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Mehr Seniorinnen und Senioren ins Netz!

Mehr Seniorinnen und Senioren ins Netz!

Nur etwa 23 % der Bevölkerung über 65 Jahre nutzen das Internet, es besteht ein digitaler Graben zwischen Jung und Alt. Das Netzwerk „Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT)  im Alter" will dazu beitragen, den digitalen Gaben zu schliessen. 
 

IKT im AlterDas Netzwerk „IKT im Alter" wird getragen von Pro Senectute Schweiz, dem Schweizerischen Seniorenrat SSR und von Seniorweb. Walter Wenk, bis vor kurzem CEO von Seniorweb, ist Vorstandsmitglied dieses Netzwerkes. Um herauszufinden, weshalb so wenige ältere Menschen das Internet nutzen, hat der Vorstand des Netzwerkes an verschiedenen Schweizer Hochschulen Studien in Auftrag gegeben.

Grosser Nutzen, aber auch...

Wie Walter Wenk in einer Präsentation zu Recht festhält, können Informations- und Kommunikationstechnologien gerade im Alter das Alltagsleben sehr erleichtern. Das Internet bietet Zugriff auf wichtige Informationen und interessante Möglichkeiten für Menschen mit beschränkter Mobilität. Und das Internet kann alleinstehenden, isolierten älteren Personen auch eine soziale Absicherung ermöglichen.

Wenk bei IKT im Alter.....hohe Barrieren

Wenn nur relativ wenige Seniorinnen und Senioren das Internet nutzen, kann man über die technologiefaulen „Alten" schimpfen. Aber man kann  - ohne den Ergebnissen der in Auftrag gegebenen Studien zu sehr vorgreifen zu wollen - doch einmal die grössten Hemmschwellen für eine höhere Nutzung des Internets im Alter auflisten: 

 

  1. Hemmschwelle, sich überhaupt auf diese fremde Technologie einzulassen. Gegenmittel: Grundausbildung und Weiterbildung.
  2. Mangelndes technisches Wissen: Frage des Supports beim Kauf und dann vor allem bei der Installation der Hardware und Konfiguration des Computers.
  3. Nach wie vor zu wenig benutzerfreundliche Technologie (Hard-und Software), es fehlt weitgehend an niederschwelligen Einstiegsangeboten.
  4. Hemmschwelle Kosten (Anschaffung ist immer noch relativ teuer, ebenso der Zugang zum Internet).
  5. Pannenhilfe: Wo und zu welchem Preis?
  6. Und nicht zuletzt die im Internet lauernden Gefahren und Risiken wie Viren, Würmer, Spyware, Trojaner. 

Zusammengefasst: Zu aufwendig (bis man überhaupt im Netz ist), zu kompliziert (Betriebssystem, Software), zu teuer (Anschaffung, Zugang zum Internet, Hilfe und Support), zu gefährlich.

 

Mr. Auto (aboutpixel.de)Bild: Mr. Auto (aboutpixel.de)

Autoindustrie: Produkte für alle

Meine Analyse stützt sich in erster Linie auf eigene Erfahrung, aber auch auf die Erkenntnisse, wenn ich regelmässig die Beiträge im PC-Forum und im Expertenforum von Seniorweb verfolge: Hard- und Software sind zu komplex und zu kompliziert, und die ständigen Updates und Upgrades erschweren die Aufgabe gerade von Usern, die keine Affinität zur Technik haben (unabhängig vom Alter) noch zusätzlich. Die Ursache ist klar, wenn man sich den Unterschied zwischen Auto- und IT-Industrie vergegenwärtigt. Die Autoindustrie hat praktisch von Anfang an Produkte für alle hergestellt. Um ein Auto fahren zu können, sind kaum technische Fähigkeiten gefragt. Was unter der Motorhaube passiert, ist mir egal,  Hauptsache das Auto fährt. 

