Kultur

Ein neuer Verlag, ein erstes Buch: Eindrücklicher Start!

Ein neuer Verlag, ein erstes Buch: Eindrücklicher Start!

Der 93-jährige Bankier Dr. Hans Vontobel im Gespräch mit der Wirtschaftsredaktorin Susanne Giger – trotzdem kein (ausschliessliches) Wirtschaftsthema. Die erste Publikation des neuen Römerhof-Verlags Zürich.

Am 24. Februar aus der Taufe gehoben

Der Römerhof-Verlag Zürich präsentiert am Tag nach seiner offiziellen Taufe mit einer lebendigen, spontanen und spannenden Vernissage sein erstes Buch.

Das Verlagscredo: Wir veröffentlichen spannende Biographien über Menschen, die Aussergewöhnliches geleistet oder erlebt haben – für Menschen, die anregende Lektüre schätzen und Wert auf sorgfältig recherchierte Fakten legen.“

„Hans Vontobel – Bankier, Patron Zeitzeuge“ – dieser erste Titel des Verlags, hat es bereits in sich: Er ist eine kurz gefasste Metapher für den Inhalt, den Gehalt, die Haltung des Buchs. Der Bankier ist ein Mann der Wirtschaft, der auf seinem Gebiet erfolgreich Grosses geleistet hat. Patron steht für den leidenschaftlichen, tiefgründig nachdenkenden Menschenführer, der nicht nur Effizienz fordert, sondern, noch heute, als 93-jähriger Ehrenpräsident der bekannten Privatbank, den Menschen im Mitarbeiter sucht (und auch immer wieder an seinem Arbeitsplatz aufsucht). Der Zeitzeuge schliesslich überblickt nicht nur im Ganzen acht Wirtschaftskrisen, sondern auch kulturelle, gesellschaftliche, allgemein menschliche und historische Erfahrungen und Erlebnisse mit der Natur, auf Wanderwegen, auf Auslandsreisen. Das alles macht schon einen grossen Teil der Würze, der Spontaneität, des Reichtums dieser nicht alltäglich gestalteten Biografie aus.

Sieben Gespräche an sieben Schauplätzen

Susanne GigerAutorin Susanne Giger

Die Buchautorin Susanne Giger, Wirtschaftsredaktorin am Schweizer Radio DRS, hat sich am Anfang vom abwehrenden Wort Hans Vontobels: „Man kommt auf die Welt und geht von dieser, da braucht es kein Buch“, nicht abwimmeln lassen. Mit sicherem Gespür – so darf man annehmen – für die Bedeutung, die der vitale, energische und körperlich wie geistig leistungsfreudige Mann äussern Orten seines Lebens beimisst, hat sie ihn bewogen, an eben diesen sieben Schauplätzen sich mit ihr zu intensiven Gesprächen zu treffen. Hauptsächlich finden diese Begegnungen 2008 statt. Kein Wunder, dass der Wirtschaftsmann ausführlich zur achten Finanzkrise Stellung nimmt, die er jetzt erlebt.

Susanne Giger hat nicht einfach aufgrund ihrer Recherchen eine Biografie geschrieben. Sie hat vielmehr Gespräche einfühlsam protokolliert und wiedergegeben. Das Resultat weckt Staunen! Immer wieder flicht sie kleine aphoristische Einschübe in ihren Text: „Er vertreibt mir der Hand die brummende Fliege“. So, wie das eben im langen, ausführlichen und intensiven miteinander Reden vorkommen kann, ganz unwillkürlich, weil vielleicht zuerst das Auge abschweift und dann der Sinn dem wandernden Blick folgt. Das gehört mit zum erstaunlichen Bild, das sich dem Leser öffnet: Die Zweisamkeit des erfahrenen Zeitzeugen, der von sich selber sagt, dass er nicht vor dem 90. Lebensjahr älter werden wollte, und der jungen Frau, im Alter ungefähr seiner Enkelinnen. Ein schönes Erlebnis. Gegenseitige Wertschätzung und Hochachtung, abwechselndes aufeinander Eingehen, nicht ohne Witz, manchmal auch mit Ironie, immer aber mit spürbarer Wärme – das überträgt sich auch an der Vernissage des 25. Februars unmittelbar auf die unübersehbare Zahl der Gäste.

Ein Buch über Finanzwirtschaft? Eine Biografie eines der erfolgreichsten Privatbankiers?

Hans VontobelDr. iur. Hans Vontobel

Ja, das erwarteten wir wohl alle. Und von Wirtschaftskrisen, vom Bankgeheimnis, von den Grundsätzen erfolgreicher Finanzwirtschaft ist auf prägnante Weise immer wieder die Rede. Natürlich ist Dr. Hans Vontobel einer der erfolgreichsten Privatbankiers der Schweiz und über die Landesgrenzen hinaus. Wer das Buch jedoch deshalb ins Gestell zu den Wirtschaftspublikationen einordnete, hätte es entweder nicht ganz gelesen oder nicht ganz verstanden. Nicht die Erfahrungen des Finanzmannes sind das Wesentliche am Buch, sondern die Weisheit, die der Mensch Hans Vontobel aus seinem Wirken und Erleben verdichtet hat.

