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Die Schweiz gegen Alterung schlecht gerüstet

Die Schweiz gegen Alterung schlecht gerüstet

Demografischer Fitness-Index 2008 von Adecco zeigt Mängel auf.  Die Schweiz schneidet in der Rangliste unter den untersuchten europäischen Ländern am schlechtesten ab.
nrü. Die Schweiz müsste aufgrund des in Hochkonjunkturphasen jeweils rasch austrocknenden Arbeitsmarktes und der weit verbreiteten Klagen der hiesigen Betriebe über fehlende Fachkräfte auf den bevorstehenden demografischen Wandel eigentlich besonders gut vorbereitet sein. Dem ist aber im Urteil des Adecco-Institutes nicht so. Gestützt auf eine europaweite Befragung von 4000 Unternehmen, schneidet die Schweiz in der Rangliste des demografischen Fitness-Indexes unter den untersuchten europäischen Ländern am schlechtesten ab. Von 400 möglichen Punkten erreichen die hiesigen Firmen 172 Punkte (174 im Vorjahr), und sie kommen damit hinter ihre Kon-kurrenten aus Grossbritannien (186 Punkte), Deutschland (186), Italien (182), Spanien (180) und Frankreich (174), das im Vorjahr den letzten Platz belegte, zu liegen.

Lebenslanges Lernen von Vorteil

Der demografische Fitness-Index untersucht anhand der Bereiche Karriere-Management, le-benslanges Lernen, Wissensmanagement, Gesundheitsmanagement und Alters-Vielfalt, wie gut sich die Unternehmen mit Blick auf die alternde Erwerbsbevölkerung positioniert haben. Einzig beim lebenslangen Lernen weist die Schweiz einen überdurchschnittlichen Wert aus. Ins Hintertreffen gerät sie vor allem im Bereich Gesundheitsmanagement.

Obwohl sich die Autoren durch den Einbezug zahlreicher Faktoren um ein ausgewogenes Bild bemühen, weist der Index grössere Mängel auf. Es ist beispielsweise fraglich, ob der Umstand, dass Schweizer Firmen offenbar deutlich weniger häufig externe Berater beiziehen als die übrigen europäischen Betriebe, tatsächlich negativ zu werten ist (was beim Fitness-Index der Fall ist). Zugleich räumen die Autoren ein, dass das schlechte Abschneiden der Schweiz im Gesundheitsmanagement mit der Vorliebe des Landes für individuelle Lösungen zusammenhängt.

 So ist die Gesundheitsvorsorge hierzulande meist nicht betrieblich geregelt, sondern Privatsache jedes Arbeitnehmers. Auch die Tatsache, dass Schweizer Unternehmen im internationalen Vergleich überdurchschnittlich viele ältere Arbeitnehmer beschäftigen, relativiert das Adecco-Ranking. Bemerkenswert ist jedoch, dass die meisten Schweizer Arbeitgeber trotz der schlechten Ausgangslage offenbar keine Schwierigkeiten bekunden, vakante Stellen zu besetzen. 82% der Befragten geben an, die gesuchte Qualifikation zu finden, was deut-ich über dem europäischen Durchschnitt liegt.

Genug Fachkräfte dank Einwanderung

Wie Wolfgang Clement, Vorsitzender des Adecco-Institutes und ehemaliger deutscher Wirtschafts- und Arbeitsminister, an einer Pressekonferenz in Zürich ausführte, hängt dies vor allem mit den attraktiven Rahmenbedingungen zusammen. Günstige Faktoren - darunter ein hohes Lohnniveau und eine tiefe Steuerbelastung - ermöglichten der Schweiz, «Fachkräfte aus der ganzen Welt» anzuziehen. Doch dürfe sich die Schweiz nicht darauf verlassen, immer genügend Arbeitskräfte aus dem Ausland zu bekommen. Die Firmen müssten vielmehr die eigene Belegschaft fit halten.' Denn auch hierzulande werde sich die Altersstruktur bis ins Jahr 2020 deutlich verändern. Wie die Studie zeigt, wird die Generation zwischen 30 und 44 gegenüber dem Jahr 2000 um einen Fünftel abnehmen, während die Gruppe der 50- bis 64-Jährigen um einen Drittel zunehmen wird.

Insgesamt bezeichnen die Adecco-Autoren das Einstellverhalten der Firmen als ambivalent. Denn obwohl Studien belegten, dass ältere Mitarbeiter bezüglich Effizienz und Produktivität besser oder genauso gut wie jüngere Mitbewerber seien, übten die meisten Arbeitgeber bei der Einstellung von über 50-Jährigen Zurückhaltung.

Erschienen in der NZZ am 13.06.08
Abdruck mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.

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