Partnerschaft

Wie wir auf den Hund kamen - Beziehungen

Wie wir auf den Hund kamen - Beziehungen

Auf einmal fängt man an, es ist der Anfang der 70er Jahre, über Beziehungen zu reden, das Wort ist plötzlich modern, wird ganz gross geschrieben.

 

Man spricht sozusagen täglich von zwischenmenschlichen Beziehungen, die Frauenzeitschriften sind voll von Themen über Beziehungen zwischen Mann und Frau, Eltern und Kindern, Lehrern und Schülern. Ich, Janka, möchte zur Abwechslung über die Beziehungen zwischen dem Hund und seinem Rudel (Familie) plaudern. Und über selbige Mitglieder erzählen:

Er

Die erste Woche meines Hier seins vergesse ich nie. ER verhielt sich ein wenig gereizt. ER fand: so ein Theater um einen Hund. (Jahre später sagte SIEs 5-jähriger Enkel eines Tages: „Du Omi, ich habe gemerkt, dass es zweierlei Lüt gibt.“ SIE: „Wie bitte?“ „Ja, es gibt Hundemenschen und andere...“) Also, mein ER gehörte eigentlich zu den anderen. Wahrscheinlich fand er erstens: dass er plötzlich zu kurz kam und zweitens: das missfiel ihm. Inzwischen mag ER mich sehr.

Mittags, wenn er angefahren kommt, höre ich sein Motorengeräusch von weitem und will dann rauswischen zur Begrüssung. An Wochenende darf ich oft mit auf Bergtouren und so.  (Er hat auch nichts dagegen, wenn ich einen Hasen jage) Am Morgen sagen neue SAC-Mitglieder spöttisch: „Was willst du mit dieser halben Portion Hund?“ Er schmunzelt nur. Nach 10-stündiger Tour, die ich nur beim Klettern in seiner Kapuze verbringen musste, weil zu steil, sagen dann alle und wollen mich streicheln: „So ein tapferes Hündchen, läuft besser als die Grossen, unglaublich!“ Sie hören es: Den Menschen muss man immer alles BEWEISEN. Mit IHM darf ich Vieles, er verrät mich nicht. Wenn er sich zum Mittagsschlaf hinlegt, schwupps, hüpfe ich auf seinen Bauch und mache auch ein Nickerchen. Überhaupt: SIE meint, dass ich plötzlich mehr IHM gehöre als ihr, aber das ist nicht wahr. Ich gehöre dem ganzen Rudel. Nur wer jetzt der Chef ist, das lasse ich noch offen. Mal sehen.

Der Student

Er ist der älteste der Kinder und selten zu Hause. Das erste Mal, als er mich sah, behandelte er mich mit nachlässiger Herablassung. Er fand es unter seiner Würde, sich mit einer halben Portion Hund (so ein Seich: immer höre ich halbe Portion!) abzugeben, wie er sagte. Im Winter hatte der Ärmste Pech, er brach sich ein Bein und musste wochenlang liegen. Wer vertrieb ihm die Zeit? Wer hockte auf seinem Bett und lauschte den Spirituals, die er lauthals mitsang? Wer hörte ihm beim Lernen der blöden lateinischen Formeln zu? Wer liess sich herumbalgen? Sie haben es erraten: Die halbe Portion Hund.

Sein Bruder

ist ein Jahr jünger, aber höher oben. Seine Schuhe haben Grösse 46. Und so gross, wie seine Füsse, ist auch sein Herz. Und seine Hände können wunderbar streicheln und trösten. Wer sagte, dass er dann nie mit dem Hund nach draussen ginge? Richtig, er. Jetzt macht er an seinem freien Tag weite Spaziergänge mit mir und erzählt mir viel Verschlossenes. Ich höre verständnisvoll zu und nicke von Zeit zu Zeit. Besonders mag ich ihn, wenn er nach Landjägern oder so Ausschau hält. Ich meine jetzt die Würste, nicht die Polizisten. Er ist immer hungrig und immer fällt für mich etwas ab. Am liebsten sind mir nächtlich gebratene Spiegeleier, ich darf dann den Teller auslecken.

Sabine

ist zwölfjährig und hat die beste Art für Tiere. Bei ihr fühle ich mich reihum prima. Wir haben zusammen eine Augensprache entwickelt. Wollen Sie ein Beispiel? Merke ich, dass sie beabsichtigt, ins Bett zu gehen, schaue ich sie so lange mit tieftraurigem, leidendem Ausdruck an, bis sie mich mitnimmt. Wenn nicht und ich in der Küche in meinem Körbchen übernachten muss, produziert es aus mir ein winzigkleines Protestbächlein. SIE schaut dann am Morgen strafend zuerst auf mich und dann auf ihre Tochter, die natürlich von nichts keine Ahnung hat. Wenn sie in der Schule Ärger erlebt, wem erzählt sie den flüsternderweise? Mir, nur mir.

Das Kleinchen

ist das sechsjährige Schlusszeichen der Kinderschar. Ihre Beziehungen zu mir sind manchmal etwas rau, aber herzlich. Ich bin oft sehr beschäftigt, um ihr Gesicht von Tränen zu säubern (wenn es niemand sieht), die ihr im Umgang mit der nachbarlichen Kinderschar reichlich über die runden Wangen kugeln. Auch wenn ich zu ihrer Schwester ins Bett krieche statt zu ihr, ist sie nicht zufrieden. Aber man kann sich nicht vierteln, oder? Der Gerechtigkeit zuliebe liege ich dann manchmal sonntags, wenn sie am Lesen ist, auf der Bettdecke. Sie hören es richtig. Unser Kleinchen ist ziemlich firm: sie kann schon lesen und rechnen, alles der grossen Schwester abgeschaut.

So, das wärs für heute. Ich hoffe, Ihnen beim nächsten Mal hoffentlich eine Neuigkeit melden zu dürfen. Drücken Sie mir die Daumen! Es wäre der absolute Wahnsinn, wenn...

Fortsetzung folgt

 

Kommentare

Bild des Benutzers Manon4060

Hundegeschichten

Lustig und lebendig geschrieben.Unser 1,5jähriger Filou hat uns auch ganz schön im Griff. Mit seinen grossen Augen erreicht er immer wieder was er will!Ich bin gespannt auf die Fortsetzung. Lieber Gruss Edith Widmer
Manon