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Neues Beobachter – Geldbuch

Neues Beobachter – Geldbuch

Wirtschafts- und Finanzkrise, Riesenverluste an den Börsen, uferlose Staatsverschuldungen. Da kommt wohl das neue Beobachter-Geldbuch gerade richtig. Erfüllt es die Erwartungen? Ist es nicht ein Schönwetterbuch?

 

Alles dreht sich ums Geld

Geld ist wichtig, das eigene Wissen über Geld häufig eher mangelhaft. In der Schule kommt das Thema Wirtschaft und Geld sicher zu kurz. Man lernt zwar haushalten, aber nicht mit dem Geld. Deshalb ist man normalerweise in Geldfragen den Fachleuten ziemlich ausgeliefert. Und was das für Konsequenzen haben kann, haben viele Leute spätestens in der jetzigen Finanz- und Wirtschaftskrise schmerzlich am eigenen Leib erfahren müssen. Da kommt ein derart umfassendes Buch, das keinen Aspekt rund um das Geld auslässt, äusserst gelegen. Auf 320 Seiten wird wirklich alles dargestellt, was irgendwie im Entferntesten mit Geld zu tun hat: Geld ein, Geld aus, wie man spart, ein Budget erstellt, fürs Alter vorsorgt, ein Eigenheim finanziert. Und dann wird auch das Megafeld Anlegen und Anlagen in allen Varianten beackert  und mit den entsprechenden Warnungen vor Fallstricken und Abzockern ergänzt. Und nicht vergessen wurden auch die Kosten, das heisst die Gebühren und Steuern. Das Buch ist aber nicht nur sehr vollständig, sondern einfach und verständlich geschrieben, angereichert mit vielen konkreten und anschaulichen Beispielen und Tipps. Auch wenn das Buch -bedauerlicherweise- keine Bilder und Skizzen enthält, ist die Darstellung durchaus leserfreundlich.

 

Für Anfänger oder Fortgeschrittene?

Für wen taugt jetzt dieses Geld-Nachschlagewerk, das man kaum in einem Zug liest, sondern eher in die Hand nimmt, wenn man ein konkretes Geldproblem hat (das man dank des detaillierten Sachwörterverzeichnis auch mit Leichtigkeit findet). Ich habe diese Frage Hanspeter Schreiber gestellt, er ist Mitautor des Buches und Betreuer des Expertenforums Geld- und Steuern bei Seniorweb: „Es richtet sich an alle Leute, die Interesse an Geldthemen haben. Es ist in einer Form geschrieben, die auch der Laie gut versteht, aber auch wer bei Anlageinstrumenten bereits Vorkenntnisse hat, erhält sicher die eine oder andere Information, die für ihn neu ist."

 

Interessant auch für Seniorinnen und Senioren

Seniorinnen und Senioren haben zum Teil bereits sehr gute Kenntnisse über Geldfragen - andere hingegen sind vielleicht absolute Laien und wollen gar nicht mehr über Geld wissen. Deshalb kann man sich fragen, wie interessant diese Lektüre für Seniorweb-Userinnen und -user ist. „Es ist schade, wenn Menschen im Seniorenalter gar nichts mehr Neues über Geld erfahren wollen", sagt Hanspeter Schreiber, „gerade in der heutigen Zeit, wo alles so hektisch zu- und hergeht, und wo auch Seniorinnen und Senioren von Banken oder andern Stellen für Geldanlagen angegangen werden, ist es wichtig, wenn man weiss, wovon die Anbieter überhaupt reden". Anzufügen ist, dass das Buch sehr wichtige Tipps enthält, wie man sich vor Betrügern und Abzockern schützen kann, die es ja besonders häufig auf ein älteres Publikum abgesehen haben. „So erkennen Sie Finanzhaie" und „Die häufigsten Abzockertricks" sind die Kapitel, welche gerade für ältere Anlegerinnen und Anleger wertvolle Hinweise enthalten.  

 

Geldbuch ein Schönwetter-Ratgeber?

