Gesellschaft

Das Handy: Die neue Waffe der Demokratie

Das Handy: Die neue Waffe der Demokratie

Es geschieht in diesen Tagen. Und wir sind Zeugen davon. Das Handy wird zur Waffe der Demokratie. Im Iran demonstrieren jeden Tag Tausende, gar Hunderttausende gewaltlos für Neuwahlen, letztlich für mehr Demokratie. Wir schauen fasziniert hin und stellen uns aber doch die bange Frage: wo führt das hin? Denn der Staatsapparat schlägt immer härter und mit roher Gewalt zurück. 

Doch das Verblüffende und was die Welt verändern, in der Kommunikation gar revolutionieren wird: Wir schauen TV-Bilder nicht von professionellen Kameraleuten und Journalisten gedreht und verarbeitet, wir sehen Handy-Aufnahmen von Akteuren, von Demonstranten, verdeckt gedreht, unverarbeitet auf verschlungenen Internet-Wegen zu uns transportiert. Die Akteure übernehmen die Rolle der Chronisten, der Journalisten, sie machen öffentlich, was die Machthaber zu verhindern versuchen: die gewaltlose Macht der Opposition.

In New York tagten letzte Woche gleichzeitig 120 Internet-Experten und riefen die Twitter-Revolution aus. Denn jeden Tag erhielten sie, 10`000 Kilometer weit entfernt, aus Teheran im Minutentakt Informationen über Twitter und Facebook zugestellt. Die verzweifelte Opposition in Teheran bediente und bedient sich nach den offensichtlich manipulierten Präsidentenwahlen der sozialen Netzwerke im Internet und ruft gleichsam schriftlich der Welt ihre Wut, ihre Verzweiflung über die Zustände in ihrem Land entgegen. Die Experten in New York sahen ihre kühnsten Visionen bestätigt. Die Macht wird künftig neu verteilt. Regierungen, grosse Organisationen, aber auch Firmen werden immer weniger darüber zu bestimmen haben, wer wen und wie zu informieren hat. Jeder wird selber ein soziales Netzwerk aufbauen, wird gleichsam seine Gemeinde, gar eine Gegenwelt, eine Macht zu herrschenden Regimes,  beispielsweise wie im Iran, im Internet versammeln können.

Jack Dorsey, der Mitbegründer von Twitter, geht noch weiter. Er ist überzeugt, dass Twitter zu einem Werkzeug der Demokratie wird. „Die Welt wird näher zusammenrücken am Lagerfeuer des Internet“, wie er sich in New York ausdrückte. Und er wurde von den anderen Experten an der Internet-Konferenz bestätigt. Die bekannte Web-Autorin Megan Carberry hofft gar, dass durch die sozialen Netze „unser Blick objektiver wird“, dass die  Menschen weltweit mehr Verständnis füreinander aufbringen werden, dass die Welt so friedlicher wird.

Iran ist der Anfang. Noch wissen wir nicht, wie es enden wird. Die Zeichen sind nicht versöhnlich. Der oberste religiöse Führer des Iran, Ayatollah Khamenei, will Härte zeigen. Er will an der Wahl Ahmadinejads zum Präsidenten nicht rütteln. Er ruft die Opposition auf, die wohl manipulierte Wahl zu akzeptieren. Die Demonstrationen auf der Strasse werden unter dem Druck des Regimes möglicherweise mit der Zeit an Kraft verlieren. Sicher wird aber eine Kraft zunehmen: Die Kraft der Opposition im Internet. Den Informations-Austausch wird das Regime nicht unterdrücken können. Auch Teheran will künftig angeschlossen sein am Netz der Welt. Und damit auch die Opposition. Fürwahr: Das Handy und mit ihm das Internet sind zu Waffen der Demokratie geworden. Technischer Fortschritt für den Frieden.

 

 

Kommentare

Irrtum

Aufgepasst das was jetzt im Iran geschieht, kann der grösste Schwindel sein. Denn eines macht die Iranführung verdächtig, solche Massenkundgebungen findet nicht ohne eine Organisation, einfach so statt. Ich frage? Will der Iran nur den Westen zu einer unüberlegten Handlung verleiten?
Bild des Benutzers Fritz Vollenweider

Eindrücklich...

...wie Du das schlderst und zusammenfassest, Anton! Eine wirklich überzeugende Analyse, und das Neuartige der Vernetzten Gesellschaft hast DU ausnehmend gut erkannt und dargelegt. Möge es tatsächlich zu einer neuartigen "human community", zu einer weltumspannend vernetzten Demokratie werden, wie die Hoffnung ja greifbar besteht. Danke!