Freizeit

Allein unterwegs in Thailand

Allein unterwegs in Thailand

Kein Urlaub unter Palmen und weder ein Trekkingtrip noch ein Abstecher in den Sünden-Pfuhl, sondern ein „Absacker“ in thailändisches Alltagsleben und zu sich selbst. Impressionen einer Reise ohne Programm und Begleitung.

Reisen mit leichtem Gepäck

Thailand, ich komme! „Ich wandere aus! Will mir das Land meiner Träume aber erst einmal ansehen, so ganz mit Musse und ohne festes Programm “, so der Ausspruch einer zu allem entschlossenen, mutigen Frau.  Ihr geliebtes Kätzchen war gestorben, die Kinder längst erwachsen, der frühere Arbeitslohn auf AHV-Normen zusammengeschrumpft und die neu gewonnene Freizeit, gepaart mit einer unstillbaren Neugier auf  Neues, Unbekanntes lockte weg vom geregelten Rentnertrott!

Und so wurde aus einem anfänglich vagen Wunsch alsbald konkrete Wirklichkeit. Dieses „ die Hände  will ich frei haben für alles, was sich mir bietet“ gipfelte alsobald im spartanischen Reisegepäck von zwei Rucksäcken. Im grösseren fanden 2 Paar Sommerhosen, 1 Paar Jeans, 3 Kurzarm- und 3 Langarm-T-Shirts Platz sowie zwei warme Pullis, Sandalen, die obligate Windjacke, Toilettenartikel, 1 wollener Shawl sowie einige Badetücher. Die notwendigen Ausweispapiere, Reisechecks samt Kreditkarte liessen im kleineren Bündel noch ausreichend Raum für eine Mini-Notfallapotheke und das nötige Kleingeld. Ein mehrstündiger Flug, ein lakonisches SMS „Thailand liegt mir für vier Wochen zu Füssen“ und eine geplant-unverplante Reise ohne Photoapparat, dafür mit allen fünf Sinnen konnte beginnen.

Ein Land des Lächelns…

 „Go over there“ und die Suche nach einem Flugzeug mit Destination Chiang Mai begann, denn dieses „there“ befand sich im riesig-neuen Flughafen von Bangkok einmal da und einmal dort. Das Bodenpersonal schien von Englisch ebenso wenig gehört zu haben wie seine Einreisende und ein kilometerlanger, 3-stündiger Irrlauf mit zwei baumelnden Rucksäcken auf einer zunehmend ärgerlich werdenden Touristin bahnte sich an.  Ein längeres, telefonisches Palaver, ein rasendes Taxi und eine ausgepumpte, so müde wie frustrierte Passagierin sank auf den allerletzten Sitzplatz, kritisch gemustert von mehr als zweihundert Augenpaaren: man hatte auf sie, die kleine Schweizerin, über den geplanten Abflug hinaus mehr als „sehr lange“ gewartet -- lächelnd!

Doch dann präsentierte sich das erste Etappenziel: die Stadt Chiang Mai. Der Rat von bereits erfahrenen Thaireisenden „nimm einfach ein Tuk-Tuk“ bietet ein erstes Schnuppererlebnis und mit dem 3-Radtaxi fährts sich gemächlich und sicher zum Gästehaus, dem einzigen Ort mit vorbestelltem Zimmer. Endlich duschen, die Beine ausstrecken und richtig ankommen ! In einem Gewusel von gleichgesinnten Rucksacktouristen im Alter zwischen achtzehn und fünfundachtzig Jahren entstehen mit einem „wo kommst du her und wo gehst du hin“ bereits erste zaghafte Kontakte und lassen ein Gefühl von Verlorenheit gar nicht erst  aufkommen. 

„Kin kao jang“ (hast du schon gegessen?)

Die müden Füsse sind ausgeruht, stecken wanderbereit in bequemen Sandalen und die angenehm warme Luft lädt zum ersten Bummel kreuz und quer durch die pulsierende Stadt.

 Thailand, GassenkücheFremdländische Düfte lassen asiatische Gaumenfreuden erahnen. Und in der Tat werden überall dort, wo Menschen und wenige freie Quadratmeter Gehweg sind, kurzerhand fahrbare Garküchen hingeschoben und die Wägelchen mit zwei Fahrradrädern entpuppen sich als rollende Herde, wo mit Holzkohle oder Gas gegrillt, gebrutzelt und gekocht wird. Thais essen mehrmals am Tag in kleinen Portionen und sorgen damit dafür, dass der grosse Hunger gar nicht erst aufkommt. Und so gibt es keine festen Essenszeiten; wer hungrig wird hat die Qual der Wahl zwischen Nudelsuppen, Reisgerichten, Fleischspiesschen oder einem gluschtig-farbigen Obstteller. Alles wird stets selber, wo nötig mit Handzeichen, ausgewählt, individuell zusammengestellt und sofort im Wok zubereitet.

Mit einem frisch gepresstem Früchtesaft, einem primitiven Holzrugel zum Sitzen in einer freundlich-liebevollen Umgebung allerorten kommt kein Weltbild mehr ins Wanken. Der bärtige, freundliche Kanadier schlürft genüsslich seine Suppe, während sich nebenan zwei junge Thais bemühen, Anzug und Krawatte nicht mit Fleischsaft zu bekleckern. Das ältere, französisch sprechende Ehepaar bugsiert derweilen vorsichtig die auf Zahnstocher steckenden Früchtestückchen in den Mund und scheint einem Schwätzchen mit einer Schweizerin nicht abgeneigt, wenngleich auch der französische Wortschatz für kaum mehr ausreicht als für ein paar Höflichkeitsfloskeln. Essen geht eben nicht nur durch den Magen, es eint auch, vom Banker, Strassenkehrer bis zum Tramper mit dem kauderwelschigen Dialekt. Man ist hier, man fühlt sich gut und kein Reiseleiter mahnt mit wehendem Fähnchen zu baldigem Aufbruch. Erholung pur und in keinem Reiseprospekt vermerkt.

Und getreu dem Wahlspruch „geschehen lassen, was auf mich zukommt“ nimmt die Entdeckungsreise ohne festes Programm ihren weiteren Lauf. Ein vorwitziger Blick durch die Luke eines Hauses - Fenster scheinen Luxusartikel zu sein – lässt erahnen, warum sich so viele Thais aus diesen Gassenküchen verpflegen und ihre Mahlzeiten jeweils in Plastiksäcken heimtragen. Der gesamten Familie steht lediglich ein einziger Raum zur Verfügung, der sich, je nach Tageszeit, zum Wohn- oder Schlafraum wandelt. Eine Küche würde unnötigen Luxus bedeuten, zumal Mann wie Frau einer auswärtigen Arbeit nachgehen muss und sie stellen  nicht selten ihre Kochkünste auch gleich beim eigenen Imbissstand unter Beweis.

Fortsetzung und Schluss 1. September 2008 

 

Kommentare

Bild des Benutzers Trachtemeitli

Liebe Margrit, ich fühle mit. Habe etwas ähnliches gemacht, zu Thailand, Laos kam Burma dazu. Allein lebt und erlebt man intensiver, so mein Empfinden. Es war wohl nicht Deine 1. Reise allein, oder? Darf ich fragen, wie alt Du bist? Wenn ich Antwort bekomme, freue ich mich sehr. Ein schönes Wochenende und liebe Grüsse. Verena
Bild des Benutzers muriel

Hallo, das scheint mir ein interessanter Reisebericht. Freue mich schon auf die Fortsetzung. Eine zögernde Frage, wo liegen die Orte? W, S, N, O von Bankgok? Alles Gute Muriel