Können wir überhaupt noch geniessen, wie herrlich ein donner- und blitzgeladenes Gewitter Natur und Mensch zu reinigen vermag? Und sind wir denn in unserer chat-freudigen, anonymen Computer- und Internetzeit überhaupt noch in der Lage, miteinander sozusagen Auge in Auge zu reden über das, was uns wirklich beschäftigt? Oder befassen wir uns viel eher damit, uns vor derartigen Auseinandersetzungen zu drücken? Und womit ginge dies wohl besser als eben – mit anderweitiger Beschäftigung, mit Ablenkungen, Actions, Events und dergleichen mehr. Anleitungen, Angebote und sogar Therapien dazu gäbe es ja zuhauf, sodass wir im Dschungel derselben im Grunde bereits eine neue Art von Therapie kreieren müssten, um uns auch darin wiederum zurechtfinden zu können.
Es dürfte uns kaum gelingen! Ebenso wenig, wie unsere hochtechnisierte Welt imstande sein dürfte, das Wetter unseren Wünschen gemäss zu machen. Noch nicht?!
Aber wo holen wir uns Wärme, wenn sie ausbleibt? Wenn die Sonne zwar scheint, aber die Seele trotzdem friert und das Herz vor Einsamkeit und Unverstandensein zu erstarren droht? In Seminarien, aus Büchern wird viel darüber gelehrt und geschrieben und über den Verstand vielleicht aufgenommen, doch die wärmende Wirkung bleibt trotzdem meist aus. Muss ausbleiben, weil sie nur von Mensch zu Mensch weitergegeben werden kann. Weil wir uns immer wieder messen müssen an den Eigenheiten der anderen und weil sie es sind, in denen wir unser Spiegelbild erkennen können.
Es gibt Menschen, die uns helfen, dieses Spiegelbild zu sehen, zu akzeptieren und daraus wo nötig ein anderes zu machen. Es sind jene Lichtwesen, vielleicht sind es gar Engel inkognito, welche uns mit ihrem Licht erwärmen. Und sie geben es weiter, dieses Licht, ungefragt, freigebig, freiwillig und erwartungslos. Unsere Dankbarkeit dürfte wohl ihr einziger Lohn sein.
Ja, zugegeben, wer möchte nicht auch manchmal von einem solch strahlenden Licht durchdrungen sein, um es weitergeben zu dürfen an all jene, die seiner bedürfen und um selber warm zu haben...
Aber mitnichten ! Viele von uns scheinen zu jenen Menschen zu gehören, die anstelle dieses Lichtes lediglich einen Regenschirm tragen; einen grossen, wasserdichten zwar!
Und? Wird er nicht rege benutzt, dieser Schirm, gefragt und ungefragt? Kann man sich doch ganz selbstverständlich und je nach Bedarf einfach darunterstellen, kann selbigen auf seine Seite ziehen, ungeachtet dessen, dass der Schirmträger auf der anderen Seite nass wird. Versuchte er erst den eigenen Schutz zu verteidigen, würde dies meist lachend mit den Worten abgetan, dass er dessen ja nicht so bedürfe als absolut starke, wetterfeste Person. Und wer wollte dann seine Stand- und Wetterfestigkeit nicht beweisen!
Und so steht er, der mit dem Schirm, dann eben meist ganz patschnass und sprichwörtlich "im Regen da" und, zumindest einseitig, berieselt und allen widrigen (Wetter-)Verhältnissen ausgesetzt. So einfach ist das! Zumal sich unter diesem "Schirm" von den eigenen Sorgen und Sörgelchen wunderbar erzählen lässt, meist lautstark und ohne Gehör für anderes, geschweige allfälligen Bedürfnissen des Regennachbars.
Und wie sehr sich auch wünschen liesse, einmal auf der "anderen, trockenen" Seite zu stehen, so bleibt die Erkenntnis, dass nicht alle Lichtbringer sein können. Es muss auch Schirmträger geben, solche, die ihr eigenes, bescheidenes Lichtchen für sich selber behalten dürfen, vielleicht sogar müssen und eben - nur einen Regenschirm in der Hand halten.
Einen ausladend grossen, sodass eben auch zwei oder sogar mehrere Menschen ab und zu darunter Schutz und Geborgenheit finden vor der Unbill unseres Welten-Wetters! Und wenn erst die Sonne wieder scheint, lässt sich dieser Schirm samt Besitzer in die Ecke stellen – bis zum nächsten Regenguss. Und der kommt bestimmt! Zudem sind Schirmträger bekanntlich stets dort zur Stelle, wo sie gebraucht werden.
Vielleicht gehört es aber auch ganz einfach zu einer unserer Aufgaben, dass wir leben, damit andere leben können. Vielleicht gibt es Menschen, die zwar verändern möchten und sogar "wüssten" wie, die sich indes schlussendlich aber doch damit begnügen, einfach nur "da" zu sein, "bei-zu-stehen", damit wir nicht mehr getrennt sind voneinander. Und sie sind und bleiben die stillen Helden und Heldinnen unserer Welt, von denen niemand spricht und ihnen keine Krone verleiht, aber ohne die unser Dasein um vieles ärmer wäre.
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Nur ein Regenschirm...