Gesellschaft nimmt der Anteil der über 50-Jährigen zu. Schon bald kommen auf einen AHV-Bezüger gerade noch vier Beitragszahler. Klar, dass wir uns überlegen müssen, wie unsere Vorsorge auch in Zukunft sichergestellt werden kann.

Um diese Frage zu beantworten, braucht es mehr als die Sicht auf die Zahlen. Man muss sich auch bewusst sein, welche anderen Entwicklungen damit verbunden sind. In vielen Szenarien wird nämlich noch von völlig veralteten Vorstellungen über die ältere Generation ausgegangen. Zwei Beispiele: 

Vorurteil Nr. 1: Mit 65 ist man gebrechlich und «weg vom Fenster». Falsch: Statistisch ist erwiesen, dass Seniorinnen und Senioren durchschnittlich noch etwa zehn Jahre sehr aktiv und vital sind. Und «weg vom Fenster» sind sie schon gar nicht. Im Gegenteil: Endlich haben sie Zeit, ihren Computer vielfältiger zu nutzen und im Internet vom grössten Wissenspool aller Zeiten zu profitieren.

Vorurteil Nr. 2: Mit 65 ist man nicht mehr gefragt. Falsch: Zwar galt bisher, dass vor allem ältere Mitarbeiter bei Rationalisierungsmassnahmen den Arbeitsplatz verlieren. Damit ist Schluss! Der Grund: Die Zahl der Produktivkräfte wird auch in unserem Land rapid abnehmen. Und mancher Unternehmer wird froh sein, wenn ein Mitarbeiter im Pensionsalter bereit ist, noch ein Teilzeitpensum zu übernehmen. Konkret: Viele ältere Arbeitskräfte werden zunehmend gefragter, sie können selber entscheiden, wann und wie sie in den Ruhestand wechseln wollen.

Doch was bedeutet dies für unsere Vorsorge? Kurz zusammengefasst:

  • Dass wir uns zumindest für die Jahre bis zum 75. Geburtstag auf eine sehr aktive Zeit einstellen sollten.
  • Dass wir den Übergang von der Arbeitszeit in die Ruhephase nicht schon einige Jahre im Voraus verbindlich festlegen können.

Konkret heisst dies auch, dass wir bei der Planung die Hilfe von professionellen Beratern nicht ausschlagen sollten. Einerseits, damit wir möglichst viel aus dem gesparten Kapital herausholen können. Andererseits, weil die richtige Planung des so genannten dritten Lebensalters alles andere als banal ist. Ein Beispiel: Wer nicht genau weiss, wann er seine Arbeit niederlegen wird, ist gut beraten, eine möglichst variable Form von Vorsorge einzusetzen. So, dass er bei Bedarf bereits ein paar Jahre vor seinem 65. Geburtstag Rente beziehen könnte. Aber gleichzeitig auch so, dass ihm die Möglichkeit noch offen steht, auch einen stufenweisen Übergang (von 80 zu 60 zu 40 Prozent Arbeitspensum) in die Ruhephase zu planen.

Kommt dazu, dass das Leben meist noch etwas komplizierter ist: Sei es, weil man seinen Kindern möglichst viel hinterlassen möchte. Sei es, weil man seinen Lebenspartner absichern möchte. Oder sei es, weil man die selber aufgebaute Firma nicht an den Meistbietenden verkaufen möchte, sondern an jemanden, der sie weiter führt.

Fazit: Die Planung seiner Zukunft für die Jahre nach dem 65. Geburtstag ist recht komplex. Und - Hand aufs Herz: Es ist auch eine Sache, die uns zwingt, sehr persönliche Entscheidungen zu fällen. Beides fördert die nur allzu menschliche Neigung, diese Pendenz etwas «nach hinten zu schieben».

Klar ist aber: Wer sich damit beschäftigt hat, schläft nachher garantiert besser. Und wer weiss, dass er dabei eine Fachperson seines Vertrauens zur Seite hatte, grad doppelt so gut.

 

Von Paul Weibel, Leiter Einzelleben «Zürich» Versicherungs-Gesellschaft