Konsum

Moderne Technik kann ausgrenzen oder integrieren

Moderne Technik kann ausgrenzen oder integrieren

Kinder und Jugendliche wachsen mit der modernen Technik auf und gehen virtuos mit ihr um. Ältere und behinderte Menschen tun sich da schon schwerer, deshalb soll der Zugang zu Informations- und Kommunikationstechnologien möglichst erleichtert werden.
 

Accessibility Day 2009Accessibility Day

Eine von der Credit Suisse, der Fachgruppe Accessibility der Schweizer Informatikgesellschaft und der Stiftung „Zugang für alle" organisierte Fachtagung in Zürich zeigte vielfältige Möglichkeiten auf, wie Barrieren zur modernen Informations- und Kommunikationstechnologie beseitigt werden können. Das sind, um nur einige Beispiele zu nennen, der Laptop für Sehbehinderte, der sprechende Bancomat der Firma Wincor-Nixdorf,  barrierefreie Websites, benutzerfreundliches Electronic-Banking der Credit Suisse oder das Internet-Einsteigepaket der Swissscom.

 

Nutzerinnen und Nutzer sind (auch) gefordert

Natürlich sind in erster Linie die Anbieter aufgefordert, möglichst allen Menschen einen barrierefreien Zugang zu modernen Technologien zu ermöglichen. Aber auf der andern Seite liegt es auch an den Nutzerinnen und Nutzern, Forderungen zu stellen. Die Behindertenorganisationen haben es vorgemacht und mit beharrlichem Lobbying zahlreiche Verbesserungen für ihre Klientel erreicht, man denke nur an tiefer montierte Geldautomaten, die auch von Menschen im Rollstuhl bedient werden können. Da sollten auch die Seniorinnen und Senioren mit ihren Bedürfnissen nicht hintanstehen. Ein Beispiel: Die neuen SBB-Billetautomaten bereiten speziell älteren Reisenden einige Mühe; sie sind kompliziert, die Menüführung ist nicht einfach und auch nicht unbedingt logisch. Seniorinnen und Senioren sind auf der andern Seite häufig gute Kundinnen und gute Kunden der SBB und sollten sich deshalb nicht scheuen, ihre Beschwerden und Wünsche gegenüber der SBB klar zu formulieren. Wenn man das nicht als Einzelperson machen will, dann bietet sich Seniorweb als Hilfe an - eine Organisation  hat gegenüber einer grossen Unternehmung sicher mehr Gewicht. Schade, dass ausgerechnet die SBB an der Tagung nicht dabei war...

 

Accessibility Day 2009Erkenntnisse für Seniorweb

Weniger für die Userinnen und User als für den Webmaster von Seniorweb (ich entschuldige mich für die englischen Ausdrücke) dürften die Ausführungen von Markus Riesch, dem Geschäftsleiter der Stiftung „Zugang für alle", von Interesse sein. Er formulierte die Bedingungen für barrierefreie Websites und stellte dabei die neuen Standards (WEB Content Accessibility Guidelines 2.0) vor. Dieser schon lange erwartete Standard unterstützt Web-Designer und Entwickler bei der Erstellung von Websites, die für alle Menschen zugänglich sind, „im Speziellen für Menschen mit Behinderungen sowie für Seniorinnen und Senioren", wie Markus Riesch ausführte. Besonders beeindruckend in diesem Zusammenhang, wie an der Tagung der sehbehinderte René Jaun völlig locker und virtuos auf seinem Laptop „herumturnte" und dies in einem witzigen Vortrag auch noch gleich kommentierte.  Für ihn - und natürlich auch für viele andere Sehbehinderte - bedeutet der Computer den Zugang zur Welt.

 

Fazit der Veranstaltung:

Moderne Technologien können ausgrenzen,

barrierefreie moderne Technologien können integrieren.

 

Links:

 

Stiftung „Zugang für alle" 

 

Referate und Video der Tagung  (werden demnächst aufgeschaltet) 

 

Barrierefreie Websites

 

 

 

 

Kommentare

Barrierefrei

Ich selber nahm an dieser Tagung teil. Vier Rollstuhlfahrer folgten den Pfeilen zum Tagungsort und standen vor einer etwa 20-stufigen Treppe. Allen war klar, hier ist eine Barriere. Selbstverständlich war ein Lift vorhanden und die Rollstuhlfahrer konnten unbehindert den Referaten folgen. Nach dem ersten Satz bei der Begrüssung, plötzlich hatte ich keinen induktiven Ton mehr von der ausgezeichnet eingestellten Höranlage. Ich meinte es liege an meinen zwei schon in die Jahre gekommenen Hörgeräten, doch dem war nicht so. Da ich nicht einmal mehr die Hälfte des Gesprochenen verstand konnte und ich mich ein Mehrfaches konzentrieren musste, stand ich auf und ging hinaus. Niemand im Saal hat bemerkt, dass ich nicht zum Ladyroom ging sondern zum Techniker. Erst in der Kaffeepause stellten die Fachleute fest, dass ein Techniker im Saal einen Stecker herausgezogen hat um den Ton des Laptops mit der vorhandenen Lautsprecheranlage zu koppeln. Dieser Stecker war die induktive Höranlage für Hörgerätetragende. Hörbeeinträchtigte haben unsichtbare Barrieren die genauso behindern wie Treppenstufen für Rollstühle, denn ich konnte ohne induktive Höranlage den Referaten nicht folgen.