Mein (Wal-)nussbaum
Er füllte mit seiner Form mein Zimmerfenster aus. Ich liebte den Blick in seine Krone, ob mit grünen Blättern geschmückt oder in seinem Winterkleid stehend. Die Symmetrie stimmte. Ich fühlte mich glücklich über diese ganz private Aussicht, die meinen kleinen Raum von aussen abschloss. Im letzten Jahr verschwand seine prächtige Krone vor meinem Fenster. Sein Holz war morsch; er fiel der Baumfräse zum Opfer. Mein Blick ging fortan ins Leere.
In diesem Jahr sind zwei weitere alte Nussbäume gefallen. Sie standen hinterm Bauernhaus. Die beiden Bäume, beherbergten im Lauf der Jahre unzählige Vogelbruten. Noch steht ein relativ junger Baumgeselle ganz am Rande des Geländes, auf fremdem Terrain. Er ist beladen mit grünen Früchten und vom Balkon aus schaue ich das frische Grün seiner Blätter, die all die vergangenen Wochen immer wieder vom Wind und Sturm zerzaust wurden, so dass es aussah als wogten grüne Wellen durch die Krone, die übrigens bis zum Boden reicht.
Ich habe mich mit ihm angefreundet. Kürzlich durfte ich von seinen Blättern pflücken. Sie haben ein wunderbares Aroma und helfen vortrefflich, die Gesundheit von Magen und Darm zu erhalten. Jegliches Bauchgrimmen weicht sofort nach Einnahme eines Blätterabsuds. Es gilt jedoch, die Blätter noch im Monat Juli zu pflücken. Dann ist deren Gehalt an Heilstoffen am höchsten. Das sind der Gerbstoff und die ätherischen Öle.
Seit seine Blätter bei mir zum Trocknen liegen, duchströmt ein feiner Duft die Wohnung. Sein Haupt auf ein Kissen mit Nussbaumblättern gefüllt betten, soll eine entspannende, beruhigende wenn nicht leicht betörendeWirkung haben.
Früher pflegten die Bauern bei Ihren Häusern einen Nussbaum zu setzen. Ihnen waren die volksheilkundlichen Anwendungen der Blätter und Nüsse noch bekannt. Ich beginne erstmals in diesem Sommer, mich mit ihm näher zu befassen. Während ich diesen Text schreibe steht auf meinem Arbeitstisch eine Schale mit getrockneten Nussbaumblättern. Die Fliegen haben sich verzogen und die Mücken taumeln leicht verwirrt an mir vorbei.
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Wissenswertes zu Juglans regia.
Nussbäume mit ihrer Pfahlwurzel, die tief in die Erde greift, können bis zu 150 Jahre alt werden, einige gar bis 400. Sie erreichen eine Höhe von 20-30 Metern. Generell ist der Baumbestand in der Schweiz in den letzten 50 Jahren um 75 Prozent zurückgegangen.
Der Baum und seine Geschichte
Der Walnussbaum hat eine lange Vergangenheit. Von Mittelasien herkommend, von den Griechen und Römern gepflegt und von letzteren über die Alpen zu uns gebracht diente er auch als religiöse Kultpflanze. Bei den Griechen war er dem Zeus geweiht, bei den Römern Jupiter.
Die Blütezeit
ist von April bis Mai. Die männlichen Blüten erscheinen als hängende Kätzchen gut sichtbar. Die weiblichen befinden sich an den vorjährigen Trieben.
Die Frucht
Baumnüsse, im September erntereif, enthalten eine wahrhaft konzentrierte Ansammlung verschiedener Vitamine, chemische Bestandteile (wie z. B. Aminosäuren), Kohlenhydrate, Mineralstoffe und reichlich Fett (50 – 70%).
Die noch grüne (unreife) Nuss hat sich auch als Likör einen Namen gemacht und wird in der Küche als grün eingelegte Nuss mit und ohne Zucker und vielfachen Zutaten verwendet.
Die Blätter und ihre verschiedene Verwendung
Wegen des bitteren Geschmacks von Holz und Blättern, sagt man, dass lästige Insekten wie Fliegen und Mücken und anderes Ungeziefer von Haus und Hof ferngehalten werden, auch aus Kleiderschränken und Betten.
Imker verwenden sie als Wachsmottenschutz.
In Militärkreisen, zu Zeiten als noch die rauhstoffigen "Exhosen" getragen werden mussten, empfahl es sich, vor langen Märschen mit frischen Nussbaumblättern in der Hosentasche dem "Wolf" (Wundreiben) vorzubeugen.
Die Nussbaumblätter bewirken Linderung und Heilung bei verschiedenen Beschwerden, sei es in der Frauenheilkunde, bei Herz- und Kreislauferkrankungen, hohem Cholesterinspiegel, Hautkrankheiten und zur Blutreinigung und noch einigen mehr. Walnussblätter sollen Mücken, Wanzen, Läuse vertreiben und Fliegen fernhalten. Sie vermögen sogar Mäuse zu vertreiben wo welche dem Mensch im Weg sind.
Im Mittelalter wurde der Nussbaum auch von der heiligen Hildegard geschätzt. Ebenso weiss Pfarrer Johann Künzle über Juglans regia zu berichten, u.a.:
„Gegen Leiden in den Mandeln, im Hals und im Kehlkopf kocht man 100g Blätter in 1 Liter Wasser. Diese Abkochung benutzt man eine Zeitlang als Gurgelwasser.“ Eine gleiche Abkochung könne man zum Haare waschen bei Haarausfall benutzen sowie bei Augenleiden, Frostbeulen und Krätze.
Vielfältig sind die Hinweise im Buch von René A. Strassmann (Baumheilkunde, AT Verlag).
So berichtet er, dass die zerriebenen Blätter auch für Räucherungen verwendet werden können. Damit hätte man im Mittelalter die Krankenzimmer parfümiert, ähnlich wie mit Rosmarin, Weihrauch oder Wacholder.
Die Blätter pflücken
Um die Blätter zu sammeln ist die Phase des abnehmenden Mondes angezeigt (wie bei Obst und Kräutern, die getrocknet werden sollen). Sie können frisch oder getrocknet verwendet werden. Bei frischen Blättern für Teeaufguss sollte man eine dreifache Menge nehmen.
Das Nussbaumholz
wird nach wie vor von Künstlern verwendet. Seine graubraune Struktur soll seit Jahrhunderten sehr begehrt sein. Es wird noch immer für Furniere, Möbel und Innenausstattungen benutzt, wie auch für Drechslerwaren, Musikinstrumente und Schachfiguren.
Quellen: http://www.waldwissen.net/
Pfr. Joh. Künzle, Das grosse Kräuterheilbuch
René A. Strassmann: Baumheilkunde
Bilder: rsu
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Nussbaum