Parallel dazu ist auch die Angst gewachsen, im privaten Bereich nicht mehr sicher zu sein. Überfälle durch immer jünger werdende Jugendliche, osteuropäische Einbruchbanden, Amokläufe von Menschen mit dem sogenannten Migrationshintergrund führen zu immer rigoroseren Schutzmassnahmen. Es reicht nicht mehr, abends das Licht anzulassen und Präsenz vorzutäuschen, es gibt wenig Sicherheit, Türen und Fenster einbruchsicher zu wissen und ein Safe im Kleiderschrank ist schnell aufgewuchtet. Waffen geben bekanntlich eine trügerische Ruhe, wie schnell sind sie in den Händen eines Angreifers, also sucht der immer schlechter schlafende Schweizer nach altbewährten Hausrezepten, die gegen die Sucht des Angsthabens vor irgendetwas und allem helfen können.
Unbewusst hat sich in den Köpfen ehemaliger Dienender ein Sicherheitsfaktor der einfachen Art gespeichert: Stacheldraht. Einfach, wirkungsvoll, günstig. Lange war er verboten, zu heftig und gefährlich sind die schnellen Verletzungen bei Mensch und bei Tier. Doch in Coop-Baumärkten gibt es ihn wieder, natürlich mit „Prix Garantie“, also für die Masse, 100 Meter für schlappe 29.90 Franken. Das ist wirklich keine Investition für ein ganzes Haus: 1 Franken für ein Fenster, 2 Franken für eine Tür, 15 Franken für den Garten, 4 Franken für den Kinderspielplatz, 7 Franken für den Vorplatz, das rechnet sich. Und mit einer zweiten Rolle wird das Ferienhaus verbarrikadiert, der Platz am Sandstrand bis zum nächsten Morgen frei gehalten, der Parkplatz von Unberechtigten gesäubert, eine zweite Linie gegen Nachbars Köter gezogen und ein paar Meter zurückbehalten für den letzten Schutz des Schlafzimmers.
Stacheldraht schafft Sicherheit. Coop sei Dank. Dass er bösartige und tiefe Wunden hinterlassen kann, ist einkalkuliert. Bello soll schreien, wenn ihm das Fell über die Ohren gezogen wird, schliesslich soll er im eigenen Garten sein Geschäft verrichten, fremde Kinder sollen blutig und mit Narben fürs Leben lernen, dass Kirschen in Nachbars Garten anderen gehören und wenn sich die eigenen verletzen, ist dies auch ein Lerneffekt, Grenzen zu beachten.
Und wenn man selbst per Zufall hineinstolpert, kann man ihn immer noch zu Coop zurückbringen, denn der dortige Kundendienst ist grosszügig und tauscht ihn sicher um mit einen kleinen Aufpreis gegen bald im Sortiment verfügbare Tretminen.
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Stacheldraht für's Volk