Wie kommt man im Leben zur Weisheit?

Nein, dass man im Alter notgedrungen weise wird, ist ein schönes Märchen. Weise wird man erst durch Zuhören, Zusehen, Handeln, Schlüsse ziehen und Erkenntnisse im Herzen (und ein wenig auch im Kopf) bewegen. Man ist versucht, einige Kernsätze zu zitieren, die Hans Vontobel ausspricht. Die Auswahl ist so zufällig wie willkürlich: „Meine ältere Enkelin lief auch in einer gewissen Phase mit grünen Haaren herum. Ich habe darüber kein Wort verloren.“ – „Es gibt eine Vernunft in den Dingen. In der Geschichte korrigiert sich immer wieder alles aus sich selbst.“ – „Wichtig ist doch – genau wie in einer Gemeinschaft zwischen Mann und Frau – grosszügig zu sein, Vertrauen zu haben, gross zu denken.“ – „Was ich brauche, sind Menschen, nicht Zahlen.“ – „Am Ende sind nur die wenigsten Dinge wirklich wichtig.“

„Lob des Herkommens“

Hans Vontobel ist aus vollem Herzen Zürcher. Stadtzürcher vorerst, aber seine Herkunft wurzelt im Zürcher Oberland. Er liebt die Orte der Stadt, „Öpfelchammere“, Rindermarkt, Froschauer Gasse und Kronenhalle. Es zieht ihn aufs Land, zu den Hügeln und Voralpengipfel des Zürcher Oberlands. „Ich starte zum Wandern mit einem grossen Problem – und je länger ich laufe, um so kleiner wird es“, sagt er.

Eine andere Art des Herkommens prägt ihn, sein Leben und sein Handeln: Wie alle, deren Geburtsjahr vor Beginn des Zweiten Weltkriegs liegt, ist er geprägt vom Bildungsideal des 19. Jahrhunderts: Humanistische und juristische Bildung, so meint er, müsste wieder von den Spitzenkräften auch der Wirtschaft verlangt werden. Es bringt gerade uns Älteren eine gewisse Genugtuung, das zu hören. Es hindert Hans Vontobel aber nicht daran, trotz seiner Aufforderung, alte Tugenden und Werte wieder hervorzuholen, uns zuzurufen: „Auf die Jungen setzen!“ und „...wir waren damals auch nicht besser!“ „An sich selbst glauben!“

„Die Pensionierten sind die Treuesten“

Über das Älterwerden und dessen Formen und Zustände macht sich Hans Vontobel nicht nur Gedanken. „Man ist sehr einsam im Alter“. Zwar formuliert er Ursachen und sieht auch Lösungsansätze im Zusammenhang mit dem Problem „Überalterung“. Noch mehr aber handelt er: 1990 gründet er die Stiftung „Kreatives Alter“. (Bericht Seniorweb von der 9. Preisverleihungsfeier.) Einsendeschluss für das diesjährige Preisausschreiben ist der 30. April 2009.

Doch auch körperlich setzt er sich mit dem Älterwerden auseinander: Vom Wandern war schon die Rede, dazu kommen häufig eine Stunde Schwimmen und weitere sportliche Betätigungen.

Der 8. Schauplatz

An sieben Schauplätzen fanden die Gespräche des Buchs statt. Der 8. Schauplatz war der grosse Saal des Zunfthauses zu Schmieden in Zürich. Veranstalter war eigentlich das Literaturhaus Zürich. Des grossen Andrangs wegen musste die Buchvernissage in ein grösseres Lokal verlegt werden. Prof. Georg Kohler hielt das einstimmende Einführungsreferat, Christina Heer und Alexandra Horat umrankten die Gespräche mit Harfen-Wohlklang. Susanne Giger und Hans Vontobel sassen am Tisch, wie vermutlich damals beim ersten der Treffen in der „Kronenhalle“. Ein glücklicher Gedanke, ein wenig von Atmosphäre bei der Entstehung des Buches dem Auditorium nahe zu bringen!

Das Buch

Susanne Giger:

Hans Vontobel – Bankier, Patron, Zeitzeuge

Hardcover, 208 Seiten mit zahlreichen Photografien

CHF 38.00, EUR 24.90

ISBN 978-3-905894-01-1

Römerhof-Verlag Zürich

2008

Link zum Buch

 

Römerhof-Verlag Zürich

Stiftung Kreatives Alter

Bericht Seniorweb von der 9. Preisverleihungsfeier

Preisausschreiben 2009