Computer (aboutpixel.de)Bild: Computer (aboutpixel.de)

IT-Industrie: Produkte von  Fachleuten für Fachleute

Ganz anders die IT-Industrie. In den Anfängen produzierte sie ausschliesslich für technisch versierte Fachleute; in den Firmen gab es spezialisierte Computerabteilungen, der normale Sterbliche kam mit dieser Technologie überhaupt nicht in Kontakt. Erst Jahrzehnte später entwickelte sich der Computer zu einem Arbeitsinstrument für jedermann. Allerdings standen am Arbeitsplatz auch den technisch weniger versierten Usern Spezialisten oder sogenannte Super-User zur Seite, Hilfe und Support waren praktisch immer und überall verfügbar. Konsequenz: Die IT-Industrie musste noch nicht gross Rücksicht nehmen auf Benutzerfreundlichkeit ihrer Produkte. Irgendwann und vor gar nicht allzu langer Zeit wurde aber der Computer (vor allem der Laptop) zum Massenkonsumgut, aber die Hersteller von Hard- und Software haben es offensichtlich noch nicht geschafft, diese Massenkonsum-tauglich zu machen. Vor allem haben sie immer noch den jungen Freak vor Augen, der einfach alles und öfters mal was Neues haben will. Sie haben aber nicht (oder nur teilweise) realisiert, dass mit der zunehmenden Alterung der Gesellschaft ein neues und immer wichtigeres Kunden-Segment mit ganz anderen Ansprüchen und Bedürfnissen heranreift.

 

Logo Seniorweb

Seniorweb als Freund und Helfer

Deshalb bildeten sich überall Selbsthilfe- und Usergruppen, wo man sich austauschen und Hilfe holen kann, es gibt Computerzeitschriften, es gibt spezielle Rubriken bei den Tageszeitungen usw. Und natürlich gibt es auch die Hotlines von Software- und Hardwareanbieter, die aber häufig mit den Ratsuchenden auf einem zu hohen technischen Niveau kommunizieren und vielfach teuer sind. Eine Selbsthilfegruppe  speziell für ältere Semester ist auch Seniorweb mit dem Expertenforum und dem PC- bzw. Mac-Forum. Und man kann den Seniorweb-Experten Clinton S. Yasler - gegen Entschädigung - auch beiziehen, wenn es zum Beispiel darum geht, einen neuen Computer zu evaluieren, zu installieren und zu konfigurieren. Ich habe seine Dienste in Anspruch genommen und musste nach fast 8-stündiger Arbeit ehrlich eingestehen: Allein hätte ich das nie und nimmer geschafft.

 

Clinton S.Yasler

Drei Fragen an Clinton S. Yasler
Ø  Weshalb können die PC nicht so ausgeliefert werden, dass sie ohne technische Hilfe installiert werden können und dann auch tadellos funktionieren?

Ø  Weshalb sind auf einem PC ein Haufen Programme vorinstalliert, die nutzlos sind und die man in mühseliger Kleinarbeit wieder deinstallieren muss?

Ø  Und: Ist damit zu rechnen, dass die IT-Industrie irgendwann einmal merkt, dass es unter den Usern (ob alt oder jung) auch solche gibt, die technisch nicht so beschlagen sind, und die nicht etwas Komplexes und immer Neues haben wollen, sondern einfach eine Kiste, die man ans Netz und an die Strombuchse anschliesst und die dann nur noch läuft und läuft und läuft .....?

 

Und das sind die Antworten von Clinton: 

Zu Frage 1

Ein neuer PC kommt nicht vorinstalliert, sondern enthält lediglich die Dateien - ein sogenanntes Image - die zur Installation notwendig sind. Der Grund liegt einerseits darin, dass noch gewisse Benutzereinstellungen, zum Beispiel die Auswahl der Sprache, vorgenommen werden müssen. Andererseits müssen auch die Systemkomponenten, zum Beispiel Grafikkarte, Soundkarte etc., mit den richtigen Treibern installiert werden. Die Computer vorinstalliert auszuliefern, wäre für die Hersteller sehr aufwendig, da dann bei jedem Wechsel einer Komponente, wie etwa ein anderes Modell einer Grafikkarte oder Soundkarte, vom Hersteller ein neues 'Mustersystem' erstellt werden müsste. Nun, wenn also der Käufer den PC das erste Mal einschaltet, wird die Software - in erster Linie das Betriebssystem, zum Beispiel Windows Vista - aus den oben erwähnten Image-Dateien installiert, dies dauert normalerweise rund eine Stunde. Dabei kann es bisweilen natürlich auch zu Schwierigkeiten kommen, etwa, wenn eine nicht oder ungenügend getestete Komponente (zum Beispiel ein neues Modell einer Grafikkarte) verbaut wurde und dafür nicht die richtigen Treiber vorhanden sind. Trotzdem klappt diese Grundinstallation in der Regel ziemlich problemlos.

