Leerlauf 
Mein Arzt (oder welcher Leistungserbringer auch immer) schickt mir die Rechnung per Post. Ich kontrolliere sie, bezahle im E-Banking und schicke den Rückforderungsbeleg mit einem Begleitbrief wieder per Post an die Krankenversicherung, wo sie dann eingescannt wird. Anschliessend werden Rückforderungsbeleg und Brief geshreddert. Die Krankenversicherung schickt mir die Leistungsabrechnung wieder auf Papier und per Post. Dreimal Papier, dreimal Porto, dreimal Leerlauf.
Viel Papier um nichts
Mein Arzt arbeitet mit Computer, ich arbeite mit Computer, die Krankenversicherung arbeitet mit Computer. Niemand von uns müsste je ein Dokument ausdrucken und versenden (und auch nicht shreddern), wir könnten problemlos die ganze Abrechnerei elektronisch machen und damit wohl einiges an Kosten sparen.
Cablecom macht es vor
Die vielgescholtene Cablecom macht es vor, sie schickt die Rechnungen im PDF-Format. Ich kann die Daten aus dem Dokument kopieren und direkt im Electronic-Banking meiner Bank einfügen- und schon ist die Rechnung bezahlt. Kein Porto - kein Papier - kein Leerlauf. Und genau so müsste es auch im Dreiecksverhältnis Leistungserbringer (z.B. Arzt, Spital) - Patient - Krankenkasse laufen.
Krankenkassenverband Santésuisse: Sinnvolle Lösung
„Das ist doch sinnvoll und kein Problem, wenn Patient, Arzt und Versicherer sich darauf einigen. Wir schlagen in diesem Fall vor, dass der Arzt gleichzeitig je ein PDF-File der Rechnung an den Patienten und Versicherer mailt, der Patient dann dem Versicherer das OK zur Zahlung mailt, denn der Patient ist Schuldner. So wird die Eigenverantwortung gefördert", schreibt Felix Schneuwly, Leiter Politik und Kommunikation beim Branchenverband der Krankenversicher santésuisse.
Kosteneinsparung möglich?
Weniger Papier, weniger Porti, weniger Umtriebe - das müsste doch wohl zu Kosteneinsparungen führen? Felix Schneuwly gibt sich eher skeptisch: „Elektronisch ist nicht gleich elektronisch. Die Umstellung von nicht standardisierten Rechnungsformularen von Papier auf PDF spart Papier- und Portokosten, aber erspart dem Versicherer nicht das aufwändige Scannen und Strukturieren zum automatischen Kontrollieren der Rechnungen. Ein echter Produktivitätsgewinn wird erst durch einheitliche Standards für den elektronischen Datenaustausch erreicht. Leistungserbringer und Versicherer arbeiten im Forum Datenaustausch daran, den elektronischen Austausch administrativer Daten zu standardisieren." Höchste Zeit, denn es ist wirklich nicht einzusehen, weshalb jeder Leistungserbringer und jede Versicherung sein bzw. ihr eigenes Administrations-Süppchen kochen muss (auf Kosten der Versicherten natürlich).
Ball liegt bei Versicherten und bei Leistungserbringern
Auch wenn der Verzicht auf Papier vielleicht kurzfristig wenig Einsparungen bringt, lohnen sich die Investitionen in eine elektronische Abwicklung allemal, weil dadurch die Transparenz und Patientensicherheit erhöht werden können, erklärt Felix Schneuwly: „Die Versicherer sind bereit; bei den Leistungserbringern, insbesondere bei den wenig unternehmerisch handelnden Ärzten hapert es noch. Wenn sich die Patienten vermehrt wie Kunden verhalten und von den Leistungserbringern nicht bloss im medizinischen Bereich Innovation und Qualität verlangen, sondern auch im administrativen Bereich, und unter den Leistungserbringern endlich mehr Wettbewerb herrscht, beschleunigt sich die Entwicklung auch im Bereich eHealth rascher in Richtung Innovation und Kundennutzen."