Das Buch ist informativ, ohne Zweifel. Hinweise auf die gegenwärtige Finanz- und Wirtschaftskrise, die grösste wohl seit Zeiten, sucht man vergebens. „Wir haben uns das auch überlegt", sagt Hanspeter Schreiben, „letztes Jahr, als wir die Herausgabe des Buches beschlossen haben, haben wir uns sogar gefragt, ob wir es in diesen unsicheren Zeiten, wo niemand weiss, was passiert und wie es weitergeht, überhaupt herausbringen sollen". Das Buch ist also klar für „normale" Zeiten geschrieben. „Allerdings gelten die grundlegenden Regeln über das Geldanlagen auch in stürmischen Zeiten, auch in diesen Zeiten kann man sich in Geldfragen normal verhalten", sagt Hanspeter Schreiber.

 

Weshalb kein Notfallset?   

Dennoch: Als Rezept gegen die gegenwärtige Finanz- und wirtschaftskrise verschulden sich die Staaten massiv, und Bankrotte auch von grösseren Staaten lassen sich nicht ausschliessen. Was soll man tun, wenn das Weltfinanz- und Weltwährungssystem kollabiert oder wenn wir in eine Superinflation geraten, was ist dann überhaupt noch sicher?  „Ja, dann würde ich das Geld nicht für das Buch ausgeben, sondern für etwas anderes", sagt Hanspeter Schreiber, der als Vermögensberater von seinen Klienten bereits mit ähnlichen Fragen konfrontiert worden ist, zum Beispiel, was bei einem Bankrott der Schweiz passiere. „So weit möchte ich nicht gehen, ich kann mir zwar ein solches Szenario vorstellen, aber ich habe für solche Extremszenarien schlicht keine Lösungen." Selbst Politiker hätten keine Lösungen, sie versuchten einfach mit kurzfristigen Interventionen das Schlimmste zu verhindern. „Was man bei einem absoluten „GAU" mit seinem Geld machen soll und welche Anlagen dann überhaupt noch sinnvoll und werthaltig sind, da bin auch ich überfordert", sagt Hanspeter Schreiber ganz ehrlich. Kommt noch hinzu: Hätte man Rezepte für absolute Notfallszenarien im Buch angeboten, und kurz nach Erscheinen wäre die Wirtschafts- und Finanzkrise vorbei gewesen, dann stünde dieses Notfallset irgendwie schräg in der Landschaft.

 

Kommentar

„Banken in Schieflage, Börsen im Tiefflug - höchste Zeit, sein Geld selber in die Hand zu nehmen!", schreibt der Beobachter-Buchverlag. Sicher löblich und nützlich, wenn man sein Wissen rund ums Geld vergrössert und damit beispielsweise seinem Bankberater auf Augenhöhe begegnen kann. In diesem Sinne leistet das neue Beobachter-Geldbuch gute Dienste in normalen und auch in aussergewöhnlichen Zeiten. Was man hingegen bei einem zum Glück eher unwahrscheinlichen Kollaps des Weltwirtschafts- und Weltwährungssystems tun soll, dazu schweigt das Buch und verzichtet bewusst auf Rezepte. In der weisen Erkenntnis, dass niemand diese Rezepte kennt...

Das Beobachter-Geldbuch

 

Das Beobachter -Geldbuch, erschienen im Beobachter Buchverlag. 320 Seiten, Fr. 45.00

 

 

 

 

Kommentare

Bild des Benutzers Roger Ramuz

Zentralschweiz: Finanzkrise – Altersvorsorge?

Übrigens hält der Verfasser dieses Buches, am Dienstag, 28 April 2009, ein Referat unter dem Titel "Finanzkrise – Altersvorsorge?" in der Regionalgruppe Zentralschschweiz. Siehe folgender Link: [URL=http://www.seniorweb.ch/index.php?option=com_content&task=view&id=4073&Itemid=504]Referat[/URL] Wer Interesse daran hat ist herzlich zum Referat eingeladen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Bild des Benutzers Fritz Vollenweider

Hilfreicher Ratgeber

Lieber Roberto: Das ist ein hilfreicher Ratgeber, Deinem Bericht nach nicht ganz ohne Ironie oder gar Sarkasmus geschrieben. Er enthält eine Menge auch für unseree Generation interessanter und beachtenswerter Informationen. Gratuliere zu Deinem Artikel!