Besonders ärgerlich ist allerdings, dass die Hersteller oft Unmengen an unerwünschter oder überflüssiger Trial- oder Demo-Software (Probeversionen, die meist nur für einen begrenzten Zeitraum oder in beschränktem Funktionsumfang kostenlos nutzbar sind) in die Images mit hinein packen, welche bei der Installation des Grundsystems gleich mit installiert werden. 

Zu Frage 2

Diesen „Haufen" kann man analysieren und in drei Kategorien aufteilen:

Virenschutz: Ein neuer PC enthält fast immer einen vorinstallierten Virenschutz. Dieser ist in der Regel eine bestimmte Zeit lang (z. B. 60 Tage) kostenlos, danach wird man vom Programm aufgefordert, eine Lizenz zu erwerben. Es empfiehlt sich, diesen vorinstallierten Virenwächter gleich von Beginn weg zu entfernen und auf - für Privatanwender meist kostenlose - Alternativen umzusteigen. Ausserdem problematisch: Viele Anwender vergessen, sich nach Ablauf der Testphase um eine Alternative zu bemühen oder die Lizenz zu kaufen. Andere wiederum ignorieren die Warnungen der Software und glauben, auch weiterhin geschützt zu sein. In beiden Fällen ist kein aktueller Virenschutz mehr vorhanden. Die meisten Benutzer kaufen die Lizenz allerdings einfach, um 'Ruhe zu haben', genau wie von den Herstellern beabsichtigt. 

Spiele: Vielfach finden sich auf einem frisch installierten Computer verschiedene Demo-Versionen von Spielen, welche zum Beispiel nur eine gewisse Zeit oder bis zu einer gewissen Stufe spielbar sind; wer das komplette Spiel spielen möchte, wird wiederum zur Kasse gebeten. Auch hier empfiehlt es sich, diese Speicherplatzfresser gleich zu Beginn zu entfernen. 

Tools (Hilfsprogramme): Sie stammen oft aus dem Hause des Herstellers selber, manchmal auch von Drittanbietern: Verschiedene kleine Programme, die einem eigentlich das Leben erleichtern sollten, meist aber ebenfalls nur Speicherplatz brauchen und das System verlangsamen. Im Falle von Demo-Versionen von Drittanbietern ist die volle Nutzung wie immer kostenpflichtig. Empfehlung: Weg damit. Kurzum: Der neu gekaufte Computer kommt zugepflastert mit unerwünschter Software, welche nicht nur das System in die Knie zwingt, sondern meist nach Ablauf einer gewissen Zeit auch noch kosten soll. Darüber, weshalb dies so ist, lässt sich spekulieren; es liegt allerdings die Vermutung nahe, dass die Computerhersteller sich die Geräte durch die Installation solcher Trial- und Demo-Software gewissermassen subventionieren lassen. Positiv formuliert könnte man argumentieren, dass dies quasi den Preis der Geräte mindert und die Computer ohne die vorinstallierte Probe-Software entsprechend mehr kosten müssten. Als grobe Schätzung dürfte sich die Differenz dabei im Rahmen von rund 20 % bewegen. 

