Kultur

Auch Satiriker kommen in den Himmel!

Auch Satiriker kommen in den Himmel!

Satire kann nichts verändern, sie kann nur Missstände aufzeigen. So hat es der grosse Meister Tucholsky schon vor mehreren Jahrzehnten gesagt und so ist es bis heute geblieben. Erst recht ist es so bei Kleinsatirikern der unbedeutenden Art wie dem Schreiber der Montagssatire.

 

Dieser Wolf Buchinger musste heute vorwegträumen, dass auch er in den Himmel kommen wird, obwohl oder trotzdem er Satiriker war. An der Himmelspforte wird er überraschend freundlich von Petrus begrüsst:

"Mein Sohn, ich zeige Dir erst einmal, wie sehr wir uns hier oben über Eure unten so verkannte Zunft freuen. Wir führen Seminare durch über Satire in der Hoffnung, dass sie wenigstens nach dem Tod verstanden wird. Schau hier hinten in Seminarraum Wolke 777. Dort sitzen die Schergen des Dritten Reiches. Sie haben Satire verdammt und einige Schreiber hingerichtet, weil sie den Sinn dieser Kunstform nie verstehen konnten und wollten. Ihre Nachfolge war der Kommunismus - welch eine Satire-Qualität gab es dort! - heute ist es China. Oh ja, Du kommst ja aus der schönen Schweiz! Dort ist sie fast ausgestorben, sie ist nur noch ein Randeffekt in einer Nation, der es zu gut geht. Wenige schreiben noch, wenige attackieren sie, sozusagen eine Randsportart der Kultur. Dennoch haben wir auch hier von dort einige Kandidaten, denen wir verzweifelt den positiven Sinn von Satire beibringen wollen. Sie sitzen auf der dunkleren Wolke 777.s dahinten. Es sind meist rechtslastige Menschen, die Satiriker mit Schimpfwörtern und rassistischen Bemerkungen versuchen auszulöschen. Du bist davon betroffen als "der Teutsche" und ähnlichen Scheusslichkeiten.

Tja, und jetzt sitzen dort in der 748. Lektion einige Mitglieder von Seniorweb, darunter auch neue führende Mitglieder, und verstehen sie nicht, diese Satire. Aber wir werden es ihnen beibringen, die Ewigkeit ist ja ewig." 

Dem Schreiber der Montagssatire wurde es bei diesem Bild so schlecht, dass er beschloss, ab sofort nicht mehr am Montag zu erscheinen und ganz kühn verabschiedet er sich mit einem grossen Dank an die vielen Seniorwebler, die ihn gelesen und vielleicht auch verstanden haben.

 

Kommentare

Bild des Benutzers Albert Hahn

Ein Abgang

Also ich bin nicht traurig darüber, von Ihnen Herr Walter Buchinger nichts mehr zu lesen (müssen), um es mal sehr nett und höflich auszudrücken. Freundlichen Gruss dennoch. hahnalv
Bild des Benutzers Bernhard Schindler

Satiriker im Himmel - wie Zürcher an der Basler Fasnacht

Nein, lieber Wolf, Satiriker kommen nicht in den Himmel. Weil sie dort ebenso falsch am Platz wären wie ein Zürcher an der Basler Fasnacht. Satiriker gehören zwischen zwei Buchdeckel oder auf die Bühne. Sie müssen gekauft werden, um wirken zu können: Ein guter Satiriker verkauft sich gut, ein schlechter wird bald vergessen sein. Ich gebe zu, dass sich auch Tucholsky in den Himmel wünschte. Und mit den drei Treppenzeilen "Lesen -schreiben - schweigen" hat er das ja auch versucht. Aber wenn Du den Katalog der Literatur im Himmel durchschaust, findest Du Tucholsky nicht. Denn er war der Heiligkeit nicht einmal ein Verweis in den katholischen Index der lesensunwerten Literatur wert. Lieber Wolf, der Himmel ist nichts für Satiriker, weil dort alles so geordnet und gesittet, so "s v p" (simpel, verl..., nein: verbohrt und populistisch) zugeht. In der Hölle ist zudem die bessere Gesellschaft anzutreffen. Satiriker sollten weder in den Himmel noch in die Hölle kommen wollen. Es reicht, wenn sie versuchen, die Bestsellerlisten zu erklimmen. Einigen wenigen ist das wenisgstens nach ihrem Tod gelungen. Dir lieber Wolf mit Lebenspartnerin wünsche ich alles Gute, und Verständnis dafür, dass die Schweiz für Humor und Kritik ein verdammt harter Boden ist. Gruss, Bernhard

Bernhard Schindler Redaktor Seniorweb alt. stv. Chefredaktor Zofinger Tagblatt

Bild des Benutzers Brigitte Poltera

Selbstverständlich kommen Satiriker auch in den Himmel, lieber Wolf, liebe Inga. Doch hier geht es um die Frage, wer die Schuld daran trägt, dass zwei sich nicht verstehen - der Leser oder der Schreiber? Oder sollen wir einfach so tun als ob Satire ein so abgehobener Zustand ist, dass wir sie gar nciht verstehen sollen? Wie auch immer - ich finde etwas Abwechslung bei den Kolumnen auch nicht so schlecht. Es ist ja wirklich sehr schwierig, sich verpflichtet zu fühlen, jede Woche ene neue hochaktuelle Satire zu schreiben. In diesem Sinne könnte ich mir durchaus ein Wiederlesen vorstellen - vielleicht in grösseren Abständen oder einfach, wenns wirklich was zu sagen gibt. Bis dahin alles Gute für euch.

Lieber Wolf Ich bedaure es ausserordentlich dass du aufgibst. Aber verständlich ist es natürlich auch für mich. Dir und Inga wünsche ich alles Gute für die Zukunft!

Warum kompliziert wenn's einfach auch geht :-)