Gesundheit

Über das Lachen und Weinen

Über das Lachen und Weinen

Lachen – lächeln – grinsen – hämisch feixen – schallend heraus lachen – sich den Bauch halten vor Lachen – Lachen, bis einem die Muskeln weh tun.  

Das alles gehört zur Fähigkeit des Lachens, die wir den meisten Tieren voraus haben. Ein Hund kann zwar seiner Freude Ausdruck geben. Aber kann er lachen?

Nun gibt es aber auch ein Lachen, das einem im Hals stecken bleibt. Ein Lachen, das ins Weinen übergeht. Haben wir nicht unsere Kinder gewarnt, wenn sie zu ausgelassen waren: „Pass uuf, us em Lächli gits bald es Bächli!“?

Lachen sei gesund, habe ich einmal gelesen. Es würden bei einem Lächeln viel mehr Muskeln bewegt als bei einem ernsten Gesicht. Das mag schon stimmen. Aber welches Lachen ist dabei gemeint? Das höhnische Gelächter, das neidvolle Feixen, das Grinsen, das jeden andern dazu animiert, mir in die Fresse zu schlagen?

Heute wird also der Lachtag gefeiert.

Lachen als Therapie. Lächeln als gutmütige Geste, aber auch als Magnet für Blicke – wenn das Lächeln schön ist. Oder geheimnisvoll. Wie jenes der Mona Lisa.

Befreit lachen, wenn einem ein guter Witz erzählt wird. Über sich selber lachen können, wenn man sich in Gesellschaft blamiert.

Lachen ja – auslachen nein. Wer zuletzt lacht, lacht am Besten: das ist doch ein Slogan aus der Zeit des Kalten Krieges. Ein gesundes Lachen wird geboren aus Zufriedenheit gepaart mit einer gewissen Abgeklärtheit: „Ja, ja, als wir jung waren...“ Es sammelt sich im Bauch, es beginnt im Magen zu kitzeln, es geht ans Herz, dann in die Lunge, es steigt die Luftröhre empor und entlädt sich mit einem gewaltigen Lacher. Wenn es echt ist, steckt es an. Einer lacht mit, ein andrer fällt in das Lachen ein, bald lachen alle aus vollem Hals: „Haha hoho huuuh!!!“

Lachen befreit – Lachen bringts auf den Punkt.

Aber bei jedem Lachen sollte im Hinterkopf ein Warnzeichen aufleuchten: Gelacht wird meistens auf Kosten anderer. Und so oft lachen wir, wenn es gar nichts zu lachen gibt. Aus Angst, aus Verlegenheit. Nicht umsonst spricht man von Galgenhumor. Die besten Witze entstehen aus einer Notlage heraus: „Sagt der Jud zum Nazi, der ihn gefragt hat, welches seiner beiden Augen ein Glasauge sei: <Das Rechte!>. Und wie der Jude es errät, fragt der Deutsche verblüfft, wieso er das erkannt habe. Der Jude sagt ruhig: <Es hat mich so menschlich angeblickt!>...“ oder die Geschichte vom polnischen Parteibonzen, der in der Kirche mitbekommt, wie die arme Boreslawa Gott um zehntausend Sloty bittet. Der Parteichef nimmt aus der Gemeindekasse 5000 Sloty und schickt sie der armen Boreslawa. Und hört diese dann in der Kirche beten: „Lieber Gott, danke für das Geld, das Du mir überwiesen hast. Aber schick es das nächste mal nicht dem Bürgermeister. Der behält doch die Hälfte!“

Nicht umsonst gibt es so viele Judenwitze und Anekdoten aus dem ehemaligen Ostblock.

Was haben wir  Alten noch zu lachen?

Wir können darüber lachen, dass wir so lange leben durften. Dass es uns gut ging, dass wir nie in die internationalen Strudel und Kriege hineingezogen worden sind. Wir dürfen lachen über uns selber, über unser Bemühen, dem Glück hintennach zu rennen, aber das Glück tut, was Brecht in der Dreigroschenoper dichtete: es rennt uns hinterher.

Und wir dürfen uns daran erinnern, wie herzlich, ehrlich, ohne Neid und Häme wir als Kinder lachen konnten. Beispielsweise als sich der Elefant vom Circus Knie beim Bellevue in Zürich auf den grünen VW setzte, der hinter ihm fuhr. Er war es doch in der Arena auf seinem grünen Hocker so gewöhnt!

Lachen ist gesund. Auf meinem Grabstein könnte einmal stehen:

„Er lachte sich ins Leben, er lächelte seine Mama an, er grinste über die Streiche, die er beging und lachte wehmütig über jene, die er nie begangen hat. Schliesslich lachte er sich ins Grab. Wer an einem lauen Sommerabend über den Kirchhof geht, wird mich vielleicht  noch lachen hören!