Foto (oben): Prof. Dr. Helmut Bachmaier
Träume – imaginäre Wunscherfüllungen
Die Fachbibliothek von Pro Senectute in Zürich lädt unter ihrer initiativen Leiterin Lisa Wyss Ribi periodisch zu Vorträgen, stets gekoppelt mit Publikumsdiskussionen und anschliessendem geselligen Beisammensein. Die letzte diesjährige Veranstaltung galt einem gern gesehenen Gast, seines Zeichens Professor an der Philosophischen Fakultät der Universität Konstanz und wissenschaftlicher Direktor der Tertinamum-Gruppe Schweiz, Dr. Helmut Bachmaier. Wer Bachmaier kennt, weiss um seine ungemein spannende Art, einen Stoff nicht nur vorzutragen, sondern ihn von allen möglichen Seiten her, manchmal sogar ausufernd, zu beleuchten. So auch diesmal. Es ging um Träume, also, nach Sigmund Freud, um imaginäre Wunscherfüllungen, die ein verdrängtes Begehren andeuten.
Traumdeutung als Demaskierung
Die Technik, die uns vom manifesten Trauminhalt zum versteckten Sinn des Traumes, zu den latenten Traumgedanken, führt, nannte Sigmund Freud „Traumdeutung“. Er selbst betrachtete die Traumdeutung als den „Grundstein der psychoanalytischen Arbeit“. Sein Buch „Traumdeutung“ erschien 1899 (vordatiert auf 1900) und wird heute noch als „Jahrhundertbuch“ apostrophiert. Man unterscheidet u.a. Konfliktträume, Träume als Orakel oder Warnung, Träume, die zum Anlass einer Handlung werden oder zur Selbsterkenntnis führen, schliesslich Tagträume und Phantasien. Im Leben nicht ausgelebte Wünsche unterliegen häufig einer Traumzensur, die mit Auslassungen und Umgruppierungen reagiert, sich maskiert. Erst der unkenntlich gemachte Wunsch darf geträumt werden. Folglich ist Traumdeutung die Demaskierung der Wünsche, also unserer Glücksvorstellungen.
Wenige Studien über Träume im Alter
Seltsamerweise gibt es nur sehr wenige Untersuchungen über Träume im Alter. Dies mag damit zusammen hängen, dass ältere Menschen offenbar seltener träumen, dass aber auch über die Trauminhalte ungern Aussagen gemacht werden. Da diese geträumten „imaginären Wunscherfüllungen“ nach Freud symbolisch ein verdrängtes Begehren andeuten, geben wohl ältere Menschen ihre geheimen Wünsche nicht mehr gerne preis. Interessant ist, dass Frauen offenbar mehr träumen als Männer.
Gibt es typische Altersträume?
Obwohl spärlich belegt, können bei älteren Träumern drei Gattungen beobachtet werden. Die erste besteht aus Menschen, die sich nicht mehr an ihre Träume erinnern können, die kaum mehr träumen: deren Wünsche müssen offenbar nicht mehr ersatzweise befriedigt werden. Bei der zweiten Gruppe ist eine konstante Abnahme von Traumhäufigkeit festzustellen. Die dritte Gruppe schliesslich leidet unter regelmässig wiederkehrenden Wunsch- und Alpträumen aus jüngeren Lebensjahren. Ernsthaft beachtet werden müssen Träume, die auf ein verfehltes Leben hinweisen und – nach ihrem Erkennen – zu Vernichtungsphantasien und Selbstmordgedanken führen können.
Träume in der Literatur
Die Weltliteratur ist voll von berühmten Traumbeispielen, die sich oft schon im Titel niederschlagen, z.B. bei William Shakespeare: Ein Sommernachtstraum (1595), bei Calderón de la Barca: Das Leben ein Traum (1634), Franz Grillparzer: Der Traum ein Leben (1834) oder im 20. Jahrhundert dann August Strindberg: Ein Traumspiel (dt. 1903) oder Arthur Schnitzlers Traumnovelle (1925) und viele andere.
Wer sich weiter in dieses hochinteressante Gebiet einlesen möchte, dem empfiehlt Bachmaier die Lektüre von „Träume in der Weltliteratur. Hrsg. Von Manfred Gsteiger, Manesse Bibliothek Zürich, 1999.
Bild Laura Weidacher
www.freud-biographik.de/traumb3.htm
www.de.wikipedia.org/wiki/Traumdeutung
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