Bildung

Sie, die meinen die Weisheit mit dem Löffel gefressen zu haben

Sie, die meinen die Weisheit mit dem Löffel gefressen zu haben

Ist es, weil sie lange gelernt haben und nun meinen Alles zu wissen und alles zu verstehen? Oder ist es, weil sie nichts verstehen, nichts gelernt haben und deshalb meinen, ihr Nichtwissen sei das Allwissende?

 

Sie erklären den Vorgang der Klimaerwärmung genauestens, woher und wieso scheint ihnen ganz klar und logisch – nur wissen sie nicht, dass sie selber tüchtig heizen. 

Sie wissen warum es dem Staat am meisten nützt, wenn die Regierung gestürzt würde: „Weil jene, die am Ruder sind, mit hohlen Köpfen einfach ziellos drauflos rudern!“

Sie wissen was die Wirtschaft braucht, damit viel Geld verdient wird, nur haben sie vergessen, dass alle davon profitieren möchten.

Sie wissen was gesunde Ernährung ist und fabrizieren andere.

Damit sie, die Gescheiteren, ans Ruder kommen, brauchen sie Unterstützung und um diese zu bekommen machen sie Versprechungen. Viele und allerlei Versprechungen! Genau da beginnt dann das Spiel mit dem Gewissen. Versprechungen werden zu Versprechern – weil man es nicht so gemeint habe. Besserwissen wird zu Wissen und ersetzt Gewissen.

Sie denken jetzt an Politik – ich auch! An Parteipolitik, oder an Parteipolitiker? An alle Beide! Von ihnen erwarte ich nichts Besonderes, nichts Aussergewöhnliches, nur Selbstverständliches: Ehrlichkeit. Dann könnte ich Vertrauen haben – wie schön das wäre! Ich müsste mich nicht mehr ständig fragen, ob eine gedruckte, gesagte, oder plakatierte Aussage mit der Absicht mich zu manipulieren, manipuliert sei? Wäre das der Fall  – und ich würde es nicht merken – würde ich mich für dumm verkaufen. Wer will das schon? Ich sicher nicht! Ja gut, zugegeben; manchmal ein bisschen: bei der Stromversorgung, den Bilateralen, vielleicht wieder bei den neuen Fliegern, wenn Eigennutz und Gemeinnutz einander in die Quere kommen – wer weiss!

Es gibt auch noch die Handelspolitik, die Weltpolitik, die Biertischpolitik. Bestimmt ist es Ihnen schon passiert, dass ihr gekaufter Artikel anderntags viel billiger angeschrieben war, oder ein Preisabschlag, durch geringere Einfüllmenge, in eine Verteuerung auslief: Geschäftspolitik! Haben sie sich schon gefragt, woher Rebellengruppen und Aufständische in ärmsten Ländern, ihre Waffen und Munition her nehmen? Handelspolitik! Wegen der Weltpolitik wollen die Amerikaner einen Schutzschild errichten und die Russen deshalb ihr Atomwaffenarsenal aufrüsten – und beide dem Weltfrieden verbunden sein! Dafür nützt nicht einmal die Biertischpolitik. Da gibt es neben heissen Köpfen und lauten Worten nichts Konkretes, ausser der Faust im Sack und der Absenz bei Abstimmungen und Wahlen.

Nun fehlen nur noch die Geschäftemacher, jene, die nicht wissen wollten, was heute jeder Banklehrling weiss. Es sei zu erwarten gewesen, sagen sie jetzt; nur hätten es die bösen Amerikaner losgetreten. Wird diese schmerzliche Erfahrung zum Lehrplatz werden? Kaum! Nach wie vor verbrauchen wir, was noch zu haben ist. Das wird ein  Ende haben! Wir übertreiben, sehen es – und machen weiter! Dabei hatten wir sie einst: die „Döschwo, Chäfer, Topolino und Renault-Heck“. Warum braucht es nun die Nobelmarken, das andere Extrem? Ist es um Reichtum, Macht und Bessersein demonstrieren zu können, oder blosse Dummheit?