Sanitas : Ja, aber nicht mit PDF!
Angenommen, der Arzt ist bereit, auf die Ausstellung einer Papierrechnung und eines Papier-Rückforderungsbeleges zu verzichten, würde beispielsweise die Sanitas die ganze Leistungsabwicklung elektronisch abwickeln? Dr. Isabelle Vautravers, Leiterin Kommunikation: „Die Sanitas ist selbstverständlich bereit und begrüsst es sehr, Arztrechnungen elektronisch abzuwickeln. Aus Gründen der Betrugsgefahr kann die Übermittlung der Rechnungen aber nicht über PDF und Mail erfolgen, sondern über die standardisierten elektronischen XML-Formate (die in den gängigen Praxis-IT-Lösungen integriert sind)."
Wie läuft's in der Praxis?
Und was muss der Patient oder die Patientin konkret vorkehren, damit die Leistungsabrechnung elektronisch abläuft? Dr. Isabelle Vautravers: „Es gibt bereits zahlreiche Ärzte, die mit der Sanitas heute schon so abrechnen. Es reicht, wenn der Versicherte seinen Arzt auffordert, direkt mit der Kasse abzurechnen. Die Sanitas unterstützt diese Bestrebungen explizit, weil sie tatsächlich ein Ansatz sind, unnötige Kosten und administrative Leerläufe auf Arzt- und Versichererseite zu eliminieren."
Sparpotential von jährlich 250 Millionen Franken?
Und zum Schluss verweist Sanitas noch auf eine besondere Website namens Kostensenken, wo man folgendes zu lesen bekommt: „kostensenken.ch ist eine Informationsplattform zur elektronischen Leistungsabrechnung im Schweizer Gesundheitswesen. Die Plattform wird von der MediData AG, dem führenden Unternehmen im Bereich des elektronischen Datentransfers im Gesundheitswesen, getragen und von namhaften Krankenversicherungen und Partnern unterstützt. Mit der direkten Abrechnung können die Kosten im Gesundheitswesen an drei entscheidenden Stellen gesenkt werden:
1. Ärzte sparen Porto, weil die Rechnung elektronisch an die Krankenversicherung übermittelt wird. Im UVG (z.B. Suva), bei IV und MVG entfallen Patientenkopien und im KVG können diese auch in der Praxis übergeben werden. Zudem wird das Risiko von unbezahlten Rechnungen für den Arzt kleiner.
2. Patienten sparen Zeit und Portokosten, weil sie die Rechnung nicht mehr an ihre Krankenversicherung weiterleiten müssen.
3. Krankenversicherer sparen Verarbeitungskosten.
Bei 45 Millionen Rechnungen, die jährlich direkt abgerechnet werden könnten, beträgt das Sparpotenzial über 250 Mio. Franken.“
Kommentar
Statt der läppischen Praxisgebühr von 30 Franken pro Arztbesuch, die Gesundheitsminister Pascal Couchepin vorgeschlagen hat, würde man besser subito in der ganzen Schweiz die elektronische Leistungsabrechnung einführen! Natürlich nur für Patientinnen und Patienten, die das wünschen. Und wo noch ein weiteres grosses Sparpotential schlummert, hat vor kurzer Zeit der Kassensturz des Schweizer Fernsehens aufgezeigt: Mit teuren Maklern, die auf Provisionsbasis arbeiten, versuchen sich die Krankenkassen gegenseitig gute Kunden abzujagen. Ob da eine (prämienfinanzierte) Einheitskrankenkasse nach dem Muster der SUVA nicht enorme Kostenvorteile bringen würde, wäre doch wirklich wieder einmal ganz ernsthaft zu prüfen. Damit würden auch die jährlichen Kassenwechsel, die ebenfalls mit einem hohen administrativen Aufwand verbunden sind, entfallen.
Bilder: www.aboutpixel.de
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