Benschj wurde am 28. Oktober 1991 in Bütschwil geboren. Eigentlich war er kein echter Schweizer, sein Vater war ein echter Schwede und seine Mutter kam aus Engelland, äh, England. Benschjis Züchter betrieben eine Besamungsstation für Kinder, uh, Entschuldigung, für Rinder. Sie wussten deshalb genau, dass eine Blutauffrischung manchmal vonnöten ist, um gesunde und schöne Tiere zu erzeugen. Das sei auch bei uns Menschen so, habe ich mir von einem Witzbold sagen lassen. Also profitierten Benschj und seine Geschwister von diesen Überlegungen: Sie waren besonders schöne, gesunde und liebe Hunde.
Als er geboren wurde, teilte er sein Nest mit zwei Geschwistern. Sie durften in der Küche neben dem immer warmen Kochherd ihre ersten Wochen verbringen. Während seine Geschwister die Farbe Tricolor trugen, war er fuchsrot und weiss. Mit zwölf Wochen wurde er nach Graubünden gebracht, wo eine Hündin namens Britta auf ihn wartete. Er tat gar nicht fremd und seine neue SIE wurde sein Ein und Alles. Benschj hatte nämlich eine Chow-Chow Seele, das heisst, für diese Hunde gibt es nur einen Menschen, den sie wirklich akzeptieren. Alle anderen sind ihnen relativ gleichgültig.
Britta rümpfte zwar ihr Näschen, als dieser Hund ankam. Es war doch prima, allein Hauptperson zu sein. Aber nicht lange danach nahm sie den kleinen Welpenrüden an und spielte mit ihm.
Und nun soll Benschji erzählen:
Als ich zweijährig war und Chef im grossen Haus und Garten, kam SIE auf die Idee, sich noch einen dritten Hund zuzutun. Uns hat sie nicht gefragt. Aber ich spürte, dass ihre Gedanken in Richtungen gingen, die nichts mit mir zu tun hatten. Also war ich noch anschmiegsamer und verfolgte sie wie immer auf Schritt und Tritt. Ich führte ein Willkommenstheater auf, auch wenn sie nur kurz zur Post gegangen war, damit sie merkte ... Sie wissen schon.
Und dann wurde KITTY gebracht.
Es war Liebe auf den ersten Blick. KITTY war ab gleich und sofort mein Alles und mein Ein. Und ich für sie auch. Die arme Britta beäugte uns misstrauisch und war nicht glücklich, in die zweite Liga absteigen zu müssen. Aber wer ist das schon?
Ich habe nur noch Augen für meine KITTY. Ich bin ja sonst ein Braver; aber von ihr lasse ich mich zu allem überreden: Sei es, dass wir zusammen SIEs Strickzeug um die Stuhlbeine wickeln, oder einen gelben Ball bis zum Waldrand verfolgen, sei es, dass wir zusammen junge Mäuschen in der Wiese ausgraben und als Beute heimbringen oder ein bisschen Hühnerjagen spielen – wovon SIE nicht gerade in Freudentänze ausbricht - wir bringen Betrieb in die Bude.
Zwei herrliche Jahre geht das so.
Dann – wurde KITTY von den Nachbarshunden zu Tode gebissen.
Ich lag bei ihr auf dem Bett, als sie starb. Mit ihr starb ein Teil meiner Fröhlichkeit. Nie wieder liebte ich einen Hund so sehr. Ich habe mich noch enger an SIE gekuschelt und die verschiedenen neuen Welpen immer mit einer gewissen Distanz beäugt. Es war keine neue KITTY darunter ...
Und jetzt – jetzt bin ich alt. Nach dem schönen Leben auf dem Land wohne ich in einer Alterssiedlung in der Stadt. Mit 14 Jahren so einen Wechsel durchzustehen, das schafft nicht jeder Hund. Aber ich hab’s geschnallt und auch sofort kapiert, dass hier Bellen nicht beliebt ist, also liess ich es bleiben. Jetzt bin ich ein glücklicher Hund. Zwar sehe ich nicht mehr alles und höre nicht mehr gut, aber das hat Vorteile. Vor allem die Silvester- und 1. August-Knallerei ist mir völlig gleichgültig geworden. Aber rennen und riechen kann ich noch wie ein junger Hund.
Mein leuchtend rotes Fell lässt mich immer noch aussehen wie einen kleinen Fuchs. Sie wissen: Wie der, der beim Kleinen Prinzen nur mit dem Herzen gut sieht ... Ich bekomme viele bewundernde Blicke und Aussagen. Mir ist das egal. Ich will nur noch bei IHR sein, Tag und Nacht. SIE ist mein Alles und manchmal sagt sie traurig: Bald wirst Du mich verlassen und in den Hundehimmel zu KITTY gehen. Wirklich? Zu KITTY? Dieses Wissen wird mir, eines Tages, wenn es dann so weit ist, den Abschied erleichtern. Sie hat mir versprochen, nie mehr einen Hund haben zu wollen. Also bin ich sozusagen ihre letzte Hundeliebe.
Das schrieb Benschji im Mai 2006.
Dann starb er im Alter von 16 Jahren.
36 Jahre haben mich Papillons begleitet. Ich wollte immer wieder eine andere Rasse dazu nehmen, prüfte die eine und andere – und kam immer wieder auf diese Rasse zurück. Diese Hunde haben mein Leben bereichert und ich bin sehr dankbar für die vielen schönen Stunden, die wir zusammen verbrachten, in denen ich Tieren ein gutes Leben schenken durfte. Wenn man sieht und hört, was Tieren alles angetan wird ... man könnte verzweifeln.
Ein Wort noch zum Abschluss:
Es wird eine Zeit kommen, da wird das Verbrechen am Tier genau so geahndet werden wie das Verbrechen am Menschen.
Leonardo da Vinci
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Mein letzter Hund