Jene, die Verantwortung übernommen haben, denen wir vertrauen, die wir mit Aufgaben betraut haben: sind sie die Besserwisser, die, die sagen wo’s langgeht? Menschen von Rang und Namen. Ihr Status katapultiert sie zu den oberen Zehntausend. Einmal dort angekommen finden sie es normal, dass ihr „Güselsack“, ihr Auto, ihr Haus, ihr Lohn, ihre Spesen gross sind. Das viele Geld öffnet den Weg des Verbrauchs, des Konsums, des Andersseins und ruft nach mehr. Ihr Weg sei steinig, hart und lang gewesen, sagen sie, Erfolg müsse erkämpft werden, geschenkt werde da gar nichts. Immerhin wird ihnen Achtung gezollt, sie sind ja Träger von Sitten, Moralbegriffen und Geschäftspraktiken einer angeblich christlich gesinnten Gesellschaft. Nicht nur ihre Lohntüten, auch ihre Vorbildfunktion ist gross. Noch grösser die Anzahl Neider und Nachäffer, jene, die auch gerne dort oben stehen möchten und auf dem Weg dazu alles Gelernte aus der Sonntagsschule vergessen würden.

Und die anderen, die Gewöhnlichen? Sie erfüllen täglich ihre Pflichten, trennen brav Mein und Dein und den Kehricht zwecks Umweltschutz. Veruntreuung, Machtmissbrauch und dubiose Geschäftspraktiken kennen sie nur aus der Zeitung und dem täglichen Erleben.

 

Kommentare

Den Kommentaren von Bernhard und akuehner sind lediglich die Schlussverse eines Gedichtes von Goethe anzufügen: Eines schickt sich nicht für alle. Sehe jeder, wie er's treibe, Sehe jeder, wo er bleibe, Und wer steht, dass er nicht falle.
Bild des Benutzers Andreas Kühner

Und sie, die die Weisheit mit Löffeln gefressen haben ...

Zwischen denen die meinen und denen die haben sehe ich keinen Unterschied, ausser vielleicht den, dass die, die die Weisheit (gefressen) haben, sicher nichts Böses taten, und die, die meinen, den Löffel in den Topf voller Neid steckten.

Ohren können das Gute hören, Augen das Schöne sehen, wenn das Hirn dies zulässt

Bild des Benutzers Bernhard Schindler

Und jetzt die gute Nachricht

Eine Lanze für uns Menschen Die "Menschheit" war nie eine kollektive Masse, sondern immer ein ungeordneter Haufen von Weisen und Dummen, von Besserwissern und Schlechter-Redenden, von Unehrlichen, von Faulen, die Erfindungen tätigten, mit der sie ihrer Faulheit frönen konnten, von verstockten Ungläubigen und von schwärmerischen Utopisten. Aber jetzt die gute Nchricht: Es braucht die Politiker, wenn sonst niemand den Dreck machen will. Es braucht sie, um ihren Wählern ihre Ideen kundzutun und ihnen Abstimmungsvorlagen zu erläutern. Es braucht die Banker, die unser Geld dazu verwenden, Firmen zu gründen und Arbeitskräfte zu beschäftigen. Es braucht die Fantasievollen, denn ohne sie würden wir noch heute auf den Bäumen herumturnen. Und es braucht sogar die Ganoven und die Halsabschneider, denn nur dank ihrem schlechten Beispiel wissen wir auch was gut und richtig sein könnte wenn man es anders anpacken würde. Und schliesslich gibt es noch die vielen, die nie in ihrem Leben ein Wässerchen trüben, die ihren Dienst tun, die das Gesamt-Wohlergehen fördern, ohne je zu fragen, warum, ohne je um Hilfe zu bitten, ohne je an sich und der Menschheit zu verzweifeln. Es gibt noch Menschen, dier nicht zuerst an sich selber denken. Ihnen verdanken wir wahrscheinlich, dass wir uns noch nicht gegenseitig die Köpfe eingeschlagen haben und dass Gott es sich immer noch überlegt, ob diese schlechteste aller bestehenden Welten nicht im Grunde doch die beste aller denkbaren Welten ist. Weil es ein paar Gerechte gibt. Und Gott längstens nicht mehr die Macht hat, eine Sintflut zu schicken, die alle Ungerechten ersäuft.

Sie, die meinen die Weisheit mit dem Löffel gefressen zu haben

:zzz Super dieser Beitrag ! Morgens lese ich erst die Leserbriefe in der Zeitung. Und genau trifft dies auch dort zu. Es sind meist nicht Meinungsäusserungen, sondern eben diese "Weisheiten"