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Schanzen, Loipen und viel Barockpracht

Schanzen, Loipen und viel Barockpracht

Wintersportanlagen, Winterwanderwege, die stille Landschaft um den Sihlsee und die barocke Klosteranlage: Die Region Einsiedeln ist Ausflugs- und Ferienziel von Sportlern, Touristen und Pilgern. Seite vorlesen (TEST VERSION)

Die Skischanzen sind unübersehbar. Am Dorfrand von Einsiedeln ragen sie in die Höhe, auf ihnen messen sich die besten Skispringer der Welt. Mit 90 Stundenkilometern donnern Simon Ammann und Kollegen über den Schanzentisch und fliegen weit über die 100-Meter-Marke. Der Turmlift zur grössten der vier Schanzen bringt Sportler und Gäste 120 Meter hoch zum Panoramaraum. Dieser bietet einen Ausblick aufs Klosterdorf, auf den Sihlsee, das Bergmassiv des Ybrig und auf die Glarner Alpen. Aufgrund seines Trainings- und Ausbildungsangebots für den Hochleistungssport ist Einsiedeln von Swiss Ski zum nordischen Leistungszentrum bestimmt worden.

auf der LoipeNicht nur aus dem Weltcupzirkus kommen Wintersportlerinnen und -sportler nach Einsiedeln. Das Dorf ist kaum vierzig Kilometer von Zürich entfernt; mit dem Zug ist es in einer knappen Stunde zu erreichen. Über hundert Kilometer markierte Abfahrtspisten, ebenso viele Kilometer Langlaufloipen und fünfzig Kilometer gepfadete Winterwanderwege stehen den Wintergästen in der Region Einsiedeln zur Verfügung. Das Dorf mit rund 9000 Einwohnern liegt auf 900 Metern: Wenn das Mittelland unter einer Nebeldecke versinkt, strahlt in Einsiedeln meist die Sonne von einem blauen Himmel.

Alles für Langläufer und Wanderer

Nahe beim Bahnhof beginnt die Langlaufloipe Bolzberg-Trachslau. Wer leicht hügeliges Gelände mag, nimmt die elf Kilometer lange Bolzbergloipe unter die Latten. Für Nachtschwärmer steht bis zehn Uhr abends die integrierte, vier Kilometer lange Nachtloipe zur Verfügung. Und wer es lieber gemütlich hat und Sonne sucht, nimmt die flache, zehn Kilometer lange Loipe hinein ins Alpthal in Angriff: Ebenwegs führt sie Richtung Trachslau, macht danach einen Bogen vorbei an Bächen, Bauernhöfen und Waldrändern und führt über Trachslau zurück ins Klosterdorf.

Entlang den Loipen verläuft auch der bequeme, ebene Winterwanderweg von Einsiedeln nach Trachslau. Er beginnt beim Bahnhof und ist ein kleines Stück des Jakobswegs auf der Teilstrecke Rapperswil – Schwyz. Zuerst führt er den Alpbach entlang, quert die Loipe und geht weiter auf dem Chlösterliweg übers freie Feld zum Benediktinerinnenkloster in der Au. Bänke am Chlösterliweg oder die Klosterkapelle laden zum Ausruhen und Verweilen ein.

Es führen viele Wege durch die Gegend

Kaum eine Stunde dauert die Wanderung nach Trachslau, immer über die offene Ebene, vorbei an einem kleinen See, am Bauernhof Rossmatt, an Ruhebänken, an den Loipen. Zurück gehts den gleichen Weg. Wer nach einer Stärkung in Trachslaus «Tändli», im «Rössli» oder in der «Burg» immer noch müde ist, nimmt das Postauto zurück nach Einsiedeln. Regelmässige Postautokurse erschliessen die ganze Region; mit dem Postauto lässt sich auch die Gegend rund um den Sihlsee erkunden.

Zwei Brücken – der Willerzeller Viadukt ist mehr als einen Kilometer, der Euthaler Viadukt etwa 400 Meter lang – führen über den Sihlsee und bedienen die Dörfer der Umgebung. Kleine Boote, befestigt an Stegen, schaukeln im Wasser. Schilf wächst am flachen Ufer oft weit ins Wasser hinein. Vorbeischwimmende Enten schnattern. Nicht überall ist der Uferweg für Spaziergänger zugänglich: Viele Privatgrundstücke haben direkten Seeanstoss.