Zu Frage 3

Die Industrie als alleinigen Schuldigen anzuprangern, entspricht wohl nicht ganz der Realität. Im Rahmen der heutigen 'Geiz-ist-geil-Mentalität' sind der Industrie praktisch die Hände gebunden: Der Konsument selbst will möglichst viel haben und möglichst nichts dafür bezahlen. Das gilt mit Sicherheit nicht für alle Konsumenten, aus Sicht der Industrie wohl aber für den Grossteil. Auf eine Besserung im Sinne der Fragestellung lässt vielleicht der aktuelle Trend zu Netbooks oder ähnlichen, weniger leistungsstarken und mit eher eingeschränktem Anwendungsumfang ausgestatteten Geräten hoffen. 

Soweit Clinton S. Yasler, Online-Computer-Supporter von Seniorweb und Geschäftsführer der Computerschule SurfingSenior. 

Seniorweb PanikknopfGeringe Hoffnung auf benutzerfreundlichere IT-Technologie - da bleibt als Trost nur noch die Vision von Walter Wenk, Ex-CEO von Seniorweb: 

 

 

Links:
 
Online-Computersupport auf Seniorweb 

IKT im Alter

Muss heute wirklich jeder ins Internet?

 

 

 

Kommentare

Der Kommentar von Bernhard ist mehr als berechtigt. Ich habe mit der Kommunikations-Technik weitgehend dieselben Erfahrungen gemacht wie er: Benutzerunfreundliche Geräte, überflüssiger Schnickschnack, meistens schlechte oder noch schlimmer keine brauchbare Unterstützung seitens der Hersteller und Anbieter. Aber offenbar läuft das Geschäft trotzdem. Manchmal frage ich mich schon, ob ich all das Zeug wirklich brauche. Ich habe meine Ansprüche entsprechend reduziert. Der PC ist für mich in erster Linie Schreib- und Buchhaltungsmaschine. Daneben beschränke ich mich im Internet auf das Aufsuchen einiger weniger Websites. Nebenbei: Auch beim Seniorweb habe ich oft das Gefühl der Überfülle.
Bild des Benutzers Bernhard Schindler

Ob Internet, Telefon, Radiowecker oder Television. Die heutigen Geräte kranken alle daran, dass sie viel zu viel bieten, vor allem Sonderwünsche erfüllen,was der Einzelne überhaupt nicht will. Für mich würde ein Telefon genügen, wie es meine Eltern noch hatten: Immerhin konnten sie über die Zahlenscheibe schon selber ihren Anschluss wählen. Aber sonst diente das Telefon einfach zum Zuhören und gegensprehen. Wenn niemand abnahm, war niemand zu Hause. Oder wollte gerade nicht gestört werden. Heute blinkt mein Telefon, wenn in meiner Abwesenheit jemand angerufen hat. Auf einer Combox wäre, wenn ich wüsste wie bedienen, die Stimme irgend eines Monsieur X oder einer Madame Y zu hören, die mir in aller Regel etwas verkaufen wollen. Will ich das? Keineswegs. Also raus mit der Combox. Aber wie? Mit meinem Computer will ich im Internet surfen und mit Leuten kommunizieren. Auch will ich druckfertige Digitalfotos verschicken. Aber ein auf meine Bedürfnisse angelegtes Gerät gibt es nicht. Vielmehr muss mein Computer auch Computersp\"games\" aufnehmen können (die bei uns zu Hause niemand spielt), ich muss Filme auf dem Bildschirm sehen können, was ich nie machen würde, der Bildschirm ist zu klein. Radioprogramme sollen aus meinem Compi klingen, dabei habe ich ja ein Radio. Leider keines mehr wie früher mit sechs relativ gut hörbaren, ungestörten Telefonrundfunk-Sendern, sondern eines, das man speziell einstellen muss, das angeblich geräuschfrei ist, sofern man versteht, wie das Radio einzustellen ist. Macht für uns Senioren einfache Geräte, die unseren Bedürfnissen entsprechen. Und nichts anderes. Herzlichen Gruss an die Autoiindustrie - wenn Sie schon keine Autos mehr verkaufen können, dann bringen Sie doch Ihre Kenntnisse des einfachen Funktionieren ein in all die anderen nützlichen Gegenstände des täglichen Lebens, die mir verschlossen bleiben, weil ich sie nicht bedienen kann. Bernhard