Der Sihlsee ist mit elf Quadratkilometern flächenmässig der grösste Stausee der Schweiz. Seine maximale Tiefe beträgt 25 Meter, das Fassungsvolumen 92 Millionen Kubikmeter – eine unvorstellbare Menge: Ein Bruch der Staumauer würde in Zürichs Innenstadt eine acht Meter hohe Flutwelle verursachen. Nach vierzig Jahren Vorbereitungszeit – der Stausee entstand in einer Moorlandschaft, in der Torf gestochen wurde – wurde 1932 der Bau in Angriff genommen, fünf Jahre später der Betrieb. Heute fliesst der produzierte Strom hauptsächlich ins Zürcher S-Bahn-Netz.

Weit über die Landesgrenze hinaus ist Einsiedeln wegen seines Barockklosters bekannt. Dessen Geschichte beginnt 845, als der Reichenauer Mönch Meinrad im stark bewaldeten Gebiet des heutigen Klosters seine einsame Klause baute. Zwanzig Jahre später wurde er von Räubern erschlagen. Weitere Mönche zogen in die Gegend. Den Grundstein zum heutigen Benediktinerkloster legte gegen Ende des ersten Jahrtausends Eberhard, der Domprobst von Strassburg. Wenig später schon war Einsiedeln einer der wichtigsten Marienwallfahrtsorte in Europa. Die heutige Klosterkirche entstand in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Mit ihren Fresken und Stuckaturen gilt sie als Meisterwerk des Barock.

Noch immer ist Einsiedeln einer der bedeutendsten Wallfahrtsorte im deutschsprachigen Raum, auch wegen der Gnadenkapelle mit der schwarzen Madonna. In golden besticktem Gewand und mit einer Krone auf dem Kopf präsentiert sie sich mit dem Jesuskind im Arm. Diese Marienkapelle aus schwarzem Marmor steht im Eingangsbereich der Klosterkirche. Jeden Tag nach dem Vespergebet um halb fünf Uhr singen die Benediktinermönche darin das mehrstimmige «Salve Regina» – seit 1817 wurde diese Tradition nie unterbrochen.

Von Einsiedeln als Wallfahrtsort, der jährlich von Tausenden von Pilgern und Touristen besucht wird, zeugt auch die Umgebung des Klosters: Es gibt den St.-Benediktweg, den Weg zu St. Meinrad oder den Stationenweg, der die Leidensgeschichte Christi darstellt. Vor der Sandsteinfassade der Kirche mit den markanten Türmen erstreckt sich der gepflasterte Klosterplatz, auf dem die Bevölkerung alle paar Jahre «Das Grosse Welttheater» aufführt. Links und rechts der Klostertreppe reihen sich Souvenirläden aneinander: Rosenkränze, Kerzen, Engel, Weihwasser, Marienstatuen, Kreuze, Armbänder, Anhänger – alles gibts in allen Variationen.

Auch die Geschäfte blühen hier

Auch im Dorf werden Messgewänder und Kruzifixe, Papstbüsten und Rosenkranzetuis, Jesusfiguren und Weihwassergefässe angeboten. Das Diorama «Bethlehem», eine der grössten Krippen der Welt, zeigt mit über 450 Figuren die Weihnachtsgeschichte in der detailgetreu nachgebauten Umgebung von Bethlehem. Das Panorama «Kreuzigung Christi» ist ein Rundgemälde von hundert Meter Länge und zehn Meter Höhe und stellt die Stadt und Landschaft von Jerusalem und die Kreuzigungsszene dar. Und schliesslich gibt es noch das Lebkuchenmuseum «Goldapfel»: Es zeigt Backstubengeräte und alte Holzmodel, mit denen die traditionellen «Schafböcke» hergestellt wurden. Einst ein Pilgergebäck, sind sie heute ein beliebtes Mitbringsel aus Einsiedeln.

Weitere Informationen

Auskunft über die Region gibt Einsiedeln:
Tourismus, Hauptstrasse 85, 8840 Einsiedeln, Telefon 055 418 44 88, Fax 055 418 44 80, Mail info@einsiedeln.ch, Internet www.einsiedeln.ch

Direkte Auskünfte über die Langlaufloipe Bolzberg-Trachslau (Skivermietung, Langlaufschule) gibt es unter der Telefonnummer 055 422 04 35 oder im Internet unter www.loipe-bolzberg.ch

Klosterführungen finden täglich um 14 Uhr statt (ohne Sonn-und Feiertage). Sie kosten CHF 15.– und dauern 90 Minuten. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Internet: www.kloster-einsiedeln.ch